Waiblingen 750 Gramm Haschisch im Spind

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Waiblingen. Gehörten die Drogen dem angeklagten Asylbewerber oder nicht? Betrieb er damit Handel, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, oder stimmt die Version, die der 37-Jährige vor Gericht schildert? Diese Fragen galt es am Montag im Amtsgericht zu klären.

Seit 2016 ist Amir Z. aus Syrien (Name von der Redaktion geändert) in Deutschland. Er lebt in einem Asylbewerberheim in Waiblingen. Am 9. Januar 2018 taucht dort die Polizei auf. Der Grund? Die Beamten haben Hinweise auf Drogen erhalten und durchsuchen daraufhin mehrere Zimmer des Heims. Als die Beamten zufälligerweise vor der Tür des Angeklagten stehen, steigt ihnen ein markanter Geruch in die Nase: Marihuana. Sie klopfen an und der 37-jährige Syrer bittet sie herein.

Als „sehr freundlich und kooperativ“ beschrieb ihn eine Polizeibeamtin nun vor Gericht. So habe Amir Z. seinen Marihuana-Konsum direkt zugegeben und den Beamten 20 Gramm der Droge ausgehändigt.

Seit Januar in Untersuchungshaft

„Gehört hier alles Ihnen?“, wird der Mann bei der Durchsuchung von den Polizisten gefragt. „Ja“, sagt er, „bis auf die Tasche im Spind. Die gehört einem Bekannten.“ Als schließlich ein Drogenspürhund anschlägt, durchsuchen die Beamten auch den Rest des Zimmers. Im Spind werden die Polizeibeamten fündig: Oben liegt, wie angegeben, eine Tasche. Doch weiter unten, in einer weißen Plastiktüte, lagern acht Platten Haschisch, insgesamt 750 Gramm, wie sich später herausstellt. Der Angeklagte wird festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Von Anfang an beteuert der Mann, mit den gefundenen Drogen nichts zu tun zu haben. Er wisse nicht, wie sie in den Spind gekommen seien. Er nutze diesen nicht. Stattdessen gibt er an, ein Bekannter, der zuvor in dem Zimmer gewohnt hat, habe darin Sachen deponiert. Dieser habe auch einen Zweitschlüssel für den Spind besessen und ab und an bei ihm übernachtet.

Auf zwei der gefundenen Haschisch-Platten wurde eine DNA-Mischspur des Angeklagten festgestellt. Das bedeutet, sie ist ihm nicht zu 100 Prozent zuzuordnen. Doch wie sei seine DNA überhaupt auf die Drogen gekommen, wenn diese nicht ihm gehörten, fragte Richter Steffen Kärcher.

Dafür hat der Angeklagte eine einfache Erklärung: Sein Bekannter habe ihm die Haschisch-Platten zum Verkauf angeboten. Da habe er sie in die Hand genommen, um die Qualität zu überprüfen – gekauft hat er angeblich nichts. Sein Bekannter war zwar als Zeuge vor Gericht geladen – erschien jedoch mit seinem Anwalt und verweigerte die Aussage.

Richter: „Alles etwas fragwürdig“

Die Handyauswertung des Angeklagten dokumentiert zwar Verkaufsgespräche – Amir Z. trat jedoch immer als Käufer und Konsument auf. „Wenn Sie doch immer nur kleinere Mengen für den Konsum kaufen, warum haben Sie sich dann die große Menge Drogen überhaupt angesehen?“, fragte Richter Kärcher.

„Ich wollte 100 Gramm für mich kaufen, konnte mir aber nur 100 Euro leihen – deshalb waren es dann nur die 20 Gramm, die ich der Polizei gegeben habe“, sagte Amir Z. vor Gericht. Diese Geschichte hörte die geladene Polizeibeamtin zum ersten Mal. „Alles etwas fragwürdig“, resümierte Richter Steffen Kärcher.

Die Staatsanwaltschaft glaubte Amir Z. nicht, dass er mit den Haschisch-Platten nichts zu tun hatte. Die Aussagen des Angeklagten interpretierte der Staatsanwalt als Schutzbehauptungen. Er geht davon aus, dass der Sozialhilfeempfänger mit Drogen gehandelt hat, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren.

Hinzu kommt, dass Amir Z. im vergangenen Oktober schon einmal mit Marihuana erwischt und zu einer Geldstrafe von 100 Euro verurteilt worden ist. Insgesamt forderte die Staatsanwaltschaft deshalb eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Die Schöffen und Richter Steffen Kärcher folgten diesem Antrag: Amir Z. bleibt im Gefängnis. Dort will er eine Drogentherapie machen.

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