Wahl-Check Welzheim Kandidaten munter im Gespräch

Welzheim. An diesem Abend kam jeder auf seine Kosten. Sowohl diejenigen, die wegen des politischen Spektakels kamen, als auch jene, die sich einen Überblick über die aktuellen Themen in der Stadt Welzheim vor der Bürgermeisterwahl am 11. März verschaffen wollten. Auf jeden Fall war das Podiumsgespräch der Welzheimer Zeitung am Montagabend ein munterer, lebendiger Abend.

Über den turbulenten Auftritt des Kanidaten Thomas Hornauer, der am Sonntag bei der Bürgermeisterwahl in Plüderhausen klar gescheitert war, haben wir ja bereits in der Dienstagsausgabe berichtet, deshalb nun zu den Sachthemen, zu denen auf dem Podium neben den erschienenen Kandidaten sachkundige Bürger das Wort hatten.

Das Spektrum reichte wieder einmal vom bereits beschlossenen Drogeriemarkt am Feuersee über Kinder- und Jugendbetreuung über zu viel Müll in der Innenstadt bis zum geplanten Sportzentrum der Turn- und Sportfreunde (TSF) Welzheim. Der Flächenverbrauch wurde genauso thematisiert wie das Problem, immer genügend Ehrenamtliche zu finden.

So wird beispielsweise das Museum Welzheim in der Pfarrstraße ausschließlich mit Ehrenamtlichen vom Historischen Verein betrieben. Der Vorsitzende Dieter Frey kann deshalb nicht garantieren, dass dies auch in Zukunft zu stemmen ist.

Petra Schütte für Jugendhaus auf dem Kühnle-Areal

Für die Vorsitzende der TSF, Petra Schütte, ist nicht nur das neue Sportzentrum ein Anliegen, sie wünscht sich als Nachbar ein Jugendzentrum oder Jugendhaus, denn in der Stadt werde für die Jugendlichen, im Gegensatz zur Kinderbetreuung, viel zu wenig getan.

Von den fünf Kandidaten standen drei auf dem Podium, zunächst natürlich Amtsinhaber und Wiederbewerber Thomas Bernlöhr, die Welzheimerin Amanda Köhler Eisenmann und eben Thomas Hornauer, der mehr oder weniger sachlich auf die Fragen des Moderators, Redaktionsleiter Hans Pöschko, von der Lokalredaktion Schorndorf/Welzheim antwortete mit Ausflügen in seine Gedankenwelt, die größtenteils mit Lachen oder Kopfschütteln begleitet wurden.

Kandidatin Friedhild Anni Miller hatte eine andere wichtige Veranstaltung für die Oberbürgermeisterwahl in Ravensburg, wo sie ebenfalls kandidiert. Der Welzheimer Bewerber Michael Uhl hatte sich krankheitsbedingt entschuldig. Weitere Gäste waren Angelika Böttcher für Freundeskreis Asyl, der Welzheimer Sportstar und Gemeinderat Niko Kappel sowie Supertalent Noel Lehar, der zu Beginn mit drei Stücken auf der Querflöte brillierte.

Eine Alternative zum amtierenden Bürgermeister

Amanda Köhler Eisenmann ist die Kandidatur deshalb ein Anliegen, dass die Wähler eine fachliche Alternative zum Wiederbewerber haben. Ein Anliegen ist der weitere Ausbau der Kinderbetreuung und sie stören auch manche Details, zum Beispiel die Turmuhr auf dem alten Gebäudeteil der Realschule, die die falsche Uhrzeit anzeigt. Bezahlbarer Wohnraum sei knapp und überhaupt möchte die Bewerberin die Dinge verändern und voranbringen.

Thomas Bernlöhr hat sich um eine zweite achtjährige Amtszeit beworben, weil er „mit großer Freude“ arbeitet und seine Familie in Welzheim angekommen ist. So hat Bernlöhr in Welzheim geheiratet, hier kamen drei Kinder auf die Welt.

