Waiblingen Bau eines Kindergarten in Malawi

Waiblingen-Beinstein. 30 Kinder in Südostafrika haben dank Hilfe aus Beinstein die Chance auf eine bessere Zukunft: Der Verein Kumbali-Projekt um Grit Wagner-Strohn hat in Malawi einen Kindergarten eingeweiht – in einem Dorf, dessen Kindergarten und Schule vor zwei Jahren ersatzlos geschlossen wurden. Ausruhen wird sich der Verein auf diesem Erfolg aber nicht.

Die Politische Lage in Malawi:

Während des Aufenthalts von Grit Wagner-Strohn, Celine Dobler und Barbara Jahn in Malawi erlag der amtierende Präsident Bingu wa Mutharika einem Herzinfarkt. „Das war schon ein komisches Gefühl“ sagt Grit Wagner-Strohn. Doch die befürchteten Unruhen blieben aus. Die Macht ging über an die Vizepräsidentin Joyce Hilda Mtila Banda, eine Konkurrentin des alten Präsidenten. Die beiden ehemaligen Weggefährten hatten sich unter anderem wegen der Kandidatenkür für die nächste Wahl im Jahr 2014 überworfen, weil Mutharika, der selbst nicht mehr antreten durfte, die Kandidatur seines Bruders durchsetzte.

Der 14 Millionen Einwohner zählende Staat Malawi ist seit 1964 unabhängig. Das Land ist etwa fünfmal so groß wie Baden-Württemberg. Amtssprachen sind Chichewa und Englisch. „Kubali“ ist ein Chichewa-Wort und bedeutet so viel wie „nahe bei“.

Mehr Informationen gibt es auf den Internetseiten des Vereins unter www.railcat.de/kumbali.

In den Osterferien reisten Vereinsgründerein Grit Wagner-Strohn sowie die Kumbaliprojekt-Mitglieder Celine Dobler und Barbara Jahn nach Malawi. Im Gepäck 50 Schulranzen und Kinderrucksäcke, Schulmaterialien und Fußballtrikots. Gekonnt hatten die drei Frauen alles in ihrem eigenen Gepäck verstaut, so dass keine Frachtgebühr fällig wurde – angesichts der tropischen Temperaturen in dem südostafrikanischen Land mussten sie für sich selbst sowieso nicht allzu viel mitnehmen. Gleich nach der Ankunft in der Hauptstadt Lilongwe ging’s 15 Kilometer hinaus aufs Land zu den Dörfern Landscape und Canada Camp, um den neuen Kindergarten zu besichtigen. Die Einweihung war hauptsächlicher Anlass für die erneute Reise, nachdem Grit Wagner-Strohn und Celine Dobler im Herbst zuletzt vor Ort weilten.

Nachdem das Gelände verkauft wurde, auf dem die bisherige Schule und der Kindergarten standen, gab es für die Kinder aus den beiden Dörfern zunächst keinen Ersatz. Ihren ersten Plan, einen neuen Kindergarten zu bauen, ließen die ehrenamtlichen Entwicklungshelfer fallen, als sich eine einfachere Alternative anbot: Die Besitzerin eines Pferdegestüts hatte ihren Betrieb aufgegeben und der Grundbesitzer Guy Pickerung, ein aus Südafrika stammender Bekannter des Kumbali-Projekts in Malawi, stellte die Gebäude pachtfrei zur Verfügung. Die nötigen Umbaumaßnahmen wurden vom Verein finanziert, den Baufortschritt überwachte der vom Verein bezahlte Partner Sali Mwale. Ebenfalls vom Verein unterstützt wird die Lehrerin Mercy. Große Summen fließen dabei nicht, wenn man’s an deutschen Verhältnissen misst: Das Lehrerinnengehalt in Malawi liegt bei 25 Euro monatlich, insgesamt hat der Verein in den Kindergarten-Umbau zwischen 5000 und 6000 Euro Spendengelder investiert. Das Schulgeld kostet monatlich 1,50 Euro. Ein scheinbar mickriger Betrag, doch viele der teils vielköpfigen Familien können ihn nur schwer bezahlen. Denn Arbeit gibt’s in der Region wenig - außer als Fahrer oder als Arbeiter in der Landwirtschaft von Guy Pickering. „Schon mit einem Euro monatlich“, sagt Grit Wagner-Strohn, „kann man eine Familie unterstützen.“

