Waiblingen Auf der Suche nach der Liebe

Symbolbild. Foto: pixabay.com (CC0 Public Domain)

Diese zwei Kontaktanzeigen erschienen im Stuttgarter Stadtmagazin Lift. Sie waren der Beginn einer Recherche zum Thema Verlieben. Sie waren, ja, ein bisschen gemein. Wie aber sonst wäre rauszufinden gewesen, ob die Menschen das noch können – das nette Anbandeln über nette Zeilen? Partnerbörsen im Internet gibt’s massenhaft. Sie sollen auch recht erfolgreich sein – aber mutet der dortige Datencheck nicht ein wenig an wie die Mitteilung der Fakten übers Schlachtschwein? Es muss doch ein wenig romantischer gehen! Schließlich ist das Ziel ja die Liebe.

Kann es klappen, wenn man nicht mehr zu den ganz Jungen gehört?

Kann’s denn noch klappen mit dem Verlieben, wenn der Mensch nicht mehr ganz blutjung und wunderschön ist, nicht mehr an allen Ecken und auf allen Partys ebenfalls hormontrunkene Liebeshungrige trifft? Sondern fest im Alltag steckt, der nicht tagtäglich mit neuen Aufregungen aufwartet? Der im festen Gefüge von Terminen, Anforderungen, Pflichten vor allem Kraft kostet? Kurz, wenn der Mensch gar nicht so recht weiß, wo er jemanden herzaubern könnte, der zum Verlieben wäre?

Kontaktanzeige schreiben: Seltsames Gefühl

Wie wär’s wohl mit einer Kontaktanzeige? Ein seltsames Gefühl, aber aus dem nahen Umfeld kommen Infos, dass das tatsächlich gut laufen kann auf diesem Wege.

Im Dezember die meisten Kleinanzeigen

Der Monat Dezember sei, so heißt es vom Stadtmagazin Lift, der kleinanzeigenstärkste mit der größten Resonanz. Gefolgt von den Frühlingsmonaten. Weihnachten also wollen viele genauso wenig allein feiern, wie im Frühjahr traurig zugucken, wie andere sich küssen. Diese Tendenz bestätigen auch die Wochenblätter in Backnang, Winnenden, Waiblingen und Schorndorf: Hier wird regelmäßig in den Novembertagen nach der Liebe gesucht. Und im März und April. Allerdings ist diese Statistik mit etwas Vorsicht zu genießen. Denn die Wochenblätter machen in diesen Monaten – sicher aus gutem Grund – Sonderaktionen für private Kontaktanzeigen.

Echte Briefe: Fünf Euro pro Anzeige 

Die beiden Kontaktanzeigen, um die es jetzt hier geht, waren im Hinblick auf den Wonnemonat Mai und die kommenden Frühsommertage auf April gebucht, erschienen aber schon am 20. März um wenige Minuten nach 9 Uhr online. Die Antwort kam also per E-Mail. Echte Briefe wären noch schöner gewesen. Aber die hätten unter Chiffre hinterlegt werden müssen, was zusätzliche fünf Euro pro Anzeige gekostet hätte. Und so weit – zum Glück gibt’s Wortspiele – geht die Liebe nicht.

Online geht es viel schneller

Online wird zwar üblicherweise sehr viel kürzer geantwortet. Doch dafür geht es wirklich schnell: Um kurz vor 11 Uhr, also keine zwei Stunden später, war die erste Antwort da. Es ging ums Radfahren, um den schönen Frühlingsanfang – nett. Auch eine andere Antwort griff den Wunsch nach Sonne auf: „Hallo, Deinen Text finde ich sehr schön formuliert. Die Sonne im Gesicht spüren ... Ja, ich finde auch, es wird wieder langsam Zeit, dass der Frühling und der Sommer kommt ... Die kalten, düsteren Wintertage sind zum Glück vorbei. Alles beginnt wieder zu erblühen und aufzuleben.“

Motto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"

Mancher Liebesuchende probiert sein Glück gleich bei beiden Anzeigen. Das ist keine Seltenheit, sondern fast die Regel: Gucken, was passen könnte, und dann allen schreiben. Frisch nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Andere versuchen, mit zwei verschiedenen Antworten auf dieselbe Anzeige die Chancen auf ein Treffen zu erhöhen.

