Wahl-Check Welzheim Sport und Kultur als tragende Säulen

Siegfried Hess, Ulla Keller (Kultursäule), Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann, Heiko Stütz (FC Welzheim), Petra Schütte (TSF) und Kandidat Thomas Bernlöhr (von links). Foto: Stütz / ZVW

Welzheim. Sport und Kultur sind tragende Säulen der Stadtgemeinschaft. Welche Pläne haben die beiden großen Sportvereine in Welzheim? Welche Wünsche hat die Kultursäule an den künftigen Bürgermeister, der am 11. März gewählt werden soll? Sowohl die TSF als auch der FC haben große Bauprojekte in der Planung. Die Kultursäule wünscht sich höhere Zuschüsse und einen Veranstaltungsraum.

Im Mitglieder-Forum der Volksbank Welzheim gab es dazu auf Einladung eine muntere, mehr als zweistündige Gesprächsrunde, von der Thomas Bernlöhr so angetan war, dass er sich eine Fortsetzung gut vorstellen kann,

Die Fußballer haben ein Vereinsgebäude, das rund 60 Jahre alt ist. Es ist nicht nur alt, sondern entspricht auch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Duschen und Umkleidebereiche. „20 Mannschaften teilen sich eine Dusche und eineinhalb Kabinen“, berichtet der Vorsitzende des FC, Heiko Stütz. Im Saal des FC-Heims müssen deshalb bei Spielen provisorische Umkleidebereiche abgetrennt werden. Und auch das Dach ist marode. Kurzum, ein Sanierungsfall oder besser gesagt: Der Altbau soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Nach Baubeginn: Eigenleistungen und Zuschüsse gefragt

Das neue Gebäude wird etwas länger, in der Breite gibt es im Tannwald keinen Spielraum mehr. Die Kosten sind derzeit mit 1,2 Millionen Euro kalkuliert. Sobald die Bauabsichten mit der Forstverwaltung, der das Grundstück gehört, abgestimmt sind, wird eine Bauvoranfrage beim Landratsamt eingereicht. Nach Baubeginn sind Eigenleistungen gefragt und Zuschüsse. Erwartet werden 100 000 Euro vom Württembergischen Landessportbund sowie ein Investitionszuschuss von der Stadt, der im Betrag noch nicht feststeht. Bürgermeister Thomas Bernlöhr sieht aber Spielraum nach oben, nachdem der FC ja nicht, wie die meisten anderen Vereine in der Stadt, ein kommunales Grundstück nutzt, sondern von der Forstverwaltung pachtet. In den Vereinsrichtlinien ist festgehalten, dass Investitionen von Vereinen mit neun Prozent bezuschusst werden. Mit einem Neubau sehen sich die Fußballer dann für die nächsten Jahrzehnte gerüstet.

Sportvereinszentrum beim Schulzentrum

Großes haben auch die Turn- und Sportfreunde geplant. Auf dem freien Gelände des Schulareals, das die Stadt nach 43 Verhandlungsjahren erwerben konnte, soll ein Sportvereinszentrum gebaut werden. Der Kostenrahmen liegt derzeit bei rund drei Millionen Euro. Darin enthalten sein sollen ein Fitnessstudio, Gymnastikräume und eine Sauna. Geplant ist im Eingangsbereich ein kleines Bistro. Außerdem soll die Geschäftsstelle in dem Neubau untergebracht werden. Vorsitzende Petra Schütte bezeichnet den Standort in der Nachbarschaft zu den Schulen als ideal. Der geplante zentrale Parkplatz, der bei den Heimattagen als Festplatz genutzt werden soll, biete genügend Stellflächen auch für die Besucher des Sportzentrums.

Die Stadt hat, wie Thomas Bernlöhr berichtet, für das 2,2 Hektar große Areal eine städtebauliche Studie in Auftrag gegeben. Sie soll dann Grundlage für die weitere Planung sein. Die neuen Stellplätze würden auch für die Christian-Bauer-Mensa benötigt, um diesen Raum künftig auch als Veranstaltungssaal nutzen zu können. Bei den ganzen Planungen dürfe auch nicht der Lärmschutz vergessen werden. Gleichwohl hofft die TSF-Vorsitzende, dass das neue Sportzentrum in drei Jahren steht.

