Wahl-Check Welzheim Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl

Amanda Köhler Eisenmann (ganz rechts) und Thomas Bernlöhr (links daneben) nahmen auf den reservierten Plätzen in der ersten Reihe Platz. Foto: Büttner / ZVW

Welzheim. Zumindest für Thomas Bernlöhr war’s eine gute Entscheidung, bei der offiziellen Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 11. März, bei der Rede eines Bewerbers die jeweiligen Mitbewerber auszusperren. Zum einen konnte Bernlöhr, der als Erster aufgerufen war, mit dem angebrochenen Abend noch etwas anfangen, zum andern ist ihm der unsägliche und abstruse, vom Publikum aber erstaunlich gelassen ertragene Auftritt des Kandidaten Hornauer erspart geblieben.

Nur etwa halb so voll wie bei der Wahlveranstaltung des Zeitungsverlags Waiblingen ein paar Tage zuvor war die Justinus-Kerner-Halle, als der Beigeordnete Reinhold Kasian die drei Kandidaten Thomas Bernlöhr, Amanda Köhler Eisenmann und Thomas Hornauer begrüßte. Die weiteren Bewerber Fridi Miller und Michael Uhl fehlten auch diesmal wieder – aus unterschiedlichen und zumindest bei Uhl, der als Kandidat in seiner Heimatstadt überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten ist, unbekannten Gründen. Fridi Miller hatte ihr Fernbleiben damit begründet, dass sie im Vorfeld der Veranstaltung von Welzheimer Bürgern via Facebook aufs Übelste beschimpft worden sei. Und mit ihrer Aversion gegen Hornauer, mit dem sie im Plüderhäuser Wahlkampf zumindest eine Zeit lang ein Herz und eine Seele gewesen war.

Nur Thomas Bernlöhr brauchte die volle Rede- und Antwortzeit

Jeweils 20 Minuten Redezeit und 30 weitere Minuten, um Fragen der Bürger zu beantworten, hatten die drei Kandidaten, und die nutzte lediglich der seit acht Jahren amtierende Bürgermeister Thomas Bernlöhr aus, der seine Rede unter das Motto „Welzheim braucht einen Bürgermeister, der sein Handwerk versteht“ gestellt hatte und sein bisheriges und, so seine Hoffnung, auch künftiges Wirken anhand eines Zehn-Punkte-Programms erläuterte. Amanda Köhler Eisenmann war mit ihrer Vorstellungsrede schon nach sieben Minuten fertig, und viel mehr Zeit brauchte sie anschließend auch nicht, um die wenigen Fragen zu beantworten. Thomas Hornauer nutzte wenigstens seine 20-minütige Redezeit aus, wenn man davon absieht, dass er erst einmal zwei Minuten lang schwieg und einen Großteil der restlichen Zeit dafür verplemperte, Thomas Bernlöhr und den Zeitungsverlag Waiblingen beziehungsweise den Moderator der Montagsveranstaltung zu verunglimpfen und zu beschimpfen. Die Fragerunde beendete Reinhold Kasian vorzeitig, nachdem Hornauers verzweifeltes Bemühen, das Publikum zu weiteren Fragen zu animieren, erfolglos geblieben war.

Thomas Bernlöhr: Sachlich und unaufgeregt

Infrastruktur und Digitalisierung („Wir sind wie andere Städte auch dabei, Rückstände aufzuholen“), Bildung und Betreuung („Am Thema Ferienbetreuung von Schulkindern sind wir dran“), Wohnen („Für die Zukunft bieten einige innerstädtische Flächen großes Potenzial“), Innenstadt und Angebotsvielfalt (mit dem klaren Bekenntnis zur Rossmann-Ansiedlung und mit dem Versprechen, sich perspektivisch für die Stationierung eines Notarztes einsetzen zu wollen), Wirtschaft und Unternehmen („Ich sage deutlich, dass wir in den nächsten Jahren ein weiteres Gewerbegebiet benötigen“), Sicherheit, Freizeit und Tourismus, Integration („Wir haben uns nicht weggeduckt, auch wenn es wehtat, und wir kümmern uns weiterhin“), Rathaus und Finanzen sowie Stadtgesellschaft und Öffentlichkeit waren die Punkte, an denen Thomas Bernlöhr sein Programm sachlich und unaufgeregt abarbeitete.

