Waiblingen Bilder: Der Bagger beißt sich durch die Klinik

Waiblingen. Eine riesige Geröll-Landschaft erstreckt sich über das Areal vor dem ehemaligen Kreiskrankenhaus. Steinbrocken, Bauschutt, Draht und Müllcontainer: Im Park, wo früher Patienten in Bademänteln mit ihren Angehörigen flanierten, sind gewaltige Bagger in Action. Die Abbrucharbeiten auf dem Klinikareal sind in vollem Gange.

Das Schwesternwohnheim ist bereits Vergangenheit, jetzt beginnen die Abbrucharbeiten am Hauptgebäude. Ein Longfront- Bagger mit einem 27 Meter langen Baggerarm steht bereit. Ganz oben, in der ehemaligen Säuglingsstation, wird er sich in die Wand beißen und sich dann langsam durchs ganze Gebäude vorarbeiten. Schon abgerissen ist die Außenwand der ehemaligen Röntgenstation. Nur ein seltsam abgeknicktes einsames Rohr erinnert noch an den früheren Betrieb. Die darüberliegende Terrasse, auf der in den 20er Jahren Kranke mit Licht- und Sonnentherapie behandelt wurden, ist teilweise eingestürzt. Überall auf dem Gelände stehen Riesencontainer für Schrott und Edelstahl, Alu und Kupfer. In weißen Säcken steckt Dämm-Material von den Fußböden: Mülltrennung vom Feinsten – mitten auf einer für den Laien völlig unübersichtlichen Riesenbaustelle.

Schon im Dezember hat die Kreisbau als Eigentümerin des 28 000 Quadratmeter großen und 136 000 Kubikmeter umbauten Raum umfassenden Areals mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen. „Bei den älteren Gebäuden, die teilweise aus den 20er Jahren stammen, waren die Rückbaumaßnahmen besonders aufwendig“, erklärt Projektsteuerer Michael Bolesch. In vielen Wänden steckten giftige Baustoffe wie Asbest und PCB, die bis jetzt versiegelt waren, beim Rückbau aber geöffnet und entsorgt werden mussten.

Die giftigen Baumaterialien mussten entsorgt werden

Das Stuttgarter Ingenieurbüro Arcadis wurde beauftragt. Noch während des Krankenhausbetriebs entnahm es Proben aus Wänden und Böden. Vor den Baggerarbeiten wurden die giftigen Baumaterialien getrennt, luftdicht verpackt und sachgerecht entsorgt. Begleitet wurden diese Arbeiten von einem Gesundheitsschutzkoordinator. „Mit rund 96 Prozent der Rückbaumaßnahmen sind wir jetzt fertig“, sagt Bolesch.

Parallel dazu haben Mitte Februar die Baggerführer ihre Arbeit aufgenommen. Mit großem Feingefühl, wie Polier Fred Hoffmann von der Weilheimer Firma Fischer betont. „Viele meinen, bei einem Abbruch schlägt man mit der Abbruchbirne einfach alles zusammen.“ Doch gearbeitet werde mit System: „Mit großen Maschinen kann man fein arbeiten.“ Besonderes Augenmerk müssen die Männer jetzt auf die Tragfähigkeit des Untergrunds des Areals legen: „Hier waren überall Keller“, sagt Hoffmann. „Wir müssen darauf achten, dass sie befahrbar sind.“ Im anderen Fall werden die Keller von oben geöffnet und mit Baumaterial gefüllt.

Vor der Neubebauung wird das Gelände modelliert

Bis September werden die Abbrucharbeiten auf dem Gelände noch dauern. Vor der neuen Bebauung wird das Grundstück modelliert. „Dann wollen wir zügig mit den Erschließungsarbeiten beginnen“, sagt Projektsteuerer Michael Bolesch. Die kalte Jahreszeit sei dabei kein Hindernis, im Gegenteil: „Wenn der Boden gefroren ist, rutscht nichts nach.“

Wohnen an der Winnender Straße

Über die grundsätzliche Nutzung des Areals – Wohnungen, Büros und eine Außenstelle des Landratsamts – besteht schon lange Einigkeit. Um die pfiffigsten Vorschläge für die neuen Wohnungen zu bekommen, hat die Stadt Waiblingen einen Wettbewerb von Planern und Investoren ausgelobt.

Fünf bis zehn Arbeitsgemeinschaften aus Investoren und Architekten sollten auf der Basis eines Rahmenplans des Winterbacher Büros Bloss und Keinath ihre Entwürfe für die Wohnbebauung vorlegen. Nördlich eines Dienstleistungsgebäudes entlang der Winnender Straße sind drei- bis viergeschossige Wohnungen vorgesehen. Im westlichen Teil soll familienfreundlich gebaut werden, mit lockeren Bauformen, Stadthäusern und kleinen Mehrfamilienhäusern. Zehn Prozent der Wohnungen sollen bezahlbare Wohnungen für Geringverdiener werden.

Noch vage sind die Vorstellungen für ein dreischenkliges Dienstleistungsgebäude am südlichen Ende des Areals: Dieses ist als Reservefläche für die gewünschte spätere Amtsgerichtsansiedlung vorgesehen.

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