Waiblingen 16. Remstal Klassik

Waiblingen. Blitzendes Chrom, glänzender Lack, Automobil neben Automobil, und eins schöner als das andere. Der Oldtimerliebhaber wusste gar nicht, wo er am Sonntagmorgen bei der Stihlgalerie zuerst hinschauen sollte. Und es brauchte nicht unbedingt eine Benzinpumpe anstatt eines Herzen in der Brust, um sich von der Begeisterung der Fahrzeugbesitzer anstecken zu lassen. Klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke.

„Als ich achtzehn war, dachte ich, es sei eine gute Idee, ein altes Auto zu kaufen, es abzuschleifen, neu zu lackieren und teuer weiterzuverkaufen“, erzählte Marcus Hille vor dem Start zur 16. Remstal-Klassik. „Doch je mehr ich anfing zu schleifen, desto mehr Rost kam zum Vorschein, desto mehr musste gerichtet werden, und umso mehr wuchs meine Leidenschaft für das Auto. Nunmehr bin ich seit 26 Jahren Besitzer eines Mercedes 280 SE S Klasse aus dem Jahr 1971.“ Punkt 9.31 Uhr starteten gestern bei strahlend blauem Himmel die ersten der 160 Teilnehmer an der 16. Remstal-Klassik, die vom Motorsportclub Waiblingen ausgerichtet wurde.

Erster Zwischenstopp war schon auf dem Parkplatz bei der Rundsporthalle. Von dort aus ging es dann weiter durch Beinstein hindurch. Die Strecke führte die Teilnehmer zur ehemaligen Tonwarenfabrik Rombold nach Unterweissach in die historisch Romboldsche Kalthalle in Unterweissach und von dort aus zurück auf den Waiblinger Marktplatz zur Siegerehrung. Für die Versorgung der Fans hatte dort die Feuerwehr ihren Grill aufgebaut, für das musikalische Beiwerk waren die „Jongen Remstäler“ und die „Vertigo Big Band“ angekündigt.

Die Rallye lief ab wie ein Uhrwerk

Die 70 ehrenamtlichen Helfer des Vereins hatten alle Hände voll zu tun, um sicherzustellen, dass die Rallye ablief wie ein Uhrwerk. Die Remstal-Klassik, also die Pflege des Oldtimersports, ist neben dem Kartsport für die Jugend und dem Motorsport eine der Säulen des Vereins, erläuterte Vorsitzender Andreas Becker. Zur Pflege dieser Leidenschaft und zum Erfahrungsaustausch organisiere der Verein einen monatlichen Stammtisch. Interessierte seien willkommen.

Mittlerweile sei sein betagter Mercedes 280 SE Teil der Familie, er sei darin zur Hochzeit gefahren, ebenso seine Schwester, berichtete Marcus Hille. Und sein Auto stand Pate und diente als Vorbild für das Modell, das es im Stuttgarter Daimlermuseum zu kaufen gebe. Stolz sei er, dass heute seine Buben bei der Rallye mit dabei seien. Da sei die Saat schon in der Erde, dass diese Familientradition fortgesetzt werde, denn Tradition sei wichtig; in dieser schnelllebigen Zeit mehr denn je müsse man Dinge, die einem wertvoll seien, bewahren, erhalten und pflegen.

Ganz vorn am Start, direkt nach dem Streckenfahrzeug, in der Klasse „Vorkriegsfahrzeuge“, waren Dr. Matthias Maier und Ehefrau Ina mit ihrem Ford A, Baujahr 1931 aus Portugal. Das junge Ehepaar startete zum ersten Mal bei der Rallye, und zu dem weitestgehend originalgetreuen Gefährt gehörte auch das passende Outfit. „Es ist einfach faszinierend, in die Epoche, als das Auto gebaut wurde, einzutauchen, nach dem Lebensgefühl und Zeitgeist zu suchen und sich darauf einzulassen“, schwärmt Dr. Maier. Dazu komme natürlich, dass es an diesem Fahrzeug ständig etwas zu schrauben und zu richten gebe – eine unendliche Geschichte und Herausforderung - und das Tolle sei, dass man daran auch schrauben und richten könne und nicht auf Diagnosecomputer angewiesen sei.

Die Leidenschaft für „alte Karren“ wurde immer stärker

Rainer Hapatzky wiederum aus Fellbach ist seit einem knappen Jahr Besitzer eines Ford Super Comfort, Baujahr 1946. Seine Leidenschaft für „alte Karren“ habe sich im Laufe der Zeit immer stärker entwickelt, ebenso wie bei Harald und Beate Schade. Sie sind mit ihrem Volvo, Baujahr 1965, aus Neustadt in der Pfalz angereist, seit zwanzig Jahren ihr Schmuckstück. Es ist die zweite Rallye, an der sie teilnehmen. Warum dies alles? „Weil es meine Frau mir erlaubt“, lachte Hapatzky. Dann ernst: „Das Auto ist meine Jugend. Es steht für die Zeit und das Lebensgefühl, die mich geprägt haben. Es ist doch schön, wenn davon eine greifbare Konstante bleibt und mich begleitet.“ Und Bernd Rollmann wiederum freut sich besonders über das perfekte Wetter. Er ist mit seinem BMW 25/3-Motorrad, Baujahr 1955, von Herbrechtingen die Ostalb heruntergekommen. Er besitze drei Motorräder, eins für den Alltag, eins richte er gerade her und hier sein Schmuckstück: „Es gibt kein besseres Motorrad! Und wenn nichts kaputt ist, dann läuft es tadellos und absolut zuverlässig!“

Oldtimer

Nach § 2 der Straßenverkehrsordnung gelten in Deutschland Fahrzeuge als „Oldtimer“, die vor mindestens dreißig Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen. Seit März 2007 muss dies mit einem Gutachten nachgewiesen werden.

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