Wie im Land üblich wurde der Kindergarten mit einfachen Strohmatten ausgelegt, Möbel gibt’s fast keine. Ob die Kinder spielen, malen oder Vorschulunterricht bekommen – alles findet auf dem Boden sitzend statt. Stolz sind die Kleinen auf die Wandhaken, wo jeder seinen Rucksack an seinen festen Platz hängen darf. Für deutsche Schulkinder schwer nachvollziehbar sein dürfte auch die Euphorie, welche die neuen Schuluniformen in den Kumbali-Vereinsfarben Gelb und Grün auslösten. Die Dankbarkeit über die Geldspenden, Rucksäcke und Schulmaterialien von Waiblinger Familien, über die Rucksäcke vom Korber Kindergarten St. Johannes der Täufer sowie Trikots, Kickstiefel und Bälle vom FSV Waiblingen war riesengroß, berichten die Kumbaliprojekt-Frauen.

Geplant: Zweite Kindergartengruppe und Ambulanzklinik

Vor dem großen Tag des Einweihungsfests legten Grit Wagner-Strohn, Celine Dobler und Barbara Jahn gemeinsam mit Sali Mwale beim Verzieren der Kindergarten-Wände mit bunten Zahlen und Buchstaben noch selbst Hand an. Trotz Regenzeit und Hochwasser machten sie nochmals die umständliche Fahrt in die Hauptstadt, um den Stoff für die Schuluniformen sowie weiteres Schulmaterial zu kaufen. Die Einweihung schließlich wurde mit viel Gesang, Jubel der Kinder und Gesprächen mit den Eltern gefeiert.

Noch in der gleichen Woche unternahmen die Entwicklungshelferinnen mit der Klasse zwei Ausflüge. Erst gab’s eine kleine Wanderung durch den Busch ins Entwicklungshelfer-Dörfchen Kumbali Village. Dort wohnten auch die Remstälerinnen in einfachen Lehmhütten ohne fließendes Wasser und mit nur zwei Stunden Strom am Tag. Statt einer Brause hat die dortige Freiluft-„Dusche“ eine Schöpfkelle, mit der man sich das Wasser über den Körper schüttet. Die zweite Exkursion führte mit einem Bus in einen nahen Wildlife-Park, eine Art Zoo mit naturnahen Gehegen. Die afrikanische Tierwelt ist den Kindern viel weniger vertraut, als Mitteleuropäer zu glauben geneigt sind. Löwen oder Krokodile hatten die Kleinen noch nie gesehen, obwohl im nahen Lilongwe-Fluss welche leben sollen. Von tierischen Begegnungen der unheimlichen Art wurden auch Grit Wagner-Strohn bislang verschont – wenn man von erstaunlich großen Insekten absieht.

Der Beinsteiner Verein hat noch viel vor in Malawi. Im zweiten Bauabschnitt soll ein weiterer Gebäudeteil für eine zweite Kindergartengruppe ausgebaut werden. Danach soll die Renovierung weitergehen, auf dass irgendwann eine Ambulanzklinik in den ehemaligen Reiterhof mit einziehen kann. Derweil gilt’s die Außenanlagen neu zu gestalten, einen Spielplatz mit Sandkasten und „Autos“ aus Baumstämmen einzurichten. Spender, freiwillige Helfer und Mitreisende sucht der Verein Kumbali-Projekt immer. Die nächste Malawi-Reise ist für Frühjahr 2013 geplant.

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