Waiblingen Aus Eifersucht Brautpaar bedroht

Symbolbild. Foto: pixabay.com, Lizenz: Public Domain CC0

Waiblingen/Weinstadt. „Ich zünde eure Wohnung an“, soll ein 28-Jähriger einem Pärchen gedroht haben, und: „Ich zerstöre eure Hochzeit.“ Sein Motiv: wahrscheinlich Eifersucht. Auch er hatte es wohl auf die deutsche Braut seines syrischen Landsmannes abgesehen. Gegen einen Strafbefehl legte er Einspruch ein, deshalb landete der Fall vor Gericht.

Der Angeklagte, gelernter Konditor, 28 Jahre alt, ist im April 2014 vor dem Bürgerkrieg aus der syrischen Stadt Homs geflüchtet, hat sich bislang nichts zuschulden kommen lassen, eine Wohnung und eine Arbeitsstelle gefunden und spricht mittlerweile ganz passables Deutsch. Im Amtsgericht wird ihm nur ein Dolmetscher zur Seite gestellt, um Missverständnisse zu verhindern. Der Syrer betont immer wieder, er habe eine weiße Weste. Die größte Sorge des Mannes ist es, als vorbestraft zu gelten. Das würde seinen guten Ruf schädigen und all den Anstrengungen spotten, die er unternommen hat, sich erfolgreich in die hiesige Gesellschaft zu integrieren.

Diese Integration ist auch seinem vermeintlichen Gegenspieler, einem 29-jährigen Mechaniker, gut gelungen. Vielleicht sogar noch ein bisschen besser als dem Angeklagten: Schließlich hat sich der junge Mann, der ebenfalls vor dem Bürgerkrieg geflohen ist, im vergangenen Jahr mit einer 28-Jährigen aus Remshalden verlobt (und diese inzwischen auch geheiratet). So zog er die Eifersucht des Landsmanns, der einst mit dem Bruder der Remshaldenerin befreundet war, auf sich und seine Braut. Das zumindest ist die Vermutung der beiden – und die einzig schlüssige Erklärung für den Streit, der im Januar vor einem Supermarkt in Weinstadt eskalierte.

Der 28-Jährige soll das Paar vor dem Discounter abgepasst und im Laufe eines Wortgefechts aufs Übelste beleidigt haben. Zwar auf Arabisch, so dass die Umstehenden den expliziten Inhalt überwiegend nicht verstanden, aber doch in aufsehenerregender Lautstärke.

„Ich habe mich so geschämt“

„Ich habe mich so geschämt vor den ganzen Deutschen“, gibt der 29-jährige Mechaniker vor Gericht zu Protokoll. Der Mann habe ihn und seine Frau schwer beleidigt und unter anderem gedroht: „Ich zünde eure Wohnung an“ und „Ich zerstöre eure Hochzeit“. Anschließend habe der wütende Eifersüchtling mit seinem Fahrrad die beiden Einkaufswagen des Pärchens gerammt, einen sogar umgeschmissen. Als die beiden schließlich davonfuhren, schimpfte er ihnen hinterher. So berichtet es das Ehepaar übereinstimmend. Für den Tag ihrer Hochzeit verfügten sie, dass der Mann sich ihnen nicht nähern durfte – und heirateten schließlich ungestört. Seit einigen Monaten ist Ruhe eingekehrt. Zur Erleichterung der jungen Frau, die über die Wochen vor der Hochzeit berichtet, große Angst gehabt zu haben: „Ich war komplett fertig mit den Nerven, kurz davor, alles abzusagen.“

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Gegen den Strafbefehl wegen Beleidigung über 30 mal 30 Euro, also insgesamt 900 Euro, hat er Einspruch eingelegt. „Das ist nicht passiert“, sagt er zu Beginn der Verhandlung. Vielmehr sei er beschimpft worden. Wie es überhaupt zu dem Zwist kam – dafür hat er keine Erklärung. Der Mann verliert sich immer wieder in Andeutungen auf weitere angebliche Beteiligte, ohne konkret zu werden.

Freispruch steht nicht zur Debatte

Spätestens nach den Aussagen der Gegenseite ist deshalb klar: Ein Freispruch oder eine Einstellung des Verfahrens stehen nicht zur Debatte. Ob er auf ein Urteil poche oder nicht doch lieber seinen Einspruch zurückziehen wolle, fragt ihn der Richter, dann bliebe es bei den 900 Euro Strafe: „Sie haben einen Fehler gemacht, dafür müssen Sie geradestehen.“ Ob er dann einen Eintrag ins Führungszeugnis bekomme und als vorbestraft gelte, fragt der Mann. „Nein“, lautet die Antwort. Das hatte der 28-Jährige befürchtet. Erleichtert zieht er seinen Einspruch zurück – ein Monatsgehalt freilich wird draufgehen für seinen Ausraster.

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