Köhler Eisenmann: Zu wenig Angebote für die Jugend

Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann hörte aufmerksam zu und machte sich fleißig Notizen. Sie sprach auf Nachfrage von interessanten Projekten, die sie als Bürgermeisterin unterstützen würde. „Sport und Kultur sind wichtig.“ Für die Jugend gebe es aber zu wenig Angebote. Sie berichtete von erfolgreichen Aktionen an der Schule, bei denen ein Schauspieler von seiner Arbeit erzählte und die Schüler dann zur Aufführung nach Stuttgart eingeladen hat.

Etat der Kultursäule sollte erhöht werden

Wünsche hat auch Ulla Keller von der Welzheimer Kultursäule zum Pressegespräch im Mitglieder-Forum der Volksbank mitgebracht. Den ehrenamtlichen Kulturtreibenden fehlt ein schnuckeliger Veranstaltungsraum für 80 bis 100 Zuhörer, zum Beispiel für Lesungen. Große Hallen sind für solche Veranstaltungen nicht geeignet, und in ein Gasthaus wolle man auch nicht immer gehen, weil die Wirtsleute natürlich auch erwarten, dass etwas verzehrt wird. Um hochkarätige Veranstaltungen nach Welzheim holen zu können, sollte der Etat der Kultursäule erhöht werden. Mit mehr Geld könne nicht nur die Qualität der Veranstaltungen gesteigert werden, sondern auch die Zahl der Termine. Eine Lücke im Angebot sieht die Gesprächsrunde bei den Jugendlichen. Hier will sich die Kultursäule Gedanken machen in Richtung Jugendtheater und Mitmach-Aktionen. Eine angeregte Kooperation mit dem Gschwender Musikwinter wird von den Kultursäule-Machern Siegfried Hess und Ulla Keller als für nicht sinnvoll angesehen.

Vorschlag für Jugendhaus: Geteiltes Echo

Kandidatin Köhler Eisenmann bemängelte in diesem Zusammenhang, dass auf der Homepage der Stadt noch das alte Jahresprogramm hinterlegt sei und das neue immer noch fehle.

Der Vorschlag von Petra Schütte, in der Nachbarschaft des neuen Sportzentrums ein Jugendhaus zu bauen, stieß auf ein geteiltes Echo. Bürgermeister Bernlöhr sprach von einem funktionierenden, selbst verwalteten Jugendzentrum im Bürgerhaus Alte Kantine. Viel eher kann sich Bernlöhr einen Anbau ans neue Sportzentrum vorstellen, um bei der Belegung der Hallen mehr Spielraum zu haben. Offen ist der Bürgermeister, in diesem Zusammenhang den aktuellen Bedarf und die Auslastung der vorhandenen Hallen zu erheben.

Die gesamte Berichterstattung zur Bürgermeisterwahl finden Sie unter www.zvw.de/wahl-check-welzheim.


Vereinsförderung der Stadt Welzheim

Die kostenlose Überlassung von städtischen Hallen und Plätzen kostet die Stadt rund 500 000 Euro im Jahr. Hinzu kommen 200 000 Euro für Kostenübernahmen, Barzuschüsse und Bauhofleistungen. Bei Investitionen übernimmt die Stadt neun Prozent der Ausgaben.

Die Welzheimer Kultursäule stellt ehrenamtlich das städtische Kulturprogramm zusammen. Das Jahresbudget liegt im engeren Sinne bei aktuell 6000 Euro im Jahr, einschließlich weiterer Nebenkosten bei 7500 Euro. Dem Wunsch nach einem Veranstaltungsraum für 80 bis 100 Personen steht Bürgermeister Thomas Bernlöhr aufgeschlossen gegenüber, gibt jedoch zu bedenken: „Es muss erst was Passendes gefunden werden.“

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