Waiblingen Anwohner befürchten Parkchaos in der Rötestraße

Stoßstange an Stoßstange in der Rötestraße. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Die Anwohner wehren sich gegen das geplante Gesundheitsamt in der Rötestraße. Angesichts einer Behörde mit rund 170 Mitarbeitern, aber nur 45 Parkplätzen befürchten sie ein Parkchaos in den engen Straßen rund um das geplante Gebäude. Die Planung sei naiv, sagte eine Frau bei einer Infoveranstaltung im Kleinen Kasten. Eine andere erinnerte die Kreisbau an die Faulheit der Menschen: Die kämen lieber mit dem Auto als mit Bus oder Fahrrad zur Arbeit.

Wie berichtet, soll auf dem Gelände der ehemaligen Ludwig-Schlaich-Akademie ein Verwaltungsgebäude entstehen, in dem unter anderem das neue Gesundheitsamt untergebracht wird. Geht es nach der Landkreisverwaltung, soll der allergrößte Teil der rund 170 Mitarbeiter mit Bus, S-Bahn und Fahrrad zur Arbeit kommen. Für Dienstfahrten während des Tages stehen Dienstwagen zur Verfügung. Rund die Hälfte der 45 Parkplätze in der Tiefgarage ist für die Dienstwagen vorgesehen, ein kleiner Teil für die Kunden, der Rest sind Mitarbeiterparkplätze.

Viel zu wenig, meinen die Anlieger. Aus rechtlicher Sicht sind diese Zahlen allerdings nicht zu beanstanden. Bei einer guten Anbindung an den ÖPNV, wie es in der Rötestraße der Fall sei, könne die Zahl der geforderten Stellplätze um bis zu 70 Prozent reduziert werden, erklärte Dominik Merkes, Fachbereichsleiter Baurecht der Stadt Waiblingen. Die Stadt muss den von der Kreisbau eingereichten Bauantrag genehmigen – und sieht hier auch keine Hinderungsgründe: „Wir wären froh, wir hätten lauter Baugesuche, die sich so eng an den Vorgaben orientieren“, sagte Baubürgermeister Dieter Schienmann. Formal entspreche der Bauantrag durchweg den Vorschriften.

Mobilitätskonzept anstelle von Parkplätzen

Dass der Landkreis die Zahl der Parkplätze für seine Mitarbeiter rasant zurückfährt, ist nicht neu. Statt Auto-Parkplätze für (fast) jeden gibt es ein Mobilitätskonzept, das den Umstieg auf Alternativen erleichtern soll. Die Hälfte der Kosten für Bus und Bahn werden übernommen, Azubis erhalten ein kostenloses Netzticket. Für Fahrradfahrer werden Duschen und Umkleideräume gebaut, für Dienstfahrten wird ein Dienstwagenpool angeschafft. Die Mitarbeiter seien gehalten, diese Angebote auch zu nutzen, sagte Kreisbau-Geschäftsführer Steffen Krahn. Und erinnerte daran, dass mit dem Bau des Erweiterungsgebäudes auf dem Parkdeck die Parkplätze auch am Alten Postplatz knapp werden. Das Ganze sei ein politisches Thema. Krahn: „Es wird sich was verändern müssen.“

Viele Mütter sind auf das Auto angewiesen

Nur wann? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder Mitarbeiter mit dem ÖPNV kommen wird“, hielt eine Anwohnerin dagegen. Wer außerhalb wohne, komme in der Regel mit dem Auto. Und vor allem Mütter, die ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit in den Kindergarten bringen, seien auf das Auto angewiesen. Die Forderungen der Anwohner, mehr Parkplätze zu bauen, wies der Kreisbau-Geschäftsführer allerdings klar zurück: Die Kreisbau müsse sich nach den Mehrheiten im Kreistag richten und mache „das baurechtlich Notwendige“. Ein zweites Parkgeschoss komme nicht infrage, sagte Krahn: „Wir könnten die Kosten nicht amortisieren.“ Hoffnung machte Krahn den Anwohnern zumindest auf eine erträgliche Abwicklung des Baustellenverkehrs. Derzeit werde mit Bosch verhandelt, ob der Verkehr über das Bosch-Areal abfließen kann. „Wir hoffen auf das Zugeständnis, dass wir die Werksstraße mitbenutzen könne“, sagte Krahn. Lärm und Staub während der Bauzeit seien allerdings nicht zu vermeiden. Sollte ein Mieter deshalb die Miete kürzen, könne dies nicht der Kreisbau auferlegt werden, so Krahn auf die Frage eines Anwohners. Allerdings werde vor Baubeginn der Bestand der umliegenden Häuser erhoben. Bei Beschädigungen sei die Kreisbau haftbar. Dass die Situation in den engen Straßen schwierig ist, räumte auch Baubürgermeister Dieter Schienmann ein. Den Nachbarn versprach er „erträgliche Zustände“.


Pläne des Kreises

An der Rötestraße entsteht eine Außenstelle des Landratsamtes. Die aktuellen Planungen gehen von rund 170 Mitarbeitern aus. Verläuft alles nach dem Zeitplan, ist im Herbst 2019 Baubeginn, Ende 2021 soll das neue Verwaltungsgebäude fertig sein. Die von der Straße aus sichtbaren Kopfbauten in der Emil-Münz-Straße und in der Rötestraße sollen sich vom Baustil in die bestehende Struktur einfügen.

Aus Sicht des Landkreises ist die gute Anbindung an den ÖPNV ein großer Vorteil des Areals.

Nach den Plänen des Landkreises soll auch das Landratsamt am Alten Postplatz saniert und durch einen Neubau auf dem Parkdeck erweitert werden. Mit dem Bau an der Rötestraße sollen damit die zahlreichen Außenstellen des Landratsamtes an zwei Standorten gebündelt werden.

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