Hornauers "Signal für ganz Deutschland"

Thomas Hornauer sieht sich als „Bürgermeister mit Herz“. Er sei Welzheimer. Würde er in Welzheim gewählt, wäre das ein deutliches Signal für ganz Deutschland.

80 bis 90 Ehrenamtliche sind nötig, um den Museumsbetrieb an Feiertagen und den Wochenenden aufrechtzuhalten. „Das ist eine große Herausforderung für uns“, so Dieter Frey. Köhler Eisenmann geht gerne ins Museum, bemängelt aber die schlechte Beschilderung für auswärtige Besucher, die insbesondere am Bahnhof ankommen. „Bei der Beschilderung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan“, stellt Frey klar.

Bürgermeister Bernlöhr weist in diesem Zusammenhang auf das geplante grüne Band vom Bahnhof über den Postweg in die Innenstadt hin, das schon unter seinem Vorgänger Hermann Holzner konzipiert worden sei. Thomas Hornauer hat zum Museum als ehemaliger Schüler der Bürgfeldschule eine besondere Beziehung, seine Klasse sei wegen Raummangels ins ehemalige Dekanatsgebäude ausgewichen.

Genug Angebote für die Jugend?

Nächste Frage, neues Thema: Niko Kappel sieht Welzheim im Breitensport sehr gut aufgestellt. Es könne fast jede Sportart betrieben werden. Doch wenn es in Richtung Hochleistungssport geht, muss auf andere Zentren ausgewichen werden.

„Meine Wurzeln sind und bleiben in Welzheim.“ Er denkt, dass sich in dieser Richtung im geplanten Sportvereinszentrum künftig mehr tun wird, und spielte damit den Ball in Richtung Petra Schütte. Mehr als die Hälfte der rund 2500 Mitglieder der TSF seien Kinder und Jugendliche. In der Stadt fehlten aber Angebote für die Jugend. „Wir tun viel für die kleinen Kinder, aber die werden irgendwann mal groß.“

So sollen sich die Heranwachsenden treffen. Es gebe nicht einmal ein Kino. Ein großes Anliegen sei deshalb ein Jugendhaus im Bereich des Schulzentrums auf dem von der Stadt erworbenen Kühnle-Areal. Auch Köhler Eisenmann sieht ein großes Loch in der Betreuung ab der fünften Klasse. Thomas Hornauer plädierte dafür, den jungen Menschen ihre Freiheit zu lassen, und sprach sich für einen Sozialausgleich aus. Neue Sozialräume müssten geschaffen werden, weil die Kinder bereits in der sechsten Generation nicht richtig erzogen würden. „Wir sollten der Jugend mehr Vertrauen geben.“

Thomas Bernlöhr wies auf das bestehende Jugendzentrum im Bürgerhaus Alte Kantine hin, das selbst von der Jugend betrieben wird. „Derzeit steht wieder ein Generationswechsel an, aber ich bin guter Dinge, dass dies funktioniert“, so Bernlöhr nach einem Gespräch mit den Jugendlichen. Es gebe einen Skate-Park im Rötelfeld und der Dirt Park an der Umgehungsstraße werde von der Jugend wieder hergerichtet. Petra Schütte schaut derweil neidisch nach Alfdorf, wo eine neue Ballspielhalle gebaut werden soll.


Umzug nach Welzheim?

Thomas Hornauer mit seinem schillernden Kristallzentrum einschließlich seiner heißen Telefonleitungen überlegt sich, nach Welzheim zu ziehen. Das hat der Unternehmer beim Podiumsgespräch unserer Zeitung am Montagabend in der Justinus-Kerner-Halle angekündigt. „Ich bin ein guter Gewerbesteuerzahler.“

Nach dem für ihn schlechten Ausgang der Bürgermeisterwahl im Remstal hätten ihn die Plüderhäuser nicht verdient. Hornauer, der in Welzheim aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, fühlt sich nach seinen Worten ohnehin als Welzheimer. Die Stadt sei modern und fortschrittlich und habe nicht so viele Schulden wie Plüderhausen. „Ich komme nach Hause.“ Er benötige dazu eine passende Gewerbefläche und könne sich auch eine gebrauchte Immobilie vorstellen. „Das Telefongeschäft ist ganz schnell umgezogen.“

Luftblasen und Wahlaufforderung

„Ich bin keine Luftblase“, sagt Thomas Hornauer, als seine gedanklichen Ausführungen in seine königliche Welt mit Lachern quittiert werden. „Ich will ernst genommen werden in dieser Arbeit“.