Mehrgenerationenhaus denkbar

In der anschließenden Fragerunde dürfte die Mutter, die stellvertretend für ihren Sohn nach der Reaktivierung des Dirtparks fragte und die Antwort bekam, dass daran schon gearbeitet werde, wesentlich zufriedener gewesen sein als der Mann, der mit seiner nicht mehr in die Kategorie „junge Familie“ fallenden Familie ein Haus beziehungsweise einen Bauplatz sucht und vom Bürgermeister gesagt bekam, es brauche bei 30 Plätzen und 100 Bewerbern nun mal einen Kriterienkatalog, der leider nicht alle Bedürfnisse abbilden könne. Davon abgesehen, dass sie der Stadt noch nicht gehöre, sei bei der Baywa-Brache alles denkbar von verdichtetem Wohnen bis hin zu nicht zentrenrelevantem Einzelhandel, antwortete Bernlöhr auf die entsprechende Frage. Und auch die Nachfrage nach einem möglichen Mehrgenerationenhaus beschied der Bürgermeister grundsätzlich positiv. „Ein Grundstück ließe sich sicher finden, auch an anderer Stelle“, ermunterte er mögliche Interessenten.

„Ich habe keinen Kandidaten gesehen, den ich wählen kann“

Was denn in der Welzheimer Stadtpolitik in den letzten Jahren so schiefgelaufen sei, dass sie sich zu einer Kandidatur entschlossen habe, wurde Amanda Köhler Eisenmann nach ihrer Vorstellungsrunde gefragt. „Hätte ich einen Kandidaten gesehen, den ich wählen kann, hätte ich mich nicht beworben“, sagte die Mutter von vier Kindern, die zuvor auf ihr Management-Studium mit dem Schwerpunktthema E-Government verwiesen hatte. Ihr fehle beim derzeitigen Bürgermeister sowohl der Blick fürs Detail als auch die Weitsicht, sagte Köhler Eisenmann, die zuvor in ihrer kurzen Vorstellungsrede Mängel unter anderem bei der Kinder- und Jugendbetreuung beklagt hatte. Sie sei „motiviert, die Gemeinde als Ganzes voranzubringen“, sagte die Kandidatin, die für sich in Anspruch nimmt, dass sie über das nötige Durchsetzungsvermögen verfügt („Das braucht man bei vier Kindern“), dass sie einen wertschätzenden Umgang mit ihren Mitmenschen pflegt und dass sie in der Lage ist, die Stadt mit einem frischen und ungetrübten Blick anzuschauen. Auf die Frage nach den von ihr behaupteten negativen Auswirkungen der Rossmann-Ansiedlung auf andere Innenstadt-Geschäfte blieb Amanda Köhler Eisemann bei ihrer Einschätzung, dass durch das breite Sortiment des Drogerie-Marktes in bestehenden Läden bis hin zur Apotheke Arbeitsplätze gefährdet seien. Sie sehe ein großes Problem darin, dass Rossmann diesen Geschäften „so dicht vor die Nase gesetzt“ werde, meinte die Kandidatin.

Bernlöhr ist für Hornauer „kein Bürgermeister mehr“

Auftritt Hornauer – mit zwei Schweigeminuten und einem Frontalangriff auf die Presse und den amtierenden Bürgermeister, den er fünf Tage vorher bei der ZVW-Wahlveranstaltung noch in den höchsten Tönen gelobt hatte. Dafür, so Hornauer, müsse er sich nun entschuldigen, weil mittlerweile Dinge vorgefallen seien, von denen er erst im Nachhinein erfahren habe. Zum einen sei da eine Wahlveranstaltung im „Grünen Baum“ gewesen, bei der Bernlöhr ein Wahlplakat Hornauers mit seinem eigenen überdeckt habe, und ausgerechnet dieses Bild sei dann in der Zeitung erschienen – für Hornauer ein klassischer Fall von bewusster Manipulation und „organisierten kriminellen Strukturen“, die es bis zum Wahlsonntag dringend aufzudecken gelte. Und in dieses Bild passt aus Sicht des Kandidaten Hornauer auch, dass sich Thomas Bernlöhr am Montag der angeblich diktatorischen Leitung der ZVW-Veranstaltung unterworfen hat und dem Zeitungsverlag Waiblingen „in den Arsch gekrochen“ ist. Wobei Hornauer nur zu erwähnen vergessen hat, dass er selber bei dieser Veranstaltung auch mitgemacht hat – und zwar für seine Verhältnisse überaus moderat und angepasst. Was natürlich nicht der einzige Widerspruch in Hornauers Ausführungen war. Am Montag hatte er seine königliche Aufmachung damit begründet, dass er den Welzheimern – seinen Welzheimern, wie er gerne betont – eine besondere Ehre habe erweisen wollen. Jetzt erklärte er seinen Aufzug vom Montag als Beitrag zu einer Klamaukveranstaltung, während er jetzt, da es um eine ernste Angelegenheit gehe, einen Anzug für angemessen halte. Wie auch immer: Bernlöhr sei für ihn „kein Bürgermeister mehr“, ganz davon abgesehen, dass es „wissenschaftlich fundamentiert“ sei, dass, wie an ihm zu sehen, ein Mensch erst mit 52 die Altersreife habe, eine Gemeinde zu führen. Außerdem brauche Welzheim keinen Verwalter, sondern einen Bürgermeister, der etwas von Wirtschaft verstehe – also einen wie ihn, der als gebürtiger Welzheimer nicht nur die Stadt wie seine eigene Westentasche kennt, sondern eigenem Bekunden zufolge schon 100 Menschen direkt oder indirekt zu Millionären gemacht hat.

