Waiblingen Amtsgericht: Im Streit mit Glasflasche verletzt

Symbolbild. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen/Kernen. Dramatisch klang die Anklageschrift, die am Mittwochmorgen am Waiblinger Amtsgericht verlesen wurde: Ein 25-jähriger Gambier wurde beschuldigt, im vergangenen Juni einen 32-Jährigen im Streit mit einer abgebrochenen Glasflasche verletzt zu haben. Doch am Ende sind sich Zeugen und Angeklagter einig: Einen Angriff habe es nicht gegeben.

Zwar nur am linken Ringfinger, aber eben doch mit einer potenziell gefährlichen Waffe. Daher lautete die Anklage auf gefährliche Körperverletzung. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Ist hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht worden – oder aus einem Elefanten eine Mücke? Die Anklageschrift ließ einen gefährlichen Streit vermuten. Die Aussagen des Beschuldigten und des Opfers hingegen zeichneten ein weniger aggressives Bild als erwartet. Deren Version klang nicht unmöglich, nicht mal unwahrscheinlich, doch ein Kommentar in der Prozessakte – „Die Angaben wirken wenig glaubhaft“ hatte sich ein Polizist zur beschwichtigenden Version des Verletzten notiert – hinterließ letzte, leise Zweifel. Aussagen von Zeugen gaben keinen Aufschluss über das tatsächliche Geschehen.

Alkohol war im Spiel

Einen Streit gab es, das gaben beide Beteiligten zu. Einen alkoholgeschwängerten noch dazu. Mit drei weiteren jungen Männern hatten sie sich abends am Kernener Rathaus getroffen und gemeinsam gebechert. Bier, Whisky und mehr flossen. Von zweien der Männer hat die Polizei, die wegen des Streits von einem Passanten hinzugerufen worden war, den Promillewert notiert: 2,0 und 1,6. Letzteren Pegel hatte der junge Mann mit der Schnittverletzung. Welchen Pegel der Gambier hatte, wurde nicht erfasst; der Rommelshausener war nicht mehr vor Ort, als die Polizei kam.

Dass er auch getrunken hatte, gab der junge Mann unumwunden zu. Mit Bekannten und zwei von deren Freunden – zwei Brüder aus Aichwald – habe er sich an diesem Sommerabend getroffen, berichtete er. Sie hätten sich gut unterhalten und das öffentliche WLAN des Rathauses genutzt – bis eine seiner neuen Bekanntschaften angefangen habe, mit bösen Worten auf Deutschland und Merkel zu schimpfen. „Ich habe gesagt: Das darfst du nicht sagen.“ Daraufhin sei der Angesprochene aggressiv geworden, habe auf Italienisch auf ihn eingeredet und sich ihm genähert. Er habe Angst bekommen, die Flasche sei ihm entglitten – und Splitter hätten sein Gegenüber getroffen. Daraufhin habe sich die Situation beruhigt, er sei aber weggeschickt worden. Wenige Tage später sei die Polizei vor der Tür seiner WG gestanden.

Keine absichtliche Verletzung

Die Aussage des Opfers deckte sich im Großen und Ganzen mit dieser Version der Ereignisse. An den Grund des Streits könne er sich nicht erinnern, sagte der Aichwalder. „Wir waren beide gestresst, müde.“ Als sie aneinandergerieten, habe der Gambier die Flasche am Rathaus kaputt geschlagen, aber nicht zum Angriff, sondern aus Angst. „Er wollte nicht mit der Flasche auf mich los oder so.“ Er selbst habe seine Hände vors Gesicht gehalten, um sich vor Splittern zu schützen – so habe er sich am Finger verletzt. Seine Anzeige bei der Polizei hat er wieder zurückgezogen.

Ob der Beamte mit seinem Gefühl recht hatte, dass doch mehr los war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Der Bruder des Verletzten will zum Zeitpunkt des Streits auf dem Klo gewesen sein, ein anderer der damals Anwesenden sagte nicht aus. Beim Streit muss es zumindest sehr laut zugegangen sein; ein Spaziergänger, der am Bürgerhaus seinen Hund ausgeführt hatte, hatte deshalb ja die Polizei gerufen. Von „tumultartigen“ Szenen berichtet der junge Mann, von „einem heftigen Streit“. „Man ist sich hinterhergerannt“, erinnert er sich. Die Flaschen-Szene sah er jedoch nicht. Richterin Dotzauer schlug schließlich vor, das Verfahren einzustellen. Alle Parteien erklärten sich damit einverstanden.

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