Waiblingen-Beinstein Ein Ort kämpft um den Bankautomaten

Die Volksbank-Filiale soll geschlossen werden. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen-Beinstein. Wie in Schnait und Birkmannsweiler schließt die Volksbank auch in Beinstein ihre Filiale zum 14. Februar 2020. Ersatzlos – auch der Bankautomat entfällt. Mit Mühe und Not war vor zwei Jahren der Cap-Markt als Nachfolge von Lebensmittel Hezel in der Rathausstraße etabliert worden – und jetzt? Die Schließung der benachbarten Volksbank mitsamt ihrem Automaten könnte „der Anfang vom Ende der Ortsmitte sein“, befürchtet das Beinsteiner Urgestein Frieder Kuhnle. Geschäftsleute und Ortschaftsräte rufen auf, sich bei einer Unterschriftenaktion des Bundes der Selbstständigen zu beteiligen. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass am Samstag bei der Beinsteiner Vorweihnacht der halbe Ort auf den Beinen ist. Die Listen liegen von Samstag bis Weihnachten bereit.

Frieder Kuhnle, der langjährige Stadtrat, kann sich lebhaft vorstellen, was im Alltag passieren wird, „wenn die Bargeld-Versorgung vor Ort abbricht“. Die Leute fahren dann nach Waiblingen, Korb oder Endersbach, um Geld abzuheben – und wenn sie dort schon einmal sind, dann kaufen sie dort auch gleich ein. Dann geht’s zum Remstalmarkt Mack statt zum Cap-Markt, zum Beinsteiner Bäcker oder Metzger. Und wenn die Kunden dort nicht mehr einkaufen, können sich die Läden auch nicht halten. Mit schlechten Gefühlen denken die Einzelhändler in der noch lebendigen Ortsmitte an die Zeit, als der ehemalige Hezel-Markt leer stand. „Manche haben ans Aufgeben gedacht“, weiß Apotheker Horst-Michael Böckel, Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen.

Die Sparkasse ließ den Automaten

Viel Zeit und Geld wurde in die Neugestaltung der Ortsmitte investiert, große Hoffnung auf den Cap-Markt gesetzt – den Nahversorger mit sozialem Anspruch, der Menschen mit Behinderung beschäftigt. Wie die Ortschaftsräte und der BdS-Vorsitzende übereinstimmend feststellen, funktioniert der Cap-Markt gut. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Geld abzuheben, aber nur bei einem Einkauf von mindestens 20 Euro und nur zu den Öffnungszeiten. Einen rund um die Uhr zugänglichen Geldautomaten könne dieses Modell nicht ersetzen, sagen Frieder Kuhnle und seine Mitstreiter.

Endersbach bevorzugt?

Als vor anderthalb Jahren die Kreissparkasse ihre Filiale in Beinstein schloss, gab es keinen Widerstand - warum jetzt? „Natürlich sehen wir eine gewisse Notwendigkeit zum Sparen ein“, sagt der BdS-Vorsitzende. Ginge es nur um die Filiale, um Beratung und Service vor Ort, würde sich kaum jemand wehren. Kein Verständnis aber haben die Beinsteiner, dass sogar der Automat, der erst im Sommer noch aufgerüstet wurde, abgebaut werden soll. Ihre Hoffnung ist, dass eventuell durch bauliche Veränderungen ein Raum für den Automaten bewahrt bleiben kann – aber die Bank als Betreiberin müsste halt dabei sein.

Erfolglos verlief ein Gespräch des Volksbank-Beirats Ralf Klute mit den Vorständen in Waiblingen. Kämpferisch verabschiedete er sich mit den Worten „Beinstein wird sich weiter wehren!“. Eigentlich seien gerade Regionalität und Kundennähe die Stärken der Volksbank, sagt er. Aber die nun beschlossenen Schließungen entsprächen dem Gebaren einer Großbank.

Bitter stimmt die Beinsteiner der Blick in die jüngere Geschichte, denn bis 1991 existierte im Ort die Genossenschaftsbank, die dann mit der Volksbank Waiblingen fusioniert wurde. Später folgte die weitere Fusion zur Volksbank Stuttgart. Die damaligen Gegner eines Zusammenschlusses, meint Frieder Kuhnle, könnten nun triumphieren, weil sie schon immer recht hatten mit ihrer Vorhersage, dass es nicht gut ausgehen werde für Beinstein. Was er zudem nicht nachvollziehen kann: dass in Endersbach nur 300 Meter von der Filiale in der Strümpfelbacher Straße weiter ein Automat in der Theodor-Heuss-Straße bleibt.

Gesichter der Initiative: BdS-Vorsitzender Horst-Michael Böckel, Ortschaftsrat Ralf Klute, Ortschaftsrat Uwe Füssenhäuser, Ortschaftsrätin Ursula Schwebig-Belawa, DFB/FW-Vorsitzender Helmut Langbein, Gernot Koch und Bauunternehmer Frieder Kuhnle (von links). Foto: Kölbl

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