Wahl-Check Welzheim ZVW-Podiumsdiskussion: Erst turbulent, dann informativ

Thomas Hornauer im goldenen Königsmantel bei der Podiumsdiskussion vor der Welzheimer Bürgermeisterwahl 2018 (links die Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann, rechts Moderator Hans Pöschko und Kandidat Thomas Bernlöhr): Für diesen Auftritt versuchte Hornauer, nachträglich eine Gage von 75 000 Euro plus Mehrwertsteuer gerichtlich einzuklagen. Foto: Büttner / ZVW

Welzheim. Friedhild Anni Miller war wegen des Wahlkampfs in Ravensburg verhindert, Michael Uhl hatte sich kurzfristig krank gemeldet und Thomas Hornauer zierte sich zunächst. So kam es, dass am Montagabend zu Beginn nur der Amtsinhaber Thomas Bernlöhr und die Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann auf der Bühne der gut gefüllten Justinus-Kerner-Halle standen.


Die Bedenken des Moderators Hans Pöschko, dass deswegen nun Hunderte aus dem Saal strömen würden, sie waren offensichtlich unbegründet. Als der Redaktionsleiter von Schorndorfer Nachrichten und Welzheimer Zeitung mitteilte, dass er nur mit zwei Kandidaten sprechen könne, applaudierte das Publikum überraschenderweise.

Doch als nach der kurzen Einleitung das Querflöten-Talent Noel Lehar spielte, tauchte zumindest ein Kandidat dann doch noch auf: Cowboyhut, langes rotes Kleid, wehender Mantel, Smartphone in der Hand und seinen Filmer im Gefolge. Er nahm Platz in der zweiten Reihe der Tribüne und wartete ab. Als Pöschko dann die Kandidaten auf die Bühne rief, erhob sich auch ein gut gelaunter Thomas Hornauer.

Das Publikum schüttelte mitunter den Kopf, nahm’s aber mit Humor

Es folgten turbulente zehn Minuten, in denen der Kandidat sich mit dem Moderator stritt, knapp einem Rausschmiss entging, Kuhglocken unter seinem Mantel erklingen ließ und laut „Zensur“ in ein Mikro schrie, das er für abgestellt hielt, tatsächlich aber noch an war. Die Besucher nahmen das, was sich ihnen bot durchaus mit Humor – auch wenn manch einer den Kopf schüttelte.

Bernlöhr mittlerweile mit der Stadt verwurzelt

Nachdem diese Phase überstanden war, ging es dann aber wieder recht gesittet zu. Moderator Pöschko wollte vom amtierenden Bürgermeister Bernlöhr wissen, ob er denn nun Walkersbach eingemeinden wolle, da dort die Mehrheit gegen den wiedergewählten Plüderhäuser Schultes Schaffer gestimmt hätte. Er fände den Ortsteil durchaus sympathisch, sagte Bernlöhr, auch und gerade, weil es so hin- und hergerissen sei zwischen Remstal und Welzheimer Wald. Erst kürzlich habe er ein Paar aus dem Ort getraut. Bernlöhr entging damit elegant einer eindeutigen Antwort. Zu seiner Motivation für eine erneute Kandidatur sagte er, mittlerweile mit der Stadt verwurzelt zu sein. Die Welzheimer seien ein liebenswertes Völkchen. Und „ich mache das Amt gerne – und durchaus mit Humor.“

Köhler Eisenmann: "Ich denke, dass ich das ganz gut hinbekomme"

Köhler Eisenmann bekannte, noch nie vor so großem Publikum aufgetreten zu sein (außer in der Kirche) und wies darauf hin, dass sie ja manch einer vielleicht noch kenne. Sie habe ja früher im Bistro und in der Alten Post gekellnert. Nun, als frisch absolvierte Verwaltungswirtin (neudeutsch: B.A. Public Management) wolle sie die Geschicke Welzheims lenken. „Ich denke, dass ich das ganz gut hinbekomme“.

Hornauer: "Plüderhausen hat mich nicht verdient"

Hornauer verzichtete darauf, sich groß vorzustellen. „Welzheim kennt mich und ich liebe Welzheim. Wenn ihr mich wählt, dann könnte ihr für ganz Deutschland ein Zeichen setzen“, sagte er. „Plüderhausen hat mich nicht verdient.“ Auch dies nahm das Publikum mit Humor und spendete vereinzelt Applaus.

Rege Beteiligung des Publikums

Danach ging es durchaus ernsthaft zur Sache. Dieter Frey (Historischer Verein Welzheim), Niko Kappel (Gemeinderat und Olympiasieger), Petra Schütte (TSF Welzheim) sowie Angelika Böttcher (Arbeitskreis Asyl) durften ihre Themen anbringen. Es ging um Sportstätten, Angebote für Jugendliche, die Zukunft des Museums sowie Vernetzungsstrategien für die Integration.

Und auch das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. Mehr dazu in einem ausführlichen Bericht in unserer Mittwochsausgabe.

Die gesamte Berichterstattung zur Bürgermeisterwahl finden Sie unter www.zvw.de/wahl-check-welzheim.


Schlaglichter

„Man hat mich den Trump von Plüderhausen genannt. Das ist vielleicht wahr. Aber der Trump ist mir in Wahrheit zehn Jahre hinterher.“ (Thomas Hornauer)

„Ich schaue manchmal vielleicht zu sehr auf die Kleinigkeiten. Das haben die Mitarbeiter im Rathaus durchaus zu spüren bekommen.“ (Thomas Bernlöhr)

„Ich kann euch nur zu eurem sensationellen Bürgermeister gratulieren. Was der alles bewegt hat! Ich mag ihn – und er mag mich, glaub ich, auch.“ (Hornauer über Bernlöhr)

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