Wahl Urbach Klarer Erfolg für Martina Fehrlen

Bürgermeister Jörg Hetzinger gratuliert der zu seiner Nachfolgerin gewählten Martina Fehrlen, die sich mit ihrer Wahl selber das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht hat. Foto: Habermann/ZVW

Urbach. Am Ende dieses vorgezogenen Hochsommertages mit Sonne satt hatte eine allen Grund zum Strahlen: Martina Fehrlen, die mit knapp 60 Prozent der Stimmen überraschend deutlich zur neuen Urbacher Bürgermeisterin gewählt worden ist. Für den Remshaldener Technischen Beigeordneten Dieter Schienmann war’s dagegen ein bitterer Abend: Er blieb mit einem Ergebnis von knapp 38 Prozent nicht nur deutlich hinter seinen eigenen Erwartungen, sondern auch hinter denen der meisten Urbacher zurück.

Denn auch viele von denen, die Martina Fehrlen auf dem Zettel hatten und auf den Wahlzettel geschrieben hatten, hätten ihr diesen Triumph nicht zugetraut. So um die 55 Prozent, lauteten die Einschätzungen bei den Fehrlen-Anhängern, die kurz vor Schließung der Wahllokale in der Auerbachhalle eingetroffen waren und der Dinge harrten, die da im Laufe des Abends noch kommen würden.

Und zwar so massiv und schnell, wie’s auch nur die wenigsten erwartet hatten. Als zum Beispiel gegen 18.45 Uhr der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer in der Halle eintraf, da war schon das meiste gelaufen, weil zwar noch nicht amtlich bestätigt, aber jeweils schon mit einer klaren und unumstößlichen Tendenz sowohl das Ergebnis der Bürgermeisterwahl als auch der Abstimmung übers Waldhaus feststanden. Dass so schnell ausgezählt werde, das sei er nicht gewohnt, sagte Klopfer mit Blick auf einige andere Wahlen in der jüngeren Vergangenheit.

Ehemann Dirk und Tochter Katharina als stille Genießer

Und in der Tat, es ging Schlag auf Schlag mit den Nachrichten aus den acht Urbacher Wahllokalen. Und als kurz vor 18.15 Uhr nahezu zeitgleich das erste Ergebnis aus dem ZVW-Wahlstudio vermeldet wurde und von der Leinwand in der Auerbachhalle flimmerte, da zeichnete sich bereits ab, was sich im weiteren Verlauf des Abends nur noch bestätigen musste. 68,75 Prozent für Martina Fehrlen, die im Übrigen einen Tag vor der Wahl auch noch „gescheit“ geworden, sprich ins Schwabenalter (40) gekommen war, und weniger als 30 für Dieter Schienmann – das waren Hausnummern, die den Optimismus, mit dem die spätere Siegerin die Auerbachhalle betreten hatte, in vollem Umfang bestätigten. „Wenn ich jetzt nicht optimistisch wäre, hätte ich was falsch gemacht“, sagte sie. Und war das erste Ergebnis noch mit Vorbehalt und erstauntem Tuscheln unter den zahlreich erschienenen Urbachern aufgenommen worden – „Isch ja gut so, so kann’s weiterganga“, lauteten die ersten Kommentare der Fehrlen-Anhänger –, so sah’s nach zwei Stimmbezirken schon anders aus: Zwar waren Fehrlen und Schienmann etwas dichter zusammengerückt – mit knapp 66 und über 31 Prozent – aber der Trend war gleichwohl schon so deutlich, dass erstmals Beifall aufbrandete. Und mittlerweile hielten sich auch schon ihr Mann Dirk mit der noch nicht ganz dreijährigen Tochter Katharina sowie die Eltern und Schwiegereltern in der Halle auf und genossen, wenn auch noch im Stillen, gemeinsam mit Martina Fehlen den zu diesem frühen Zeitpunkt schon so gut wie feststehenden Erfolg.

