Wahl Urbach Kommentar: Neuanfang in Urbach

Redakteur Michael Städele kommentiert das Wahlergebnis. Foto: Habermann/ZVW

Damit war nun wirklich nicht zu rechnen: dass Martina Fehrlen mit so klarer Mehrheit zur neuen Urbacher Bürgermeisterin gewählt wird. Wo man in den letzten Tagen auch hingehört hat – fast alle hatten mit einem knappen Ergebnis gerechnet, kaum einer wagte eine Prognose.

Das klare Ergebnis für die CDU-Frau aus Esslingen hat einen Vorteil. Martina Fehrlen weiß die große Mehrheit der Urbacher Bevölkerung hinter sich, zumindest von dem Teil, der zur Wahl gegangen ist. Fast genau 60 Prozent Wahlbeteiligung ist für eine Bürgermeisterwahl, bei der sich der Amtsinhaber nicht mehr bewirbt, zwar nicht überwältigend viel, aber auch nicht wenig.

Was hat den Ausschlag gegeben für die 40-Jährige, die einen Start-Ziel-Sieg landete? Schließlich war sie die Erste, die sich beworben hat. Und bei der Wahl hatte sie die Nase klar vorn.

Genaues weiß man nicht. Aber es dürfte eine entscheidende Rolle gespielt haben, dass die Mehrheit der Urbacher einen kompletten Neuanfang wollte. Sie wollte nach Johannes Fuchs und Jörg Hetzinger keinen reinen Verwaltungsmann mehr. Sie wollte offensichtlich überhaupt keinen Mann mehr, sondern eine Frau an der Spitze der Gemeinde. Und sie wollte auch niemand mehr, der „schon“ 54 Jahre alt ist, sie wollte also Dieter Schienmann nicht. Ihm ist zugutezuhalten, dass er sich beworben hat, um noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen in seinem Berufsleben. Damit hatten die Urbacher eine echte Alternative. Dass es für ihn nicht geklappt hat, mag daran gelegen haben, dass Schienmann kein Hehl daraus gemacht hat, im Falle seiner Wahl nicht nach Urbach zu ziehen, sondern zumindest vorerst in Stetten wohnen zu bleiben. Betrachtet man das Ergebnis des Bürgerentscheids, hat Schienmann sein klares Bekenntnis zum Waldhaus eher geschadet als genützt. Der Ausgang des Bürgerentscheids ist praktisch ein Spiegelbild der Bürgermeisterwahl.

Martina Fehrlen hat sich da im Vorfeld der beiden sonntäglichen Entscheidungen offensichtlich cleverer verhalten. Zum Waldhaus hat sie ihre Meinung für sich behalten, und sie hat von Anfang an klipp und klar gesagt, dass sie im Falle ihrer Wahl umgehend nach Urbach ziehen wird. Zuerst alleine und dann möglichst zeitnah mit Mann und Tochter.

Die neue Urbacher Bürgermeisterin hat sich in ihrem Wahlprogramm und ihren Aussagen in verschiedenen Veranstaltungen weit aus dem Fenster gelehnt. Sie hat zum Beispiel davon gesprochen, dass sie gerne 24 Jahre Bürgermeisterin in Urbach bleiben möchte. Dann wäre die Frau, die am Samstag ihren 40. Geburtstag gefeiert hat, 64 Jahre alt. Sie hat also Kontinuität versprochen, und daran wird sie sich messen lassen müssen.

Martina Fehrlen hat zudem versprochen, die Gemeinde im Zusammenhang mit den Problematiken wegen der Remstal-Gartenschau zu befrieden. Das dürfte ihr nach dem überraschend klaren Votum gegen das Waldhaus leichterfallen, als sie vielleicht erwartet, ja befürchtet hat. Von Vorteil könnte für sie auch sein, dass das Votum gegen das Waldhaus ausgefallen ist. Andersrum wäre es vermutlich schwerer gewesen.

Die neue Urbacher Bürgermeisterin hat viele und auch nicht leichte Aufgaben vor sich. Sie muss jetzt beweisen, dass sie Kommunalpolitik kann, dass sie Gemeinderatssitzungen zu leiten versteht. Und sie muss belegen, dass sie mit vollem Herzen Urbacherin werden will.

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