„Wir brauchen dringend einen Drogeriemarkt, sonst fahren die Welzheimer weiterhin nach Mutlangen, Rudersberg und Schorndorf zum Einkaufen“, meinte in der Fragerunde Tanja Brucker in Richtung Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann.

„Nicht an diesem Standort am Feuersee“, meinte dazu die Angesprochene. Zu viele Parkplätze würden dadurch wegfallen. Gleichwohl vermisse sie nichts im Drogeriesortiment, was es in Welzheim nicht bereits gebe.

„In den letzten acht Jahren hat sich bei den Wohn- und Gewerbeflächen gewaltig was gedreht“, so Thomas Bernlöhr zum Flächenverbrauch. Zu Beginn seiner Amtszeit ist darum gerungen worden, Bauplätze zu verkaufen, jetzt braucht die Stadt Vergaberichtlinien und Wartelisten.

„Gehen Sie am 11. März zur Wahl und ermuntern Sie andere, zur Wahl zu gehen. Gewinnen kann nur einer, aber alle und vor allem die, die sich heute vorgestellt haben, haben sich durch ihren Einsatz zumindest eine ansprechende Wahlbeteiligung verdient“, Moderator Hans Pöschko in seinem Schlusswort.

Gute und schlechte Nachrichten

Drei gute und drei schlechte Eigenschaften hat Moderator Hans Pöschko während des Podiumsgesprächs bei den drei anwesenden Bürgermeister-Kandidaten angefragt.

Thomas Hornauer räumt freimütig ein, dass er manchmal nicht zu stoppen ist und die innere Wut so groß werde, dass ihm Worte rausrutschen, die besser nicht gesagt worden wären. Außerdem fährt er nach eigenem Bekunden gern schnelle Autos. Wert legt er auf genaue Kommunikation. Er hält sich zudem für einen „Tiefgänger“. „Ich bin ein künstlerischer und kreativer Mensch.“ Außerdem sehe und höre er die Dinge mit dem Herzen.

Amanda Köhler Eisenmann hat laut eigener Aussage ein schlechtes Namensgedächtnis und verbringt ihre Freizeit unspektakulär meist zu Hause mit Haus- und Gartenarbeiten oder liest gern ein Buch. Sie sieht sich selbst als kreativen Menschen, der gut organisieren kann. Sie sei offen im Umgang mit den Menschen.

Thomas Bernlöhr ist als Nachtarbeiter nach eigenem Bekunden ein Morgenmuffel. Mit Kleinigkeiten habe er sicherlich seine Mitarbeiter schon oft strapaziert – und außerdem betreibe er zu wenig Sport. Auf der Habenseite sieht der Wiederbewerber seinen analytischen Verstand und den ehrlichen Umgang mit den Mitmenschen. „Ich kann zuhören und bin gerne unter den Leuten.“

Wertvolle Arbeit

Angelika Böttcher ist nicht nur Vorsitzende des Freundeskreises Asyl, sie sitzt auch für das Welzheimer Bürgerforum im Gemeinderat und ist deshalb beim Thema Integration ständig im Gespräch mit Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

Seit der Flüchtlingswelle ist aus ihrer Sicht schon viel wertvolle Arbeit geleistet worden. Die Stadt habe unbürokratisch und kurzfristig dem Arbeitskreis Räume im Postweg zur Verfügung gestellt.

Mit einem Integrationsbeauftragten und zwei Managern sei die Arbeit nun für den Freundeskreis leichter zu bewältigen.

Was sich Angelika Böttcher wünscht, ist, dass mehr Bürger mit ins Boot genommen werden zum Beispiel bei Veranstaltungen.

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