Wahlkampf beim VfB Stuttgart Warum sich ein enges Rennen andeutet

Die Präsidentschaftskandidaten des VfB Stuttgart: Christian Riethmüller (li.) und Claus Vogt. Foto: VfB Stuttgart

Stuttgart.
Mit Christian Riethmüller und Claus Vogt kämpfen erstmals in der 125-jährigen Vereinsgeschichte zwei Kandidaten um das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart. Am Montagabend haben sich die beiden zum ersten Mal den Fragen der Mitglieder gestellt - und dabei viele Gemeinsamkeiten und nur wenige Unterschiede offenbart. Eine inhaltliche Differenzierung zwischen dem Buchhändler aus Tübingen und dem Unternehmer aus Waldenbuch fällt zu Beginn des Wahlkampfes noch schwer. Es deutet sich ein enges Rennen um den Chefsessel im roten Clubhaus an.

Thema Doppelspitze

Beide Kandidaten sind strikt gegen eine Doppellösung auf dem Chefsessel. Wobei Riethmüller die Idee erst in die Welt brachte, wie er am Montagabend beim „Dunkelroten Tisch“ – einer Infoveranstaltung für rund 300 Mitglieder – gleich zu Beginn einräumte. Ein Journalist hatte am vergangenen Freitag bei Riethmüller durchgeklingelt und nach seiner Haltung zu einer gemeinsamen Kandidatur für die Nachfolge des zurückgetretenen Wolfgang Dietrich gefragt. Darüber könne man mal nachdenken, entgegnete der 44-Jährige. Und direkt war die Schlagzeile in der Welt.

„Ich habe meinen ersten medialen Fauxpas hinter mir“, sagte Riethmüller jetzt und entschuldigte sich bei seinem Konkurrenten, dem Verein und den Mitgliedern für die entstandene Unruhe. „Es wäre doch völlig kontraproduktiv, wenn wir den Mitgliedern die Möglichkeit nehmen würden, ein echtes demokratisches Votum zu fällen“, erteilte Vogt der Doppelspitze eine klare Absage, der sich auch Riethmüller anschloss: „Ich bin gegen eine Doppelspitze, weil ich gerne euer nächster Präsident werden will.“

Thema Frauenfußball

Auch hier herrscht Einigkeit. Die Frage, ob sich die Kandidaten im Falle ihrer Wahl für die Einrichtung einer Frauenfußball-Abteilung beim VfB Stuttgart einsetzen würden, beantwortete Riethmüller mit „einem klaren Ja. Das wäre mir sehr wichtig.“ Zustimmung gibt es auch von Claus Vogt: „Ich bin absoluter Fan und würde mir wünschen, dass der VfB eine Frauenfußball-Abteilung ins Leben ruft.“ Er habe diesbezüglich auch schon einige Vorgespräche geführt. Mit dem VfL Sindelfingen (Oberliga), der SpVgg Stuttgart Ost (Oberliga) und dem VfB Obertürkheim (Regionalliga Süd) hat der VfB gleich drei höherklassige Damenteams in der Nachbarschaft, die sich für eine Kooperation anbieten würden.

„Der VfB wäre eine große Chance für den Frauenfußball und der einzige Club, der dem Frauenfußball in Württemberg einen Schub geben könnte“, sagte Ende Juni die WFV-Verbandssportlehrerin Sabrina Eckhoff in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten, „leider ist der Fokus derzeit noch ein anderer. Ein Problem sind die überschaubaren Platzkapazitäten an der Mercedesstraße. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass sich der VfB für dieses Thema öffnet.“ Egal ob mit Riethmüller oder Vogt auf dem Chefsessel: Das Thema Frauenfußball würde auf die VfB-Agenda kommen.

Thema 50+1-Regel

Mit der nur in Deutschland geltenden 50+1-Regel soll sichergestellt werden, dass Vereine auch dann die Entscheidungsgewalt über ihre Profiabteilungen behalten, wenn sie diese in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert haben. Externe Investoren haben damit keine Chance, über eine Mehrheit der Anteile auch die Kontrolle zu übernehmen. Während der scheidende Bayern-Präsident Uli Hoeneß davon ausgeht, dass die Regelung bald fallen wird („Unsere Ressourcen sind ja relativ ausgeschöpft“), wird der künftige VfB-Präsident in jedem Fall ein Fürsprecher der Regel sein. Riethmüller: „Ich halte die Regelung für eminent wichtig.“ Vogt: „Ich bin ein absoluter Verfechter der Regel.“

Thema Investoren

Der VfB will bis zu 24,9 Prozent der Anteile an seiner Fußball-AG an Investoren veräußern und damit 100 Millionen Euro einnehmen. Ankerinvestor Daimler hat für 11,75 Prozent davon 41,5 Millionen Euro bezahlt. Bei der Suche nach einem zweiten Investor wird auch der künftige Präsident – der gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat der AG innehat - involviert sein.

Claus Vogt kann sich vorstellen, dass ein Konsortium aus mittelständischen Unternehmen aus der Region in den VfB investiert: „Man kann sich überlegen: Braucht man einen zweiten Investor und wenn ja, welchen, aus finanziellen Gründen und aus strategischen Gründen. Oder können wir da vielleicht auch in eine andere Richtung denken: an den schwäbischen Mittelstand“, hatte Vogt schon bei seiner offiziellen Vorstellung gesagt. Für Christian Riethmüller ist klar, dass der zweite Investor „zu den Grundwerten des VfB passen muss. Ob national oder international, sei mal dahingestellt – aber mit Gazprom täte ich mich schon schwer.“

Wer hat die Nase vorne?

Der Wahlkampf ist aktuell noch nicht über das Stadium eines „Wahlkämpfles“ hinaus. Die Kandidaten haben viele gemeinsame Standpunkte. Eine inhaltliche Differenzierung fällt noch schwer. Rund einen Monat haben die Kandidaten nun Zeit, ihr Profil zu schärfen und die Mitglieder von sich zu überzeugen. Am 15. Dezember wird auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung in der Schleyerhalle die Entscheidung fallen. Womöglich hat Claus Vogt durch sein ehrenamtliches Engagement beim FC Playfair einen kleinen Vorsprung, was die Bekanntheit in Fankreisen angeht. Zum Auftakt in den Wahlkampf setzte der 50-Jährige auf sein bundesweites Netzwerk, das er in den letzten Jahren geknüpft hat. Christian Riethmüller wiederum präsentierte sich als leidenschaftlicher Reformer, der „kein Ja-Sager“ sein und den Verein neu aufstellen will.

Auch wenn sich die beiden Kandidaten noch nicht trennscharf durch ihre Konzepte und Ideen voneinander unterscheiden, so haben die Mitglieder des größten Sportvereins in Baden-Württemberg immerhin zum ersten Mal in der 125-jährigen Vereinsgeschichte die Wahl zwischen zwei Bewerbern. 


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