Hetzinger: Deutliches Ergebnis für Fehrlen ist eine gute Startbasis

Sie habe nicht damit gerechnet, dass sie so viel Rückenwind habe und dass so viele Urbacherinnen und Urbacher hinter ihr stehen würden, sagte eine strahlende Martina Fehrlen in ihrer ersten Stellungnahme – noch bevor Bürgermeister Jörg Hetzinger auf die Bühne kam und das amtliche Endergebnis verkündete – verbunden im Übrigen mit der Nachricht, dass nach erfolgter Auszählung der Briefwahlstimmen die Wahlbeteiligung mit rund 60 Prozent doch deutlich höher ausgefallen ist, als es zunächst den Anschein gehabt hatte (da war nur von rund 50 Prozent die Rede gewesen). Dieses deutliche Ergebnis sei eine gute Basis für den Start in Urbach, meinte Hetzinger an die Adresse seiner Nachfolgerin, die zuvor mit Blick auf das Ergebnis selber von einem Generationswechsel und davon gesprochen hatte, dass auch kommunikativ in Urbach eine neue Zeit anbreche. Hetzinger ging darauf, wenn er’s überhaupt gehört hatte, nicht ein, sondern überreichte artig, wie es sich gehört, einen Blumenstrauß und bekundete, er sei überzeugt, dass seine Nachfolgerin das „gut machen“ werde.

Wieder unten im Saal, durfte die 40-Jährige dann die Glückwünsche von Landrat Dr. Richard Sigel und vieler ihrer zukünftigen Oberbürgermeister- und Bürgermeisterkollegen entgegennehmen, die, so war aus der einen oder anderen Reaktion herauszuhören, das Ergebnis auch nicht unbedingt so deutlich oder sogar „ein bisschen anders“ – womöglich sogar mit einem Wahlsieger Schienmann? – erwartet hatten.

Zitate

„Mein Ziel war, mehr Stimmen zu erhalten als Fridi.“ – Ironische Bemerkung von Rathausmitarbeiter Achim Grockenberger, der in Anzug und Krawatte unterwegs war und darauf angesprochen wurde. In diesem Aufzug sieht man den 54-Jährigen nie in der Öffentlichkeit. Das letzte Mal dürfte es – wenn überhaupt – bei seiner Hochzeit gewesen sein. Und die ist jetzt auch schon etliche Jahre her.

„Dr Bürgermeister han i net gwählt, den brauch i nemme lang.“ – Eine ältere Frau kurz vor Schließung der Wahllokale vor der Auerbachhalle.

„So ein klares Wahlergebnis hätte ich nicht erwartet, 50 Prozent plus eine Stimme hätten gereicht. Schön wäre ein klares Ergebnis, weil man dann mit Rückenwind startet.“ – Die neue Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen, als das von ihr erhoffte klare Ergebnis noch nicht definitiv feststand und sie deshalb auch zu Recht keine Glückwünsche entgegennehmen wollte.

„Es war Zeit für einen Generationenwechsel und für eine neue Art der Kommunikation.“ – Martina Fehrlen, nachdem ihr Wahlsieg unter Dach und Fach war.

„Ich habe zu meiner Frau gesagt, das gibt eine spannende Wahl.“ – Der noch amtierende Urbacher Bürgermeister Jörg Hetzinger hatte sich wie viele andere getäuscht. Die Stimmung in der Auerbachhalle war im Übrigen etwas gedrückt – was aber auch an der Hitze gelegen haben mag. Oder an der Überraschung über die beiden doch recht klaren Ergebnisse.

„Ich hatte nicht erwartet, dass es so eindeutig wird.“– Auch Plüderhausens Bürgermeister Andreas Schaffer hatte bei der Urbacher Bürgermeisterwahl eine viel knappere Entscheidung erwartet. Der Ausgang des Bürgerentscheids sei „erschreckend“, er habe so etwas aber fast erwartet.

„Das hat man vom Brexit auch nicht gedacht, Urbach hat jetzt ebenfalls seinen Brexit.“– Der Plüderhäuser GLU-Fraktionschef Erich Wägner zum Ausgang des Bürgerentscheids.

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