Waiblingen 300 000 Euro Zuschuss für die Waldbahn

Die Stadt Welzheim bekommt 300 000 Euro Zuschuss für die 2,9 Millionen Euro schwere Sanierung des Laufenmühlviadukts. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Tourismusbahn-Strategen vom Wald dürfen durchatmen: Der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr und seine rechte Hand Reinhold Kasian bekamen am Montag vom Umwelt- und Verkehrsauschuss des Kreistages das Ja-Wort – 300 000 Euro Zuschuss für die 2,9 Millionen Euro schwere Sanierung des Laufenmühlviadukts.

So, das muss es jetzt aber ehrlich wirklich echt sicher unbedingt absolut gewesen sein – mit der Ausdauer geduldiger Pädagogen, die wissen, wie wichtig das vielfache Wiederholen und Durchkauen von Lernstoff ist, redeten die Räte am Montag Kasian und Bernlöhr ins Gewissen: „Alles Weitere, was da noch kommen mag“ an Kosten bei der Waldbahnstrecke, müsse Welzheim selber auftreiben, lehrte Jürgen Hofer, FDP. Das sei jetzt das „Ende der Fahnenstange“, vertiefte Hermann Beutel, CDU. Und Landrat Richard Sigel formulierte didaktisch wertvoll: „Um’s noch mal klar zu sagen, die 300 000 sind ein Deckel, darüber gehen wir nicht hinaus heute und in Zukunft.“

Hauptsache, das Geld fließt

Bernlöhr und Kasian ließen die leicht redundante Unterrichtseinheit demütig über sich ergehen: Hauptsache, das Geld fließt. 300 000 vom Kreis, 200 000 aus Denkmalmitteln vom Land, 200 000 vom Bund, 460 000 aus einem Tourismus-Förderprogramm: Das Spendenbüchsle hat sich gut gefüllt.

Der Kreistag hatte seinen Beitrag zur Viaduktsanierung im Dezember noch unter Vorbehalt gestellt: Erst müsse die Stadt ein Gesamtkonzept für den weiteren Betrieb der Waldbahn vorlegen. Manche Kreisräte fürchteten seinerzeit, die Strecke könne sich zum Fass ohne Boden mit immer neuem Flickbedarf entwickeln. Diese Sorge war durch einen Prüfbericht des Staatlichen Rechnungsprüfungsamtes noch befeuert worden: Die Kontrolleure hatten vor „erheblichen Kostenrisiken“ gewarnt und bezweifelt, ob die 2,9 Millionen reichen.

Die Einwände des Rechnungsprüfungsamtes seien „nicht nachvollziehbar“

Der Stadt Welzheim gelang es nun, mit einer ausführlichen Stellungnahme zumindest die Bedenken der Kreisräte zu zerstreuen. In dem Schreiben heißt es: Bei der Kalkulation der Kosten und der bautechnischen Ausführung seien „neuartige engmaschige Untersuchungen mit Ultraschall, Bauradar und Bohrkernentnahmen“ angewendet worden, die Einwände des Rechnungsprüfungsamtes seien deshalb „nicht nachvollziehbar“ und „nach Aussage aller beteiligten Fachleute unbegründet“.

Mit der Sanierung bei der Laufenmühle wird es allerdings nicht getan sein. In den nächsten fünf bis sieben Jahren kommen weitere Ausgaben auf Welzheim zu:

Die Brückenpfeiler des Strümpfelbachviaduktes müssen für voraussichtlich 350 000 Euro gerichtet werden. Plan der Stadt: „Diese Maßnahme soll durch die Beantragung von Fördermitteln des Landes ohne eine Beteiligung des Kreises finanziert werden.“ Ergänzung von SPD-Rat Klaus Riedel: Das Wort „soll“ sei hier als „muss“ zu verstehen. Ergänzung der Ergänzung von Landrat Sigel: „Soll gleich muss.“ Auch hier unkt das Rechnungsprüfungsamt: Das könnte teurer werden. Die Stadt kontert: „Die geäußerten Zweifel“ würden „in keiner Weise argumentativ untermauert“.

Am Igelsbachviadukt sind Sanierungsarbeiten für 200 000 Euro nötig.

Im Laufe des Jahres 2017 steht eine „umfassende Durcharbeitung“der Gleise mit einer Schotterstopfmaschine an: macht 60 000 Euro. Ab 2018 folgen weitere Trassenarbeiten: noch mal 100 000 Euro.

„Nach Abschluss dieser Maßnahmen“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt, „wäre die Bergstrecke der Schwäbischen Waldbahn komplett durchsaniert und die Grundlage für den dauerhaften Fahrbetrieb gegeben.“ Bei der Stahlbrücke Oberndorf nämlich sei laut Aussage eines Sachverständigen „in den nächsten zwölf bis 18 Jahren“ kein größerer Bedarf absehbar. Auch das sieht das Rechnungsprüfungsamt ein bisschen anders: Eine „Sanierung mit fünf- bis sechsstelligen Kosten“ könne bald drohen. Nichts da, sagt die Stadt: Diese Behauptung sei „im Prüfbericht argumentativ nicht näher hinterlegt und aus unserer Sicht unzutreffend“.

Schlusswort des Landrats, als Kasian und Bernlöhr – erschöpft von der Vielzahl der Belehrungen, aber auch erleichtert – aus dem Saal auszogen: „Wir drücken die Daumen, dass nichts Überraschendes mehr kommt.“ Zwischen den Zeilen klang dröhnend laut durch: Falls aber doch, rechnet nicht mit Geld von uns.

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