Waiblingen Birgit Priebe kandidiert nicht mehr

Sie hat sich entschieden: Birgit Priebe kandidiert nicht mehr als Baubürgermeisterin. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Für Birgit Priebe wird es keine dritte Amtszeit als Baubürgermeisterin geben: Nach 16 Jahren steht sie als Chefin des Bauamts in Waiblingen nicht mehr zur Verfügung. Diese Entscheidung sei vergangene Woche nach abschließenden Gesprächen mit den Fraktionen gefallen. Danach war klar: „Die Rahmenbedingungen sind für mich nicht erfüllt“, sagt Priebe.

2002 war Birgit Priebe 40-jährig zur Baubürgermeisterin gewählt worden, 2010 kürte sie der Gemeinderat erneut zur ersten Frau im Bauamt. In diesem Juli wollte sie sich zum dritten Mal zur Baubürgermeisterin wählen lassen, doch ein Teil des Gemeinderats zierte sich. Man wolle eine richtige Wahl, hatten CDU-Chef Siegfried Kasper, FDP-Chefin Julia Goll und ALi-Chef Alfonso Fazio erklärt und offengelassen, ob sie Birgit Priebe im Falle einer Kandidatur unterstützen würden. Nun ist die Bewerbungsfrist vorbei. Mehr als zehn Kandidaten haben ihre Bewerbungen abgegeben – die Amtsinhaberin ist nicht darunter.

Der Gemeinderat hat sich auch selbst torpediert

Gefallen ist die Entscheidung laut Priebe vergangene Woche nach abschließenden Gesprächen mit den Fraktionen. Erneut habe sie keine Klarheit über deren Unterstützung bekommen. Nun hat die gelernte Architektin die Reißleine gezogen. „Ich hatte Vorstellungen, wie viel Vertrauen für die anstehenden Projekte da sein muss.“ Eine klare Aussage könne man nach 16 Jahren erwarten. Zumal Rückhalt und Vertrauen schon deshalb nötig seien, weil die Projekte der Stadt immer schwieriger würden. Fakt ist auch, dass der Gemeinderat manches Projekt in den vergangenen Monaten selbst torpediert hat. Die Umgestaltung des Bahnhofs und das grüne Hochhaus wurden buchstäblich in letzter Minute abgeschmettert. Damit war die monatelange Arbeit im Bauamt völlig sinnlos geworden. Über die Stellungnahmen der Verwaltung setzt sich der Rat mehrheitlich mal gern hinweg – wie jüngst im Fall der Kita in Waiblingen-Süd, die die Verwaltung wegen Personalmangel an einen Investor vergeben wollte. Auf Wunsch des Rats wird die Stadt das Zehn-Millionen-Projekt nun selbst bauen. „Fachliche Kompetenz“, resümiert Priebe, „wird nicht mehr anerkannt.“

"Es ist viel zusammen gekommen"

Klar mache die Verwaltung auch Fehler, sagt sie selbstkritisch. So habe die Fülle an Themen und Tagesordnungspunkten das Gremium wohl auch mal überfordert. „Aber mein Motto war, suche der Stadt bestes – und das war nicht immer bequem.“ Dass sie ihre Arbeit als Baubürgermeisterin gern mache, hatte die 56-jährige Mutter einer erwachsenen Tochter immer wieder betont. Auch dass ein Teil des Rats auf eine echte Wahl pochte, habe sie verstanden. „Aber es ist viel zusammen gekommen.“ Der Gemeinderat werde von wenigen Personen dominiert, was schade für die Diskussionskultur sei. Dass die Gesprächskultur im Rat einer Stadt wie Waiblingen nicht immer würdig sei, hätten ihr auch Ratsmitglieder signalisiert, sagt Priebe und verweist unter anderem auf die Debatte jüngst im Planungsausschuss, wo der CDU-Chef das Verkehrsgutachten eines renommierten Planers in Abrede gestellt und ein zweites gefordert hatte.