Anschreiben fallen unterschiedlich aus 

Die Anschreiben, mit denen womöglich die Frau für romantische Momente gefunden werden könnte, fallen ganz unterschiedlich aus. Am kürzesten war diese: Handynummer. Sonst nichts. Wow! Das ist knapp und zahlenlastig. Der Nächste fragte, ob ich auch auf einen jüngeren Kerl stehe. Keine Ahnung, aber mein Herz erobert Mann mit einer anderen Wortwahl. Da ist doch diese Antwort viel charmanter: „Mir fehlt zur Zeit auch etwas die Zweisamkeit“. Oder wie wär’s mit einem klitzekleinen bisschen Keck-Sein? Auf die Frage, wo der Mann sei, meint einer, er sei doch hier.

Suche nicht ganz einfach 

Ganz einfach scheint die Suche nach der Liebe auch auf diesem Weg nicht zu sein. Obwohl die Rückmeldungen zahlreich, die Strategie also offensichtlich beliebt ist. „Ich denke, es ist für ältere Leute die einzige Möglichkeit. Je älter man wird, desto mehr sind die Möglichkeiten eingeschränkt“ – so lautet eine Analyse der Lebens- und Herzensumstände. Aber: „Viel Glück bei der Recherche“ wünscht der Nächste, der geantwortet und dann erfahren hatte, dass die Anzeigen leider nur der Beginn eines Artikels waren. Und der folgende Seufzer ist noch fast durch die Datenleitungen zu hören: „Habe dann einmal mehr auf eine positive Antwort gewartet.“ Nur zu circa 30 Prozent, erklärt er, werde auf die Kontaktaufnahmen geantwortet. Mit Internet-Partnerbörsen hat er aber auch keine besseren Erfahrungen gemacht.

Reaktionen auf Geständnis der Redakteurin 

Ja, aufs Geständnis der Redakteurin, dass sie sie aufs Eis geführt hat, reagieren die Herren sehr verschieden. Zwei sind wirklich erbost. Die meisten jedoch reagieren entspannt bis amüsiert: „Dass man da so in die Falle geraten kann“ schreibt ein anderer und schickt einen Smiley hinterher. Er übrigens hat recht genau gewusst, womit Herzen zu ködern sind: „Finde Deinen Anzeigentext klasse!“ Dankeschön, das freut mich! Wirklich!

Grenzen wurden gesprengt 

Es kamen Einladungen zum Kaffeetrinken, auf ein Gläschen Sekt, Schmusewünsche, die Hoffnung wurde formuliert, dass nicht nur der Geldbeutel zählt, und die Bitte, dass Cannstatt, Gmünd, Esslingen und Ludwigsburg kein K.o.-Kriterium sind. Die Grenzen, die in den Anzeigen gezogen waren – Rems-Murr-Kreis –, wurden nämlich ratzfatz gesprengt.

Anzeigen nicht ernst gemeint, also keine Treffen 

Tja – weil ja aber die Anzeigen nicht wirklich ernst gemeint waren, weil sie ja nur so aus Neugier und mit dem Wunsch, mal so richtig nette Briefe zu bekommen, formuliert worden waren, kam’s am Schluss zu keinem einzigen Treffen. Das aber – ganz bestimmt – ist ja die eigentliche Herausforderung bei dem Ganzen. Da erst klopft das Herz so richtig. Das wäre wirklich einen nächsten Artikel wert.

Hochzeitsglocken

Leider gibt es keine einzige Statistik zum Erfolg von Kontaktanzeigen. Niemand hat je erfasst, wie viele Paare sich mit Hilfe einer solchen kennen- und so lieben gelernt haben, dass sie sogar heiraten.

Anzunehmen aber ist, dass doch das eine oder andere Paar im Rems-Murr-Kreis, das in diesem Frühjahr geheiratet hat oder noch heiraten wird, auch dank einer Kontaktanzeige diesen schönen Tag feiern kann.

Das Top-Heiratsdatum ist, sagen übereinstimmend die Standesämter in Waiblingen, Schorndorf, Winnenden und Welzheim, der Juni. Und der Juli und August. Das Wetter spielt bei diesem Trend nämlich eine ganz große Rolle. Wer will schon im Regen heiraten?

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