Äthiopien-Cup Organisatoren bleiben auf 200 000 Euro sitzen

Sein Verein ist nach dem Abbruch der Konzerte schwer angeschlagen: Tedla Mouz Beyene Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Nach den abgesagten Konzerten in der Ludwigsburger MHP-Arena stehen die Organisatoren des Äthiopien-Cups vor einem finanziellen Desaster. „Es ist eine totale Katastrophe“, sagt Tedla Mouz Beyene, Organisator und Gründungsmitglied des äthiopischen Kultur- und Sportvereins Blue Nil, niedergeschlagen. Mehr als 200 000 Euro haben die Vereinsmitglieder aufgrund der verlorenen Eintrittsgelder verloren, er selbst 30 000 Euro.

Es sind traurige Aufräumarbeiten nach dem Äthiopien-Cup auf dem Gelände des VfL Waiblingen. Im gleißenden Sonnenlicht stehen noch einige halb abgeräumte Zelte, ein paar Männer laden Kühlschränke auf einen Transporter. Am Rande steht Tedla Mouz Beyene.

"Das ist nicht in Ordnung"

Noch immer kann er die Entscheidung der Stadt Ludwigsburg nicht verstehen, die nach Randale bei einem Konzert in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die beiden anderen Konzerte abgesagt hat (wir haben berichtet). Bei fast jedem Konzert gebe es Streit, bei Rockkonzerten sei die Polizei sogar vor Ort.

„Das ist nicht in Ordnung“, sagt Tedla Mouz Beyene immer wieder. Zu den Ausschreitungen gekommen war es nach Angaben der Polizei, weil ein angekündigter DJ und eine Liveband nicht kamen und die Veranstaltung deswegen früher als angekündigt, gegen 2.30 Uhr, beendet wurde. Betrunkene Besucher weigerten sich, die Halle zu verlassen, und wollten ihr Geld zurück. Auf dem Vorplatz setzten sich die Ausschreitungen fort.

Besucher warfen der Stadt Ludwigsburg Rassismus vor

Für Beyene ist das kein Grund, die Konzerte an den folgenden Abenden abzusagen. Gerade mal 20 betrunkene Jugendliche hätten Randale gemacht, die vom Verein beauftragten Security-Männer seien damit aber offenbar überfordert gewesen. Fassungslos waren laut Beyene dann auch die fast 10 000 Äthiopier beim Cup in Waiblingen: „Die ganze Community ist geschockt.“ Viele Besucher seien der Meinung, dass man mit dem äthiopischen Verein anders umgegangen sei als mit einem Verein anderer Nationalität. Rassismus hätten manche den Verantwortlichen in Ludwigsburg vorgeworfen.

Inzwischen hat die Suche nach den Verantwortlichen begonnen. Der Verein hat einen Anwalt eingeschaltet. Die Security, die mit den Randalierern nicht fertig wurde, die Stadt Ludwigsburg, die die Konzerte absagte, und die Randalierer selbst will Tedla Mouz Beyene nicht einfach aus der Verantwortung lassen. „Ich werde die Randalierer finden“, sagt er entschlossen.

Äthiopische Journalisten hätten bereits angekündigt, dass sie das Video von der Randale veröffentlichen würden – bekommen werden sie es allerdings nicht. „Grundsätzlich geben wir – unter anderem aus Datenschutzgründen – Videos von Überwachungskameras nicht an die Öffentlichkeit heraus“, so Meike Wätjen, Pressesprecherin der Stadt Ludwigsburg, auf Anfrage. Die Polizei habe die Aufnahmen erhalten.

Die Sicherheit der Besucher wäre deshalb nicht gewährleistet gewesen

Im Übrigen weist sie Anschuldigungen entschieden zurück, die Stadt habe übertrieben vorsichtig oder gar rassistisch reagiert. Bei einem Gespräch nach dem ersten Konzert hätten die Veranstalter kein tragfähiges Konzept für die Folgeveranstaltungen am Freitag und Samstag vorlegen können. Auch hätten sie weder einen Ablaufplan noch Verträge oder Garantien dafür vorgelegt, dass die vorgesehenen Künstler ihre Auftritte auch tatsächlich wahrnehmen.

„Mit Blick auf diese unverbindliche Auftrittsorganisation war für die Folgetage konkret zu befürchten, dass die gleiche Situation wieder auftritt“, so die Pressesprecherin. Die Frustration beim ersten Konzert sei ja deshalb entstanden, weil die Künstler nicht auftraten, der Eintrittspreis aber relativ hoch war. Die Sicherheit der Besucher wäre deshalb nicht gewährleistet gewesen.

Der Fachbereich Sicherheit und Ordnung habe zwischen dem Interesse der Veranstalter und dem Interesse der Öffentlichkeit abgewogen, die vor den von der Veranstaltung ausgehenden Gefahren zu schützen waren, so Wätjen in ihrer Stellungnahme. Der Stadt Ludwigsburg sei bewusst, dass die Entscheidung die Veranstalter hart trifft. „Es tut ihr leid für die vielen Menschen, die in der MHP-Arena friedlich gemeinsam feiern wollten. Aus den oben genannten Gründen konnte sie aber keine andere Entscheidung treffen.“

Fest steht: Sollten die rund 60 Mitglieder von Blue Nil auf ihren Ausgaben für das Großevent sitzenbleiben, hätten viele einzelne sehr viel Geld verloren. Mehr als 200 000 Euro fehlen. Nicht nur die erwachsenen Mitglieder, sogar die Kinder im Verein haben Geldbeträge eingebracht. „Was können wir denen sagen?“, fragt Tedla Mouz Beyene ratlos.


Keine besondere Verschmutzung

Nach dem Fußball-Cup hat sich eine Reihe von Waiblingern in den sozialen Netzwerken über die vermeintlichen Abfälle der Teilnehmer in der Talaue aufgeregt. Dafür besteht nach Ansicht von Oliver Conradt, Leiter des Waiblinger Ordnungsamtes, allerdings kein Anlass. Auf dem Vereinsgelände haben die Veranstalter selbst saubergemacht, in der Talaue und bei der Rundsporthalle sei der Betriebshof im Einsatz gewesen. Dort sei ein Mülleimer vollgelaufen. Aus diesem Grund hätten rund um den Papierkorb Abfälle gelegen. Auch im Biergarten habe eine Veranstaltung stattgefunden.

„Bei jeder Veranstaltung sind Spuren sichtbar“, weiß Oliver Conradt. „Das ist ganz normal. Wir haben vom Bauhof keine Rückmeldung über eine besondere Verschmutzung.“

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