Priebe hinterlässt ihrem Nachfolger "ein super gut aufgestelltes Team"

Nun ist also Schluss für Birgit Priebe, vorbei nach 16 Jahren. Ende Oktober läuft ihre Amtszeit ab. Sie gehe nicht im Zorn, sagt die 56-Jährige. Richtig leid tue es ihr aber um ihr Dezernat, rund 90 Mitarbeiter, „ein richtig gutes Team“, wie sie sagt. Sehr schwer sei es ihr gefallen, ihren Mitarbeitern die Entscheidung mitzuteilen: „Mir ist eine unglaubliche Wertschätzung entgegengebracht worden – von meinen Kanalarbeitern bis zu den Fachbereichsleitern. Meine Mitarbeiter sind traurig.“ Ihrem Nachfolger hinterlasse sie „ein super gut aufgestelltes Team“ – „ich hoffe, er weiß das zu schätzen.“ Vieles sei in den vergangenen Jahren geleistet worden, die Stadt sei geprägt worden. „Das macht man natürlich nicht allein, das macht man im Team“, sagt sie und meint diesmal das Team aus Verwaltung und Gemeinderat. Dieses Team habe es in letzter Zeit nicht mehr gegeben, konstatiert sie. Bitter sei sie deshalb nicht. „Ich habe jetzt die Klarheit, die ich gebraucht habe.“

Einige interessante Angebote bekommen

Ein bisschen erleichtert hat ihr das möglicherweise auch ein kleiner Nebeneffekt, den sie so gar nicht erwartet hatte: Weil sich der Gemeinderat zu dem entscheidenden Satz in der Ausschreibung – „Die derzeitige Stelleninhaberin bewirbt sich wieder“ – nicht durchringen konnte, war für Außenstehende klar, dass Priebes Kandidatur offen ist. Mit der Folge, dass sie einige interessante Angebote bekommen habe. Eine feste Zusage gebe es noch nicht, sagt die scheidende Baubürgermeisterin. Erstmal habe sie für sich klären wollen, wie es für sie weitergeht. So oder so weiß sie jetzt: „Für mich ist es besser."


Kommentar: Eine Frage der Würde

Birgit Priebe hat sich entschieden. Im Oktober ist für sie Schluss in Waiblingen. CDU, FDP und Alternative Liste wollten eine offene Wahl – die werden sie nun bekommen. Allerdings nicht mit der Amtsinhaberin als Notnagel. Erst mal abwarten, was sich so bietet, und die Amtsinhaberin zappeln lassen, diese Rechnung hat sich am Ende als Fehlkalkulation rausgestellt. Birgit Priebe hat endgültig klar gestellt, dass es für sie ein Leben nach Waiblingen gibt und sie als Ersatzkandidatin nicht zur Verfügung steht. Nach 16 Jahren an der Spitze des Waiblinger Bauamts ist das eine konsequente Entscheidung. Und eine Frage der Würde.


Bedauern bei Oberbürgermeister Hesky

„Ich bedauere sehr, dass sich Frau Priebe nicht beworben hat“, sagt Oberbürgermeister Andreas Hesky. Für ihre Entscheidung habe er aber Verständnis: „Vor allem, nachdem der Gemeinderat deutlich gemacht hat, dass man als Wahlbeamter nach acht Jahren nicht automatisch davon ausgehen kann, dass es für einen weitergeht.“ Diese Wahlfreiheit gelte umgekehrt auch für die andere Seite. Angesichts der großen Projekte, wie die Daimler-Ansiedlung oder die Kita inklusive der Sozialwohnungen in Waiblingen-Süd frage er sich, wie diese Planungen so zu schaffen sind, dass ein Nachfolger einsteigen kann.

Mehr als zehn Bewerber haben ihre Bewerbung für das Amt des Baubürgermeisters abgegeben. Laut Hesky alles Männer, die völlig unterschiedliche Ausbildungen und Tätigkeiten mitbringen. Die Bewerber kommen aus ganz Deutschland und der Schweiz.

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