Waiblingen Asyl in Neustadt: Einzug mit Hindernissen

Waiblingen-Neustadt. Irrungen und Wirrungen beim Einzug von knapp 150 Asylbewerbern in Neustadt: Nur Stunden vor der Ankunft der Bewohner trafen erst die Spinde ein, noch immer fehlt vielfach eine einfache Grundausstattung mit Töpfen und Geschirr.

Eine besondere Art der Willkommenskultur zeigte sich beim Einzug der Flüchtlinge in das Gebäude nahe des Bahnhofs Neustadt-Hohenacker, in dem sich früher das Rockpub und eine Pizzeria befanden. Eigentlich wollten ehrenamtliche Helfer und Sozialarbeiter sich um die Menschen kümmern, die am Donnerstagmorgen mit Bussen vom Auffanglager in Karlsruhe nach Waiblingen gebracht wurden. Stattdessen galt’s erst einmal, die Ärmel hochzukrempeln und handfest anzupacken. Die Spinde, in welche die Bewohner ihre Sachen zukünftig verstauen, befanden sich noch im LKW. Die mussten erst einmal ausgeladen und in die Zimmer geschafft werden. Die Küchenzeilen waren noch nicht ans Wasser angeschlossen. „Die Unterkunftsräume waren total verdreckt voller Baustellenstaub“, berichtet eine Ehrenamtliche von der katholischen Kirche. Die ehrenamtlichen Helfer putzten notdürftig den ärgsten Schmutz weg. Der Verpackungsmüll von den Schränken wurde rasch in den Lastwagen befördert – aus dem er dann wieder ausgeräumt werden musste, weil das Fahrzeug ohne den Müll abfahren sollte. So erwartete die Ankömmlinge „ein Riesenberg“ Verpackungsmüll. Letztendlich gelang es den Ehrenamtlichen vom AK Asyl dann noch, die neuen Bewohner in den Räumen der ehemaligen Pizzeria zu verköstigen.

„Das ist nicht optimal gelaufen“, räumte Landratsamts-Sprecherin Marie-Christine Scholze gestern ein. Die Möbel seien rechtzeitig bestellt worden, doch infolge von Lieferschwierigkeiten der Firma, die landesweit mit der Verteilung betraut ist, erst am Tag des Einzugs angekommen. Die Nachfrage sei derzeit sehr hoch, weil derzeit so viele Flüchtlinge in Baden-Württemberg ankommen und einzuquartieren sind. Obendrein war der Hausmeister, von dem eben vieles abhänge, die Woche krank. Wegen der Grippewelle habe sich bei der Kreisbau auch kein Ersatz gefunden. Die ankommenden Asylbewerber hätten die Situation trotz der Schwierigkeiten „positiv“ aufgenommen. Die fehlende Grundausstattung werde der zuständige Sozialarbeiter – der übrigens noch nicht einmal einen Tisch in seinem „Büro“ hat – am Montag kaufen.

Schon im Januar sollten in das Gebäude die ersten Flüchtlinge einziehen. Aber der Termin platzte, weil noch keine Baugenehmigung vorlag. Knackpunkt war seinerzeit das Brandschutzgutachten. Weil Fluchtwege, Rauchmelder und rauchgasdichte Türen fehlten, verweigerte die Stadt die Genehmigung. Bereits seit Herbst war jedoch klar, dass das Gebäude als Unterkunft für Asylbewerber genutzt werden würde. Trotzdem kamen die Spinde auf den letzten Drücker, sah das Haus nach Einschätzung der Ehrenamtlichen noch aus „wie eine Baustelle“.

Die Flüchtlinge in Neustadt stammen aus Syrien, Pakistan, Tunesien, Albanien, Gambia, Mazedonien, dem Kosovo und Tibet. Darunter sind 20 Familien und 70 Einzelpersonen. Nach den Unterkünften beim alten Krankenhaus und am Inneren Weidach ist dies die dritte in Waiblingen.

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