Hornauer: Kandidatenvorstellung falscher Ort, um über Konzepte zu reden

„Ich werde Welzheim zu einem neuen Aufblühen führen“, versprach Hornauer, der auf die Frage eines Bürgers, ob er denn über seine Tiraden gegen den Bürgermeister und die Zeitung auch noch Inhaltliches für Welzheim zu bieten habe, sagte, diese Veranstaltung sei der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt, um über Konzepte zu reden. Dazu sei noch Zeit, wenn er gewählt sei. Jetzt gehe es nur um seine Person und um die richtige Einordnung dessen, was am vergangenen Montag geschehen sei. „Ich stehe für Substanz, die anderen sind Silhouetten“, sagte Hornauer und erklärte auf die Frage, ob er denn noch zu seiner Aussage vom Montag stehe, dass er bereit wäre, mit seinem Unternehmen von Plüderhausen nach Welzheim umzusiedeln: „Ja. Erst recht nach dem, was ich in Plüderhausen erlebt habe.“ Wie schnell das allerdings gehe, könne er nicht sagen, und ob er auch seinen Wohnsitz verlegen würde, das stehe in den Sternen, nachdem er sich in Plüderhausen ja einen Palast gebaut habe.

Zum Schluss noch zwei Prognosen. Zitat Hornauer: „Wenn ich euch heute nicht berühre, bekommt der Herr Bernlöhr 70 oder 80 Prozent.“ Spontane Reaktion aus dem Publikum: „Nein, 90.“ Mal sehen, wer recht hat.


Miller und Hornauer

„Zudem habe ich auch kein Interesse mehr, mit Herrn Hornauer in irgendeiner Weise in Kontakt zu treten oder mit ihm eine Comedy-Show in irgendwelchen Hallen abzuhalten, denn mir ist es ernst mit meinen Bürgermeisterkandidaturen und mit meinem Ziel, zum Wohle der Menschen handeln zu können. Und ich möchte mit so einer Witzfigur, die jede Minute ihre Meinung ändert und sich im Kreis dreht, nichts mehr zu tun haben“, hat Fridi Miller schriftlich als weiteren Grund für ihr Fernbleiben von der Welzheimer Kandidatenvorstellung genannt.

Und, so Fridi Miller zu einer sowohl von Hornauer als auch von ihr angekündigten Anfechtung der Plüderhäuser Wahl: „Ich werde es tun, und dazu brauche ich bestimmt keinen durchgeknallten Millionär, der meint, er kann Menschen kaufen.“ Gleichzeitig hat sie angekündigt, sich auch in Urbach bewerben zu wollen. Die Kandidatur sei bereits in Vorbereitung.

Derweil ist am Freitag, also wenige Stunden vor der Welzheimer Kandidatenvorstellung, Fridi Miller in einer Verhandlung am Amtsgericht Böblingen ein weiteres Mal für schuldunfähig erklärt worden, weswegen auch von einer Verurteilung wegen Beleidigung eines Richters abgesehen wurde. Der Ärztliche Direktor der Psychiatrie in Ludwigsburg, Hermann Ebel, hatte Fridi Miller laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung einerseits gute kommunikative Fähigkeiten und andererseits eine „gravierende psychische Gesundheitsstörung“ attestiert, die „dem schizophrenen Bereich einzuordnen“ sei. Der zuständige Richter, der in Übereinstimmung mit der Staatsanwältin die Schuldunfähigkeit der Angeklagten festgestellt hatte, sagte an die Adresse von Fridi Miller: „Ihr gesamtes Weltbild ist krank.“

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