Waiblingen-Bittenfeld Ihr Traumberuf: Landärztin

Dr. Anke Menikheim liebt ihren Beruf und sie liebt ihre Familie. Beides kann sie als Hausärztin miteinander verbinden. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen-Bittenfeld. Ein sympathischer und kompetenter Hausarzt gehört für die meisten Menschen zu den wichtigen Dingen im Leben. Umso härter trifft vor allem ältere Menschen der Hausärztemangel. Auch in Bittenfeld war die Nachfolge für den langjährigen Hausarzt lange unklar – bis sich die Allgemeinärztin Anke Menikheim im Haldenweg niederließ. Gut ein Jahr später weiß sie, dass es der richtige Schritt war.

Dass ihre Hausärztin nicht nur herzlich und kompetent, sondern auch telegen ist, wissen alle, die im SWR die Sendung „Dorf sucht Doc“ gesehen haben. In der Fernsehdoku wurde der Weg der Ulmer Allgemeinärztin, Anästhesistin und Notfallärztin Anke Menikheim nach Bittenfeld beschrieben. Lange Zeit hatte dort der langjährige Hausarzt Wolf Ehmann einen Nachfolger gesucht. Vergeblich. Nach Ehmanns Tod hatte dessen Sohn die Praxis übernommen. Auf Dauer konnte sich der Schweizer Klinikarzt aber nicht vorstellen, als Landarzt in Bittenfeld zu arbeiten. Anke Menikheim wiederum wollte sich als Allgemeinmedizinerin selbstständig machen, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Am Ende passte es. Zwei Jahre nach den ersten Kontakten übernahm Anke Menikheim im Januar 2018 die Praxis im Bittenfelder Haldenweg.

Eine Anstellung kam für die Mutter eines Sohnes nicht mehr infrage

„Immer mehr Ärzte hören auf und haben keine Nachfolger“, weiß die 45-Jährige. Tatsächlich ist der Job als Hausarzt unter jungen Ärzten und Ärztinnen nicht gerade beliebt. Lange Tage, viel Arbeit, wenig Freizeit und vergleichsweise wenig Geld, unken viele. „Es macht Spaß“, sagt Anke Menikheim dagegen. Zusammen mit fünf Medizinischen Fachangestellten betreut sie ihre Patienten im Erdgeschoss des Dreifamilienhauses im Haldenweg. An fünf Tagen in der Woche ist die Praxis geöffnet. Mittwoch- und Freitagnachmittag ist geschlossen. Zu den Sprechstunden kommen aber Hausbesuche und Schriftkram wie Gutachten und Rehaanträge. Ein Fulltime-Job ist das allemal. Trotzdem genießt es die Mutter eines achtjährigen Sohnes, sich nun flexibler um ihre Familie kümmern zu können, als dies in Klinik der Fall war. Als selbstständige Hausärztin habe sie den Luxus, auch mal sagen zu können, ich komme zehn Minuten später. Sich anstellen zu lassen kam für sie deshalb nicht mehr infrage. Auch wenn ihre Arbeitstage lang sind und die Bürokratie enorm.

Patienten sollen sich wohlfühlen

„Ich komme aus der Notfallmedizin. Da kenne ich ganz andere Stresslevels“, sagt sie lachend. Den betriebswirtschaftlichen Bereich der Praxis managt ihr Mann Ralf – was beide als ideales Arrangement empfinden. Für ihre Patienten, sagt die Ärztin, versuche sie, das Beste zu machen, ohne an die Abrechnungen danach denken zu müssen. Die erledigen ihr Mann und ihre Angestellten. „Ich bin ein Teamplayer“, sagt sie. „Bei uns gibt es kein schlechtes Arbeitsklima.“ Aber auch auf Freundlichkeit gegenüber den Patienten legt sie großen Wert. Ihr Credo: „Patienten sollen einen verständnisvollen Erstkontakt haben.“

Neue Praxis im Baugebiet Berg-Bürg

Anke Menikheim, der Doc, der vom Dorf gesucht wurde, ist in Bittenfeld definitiv angekommen. Nun steht ein neuer Wechsel an. Da die Räume im Haldenweg nur gemietet sind und nicht auf Dauer zur Verfügung stehen, soll die Praxis ins neue Baugebiet Berg-Bürg verlegt werden. Kaufen will Menikheim auch in Berg-Bürg nicht, doch größer soll die Praxis werden und nach ihren Vorstellungen gestaltet. „Wir sind froh darüber und ziehen ganz entspannt hinauf“, sagt sie vergnügt. In der vergrößerten Praxis steht ein weiterer Raum zur Verfügung – Platz für mehr Patienten, vor allem aber auch Platz für einen weiteren Arzt, den sie in ihrer Praxis gerne anstellen würde. Bei fast 4400 Einwohnern gäbe es in Bittenfeld genügend Arbeit für zwei Ärzte, ist sie überzeugt. Auch die Vertretung könnte dann leichter organisiert werden.

Gute Gründe für sie, den nächsten Schritt zu tun. Positiv und optimistisch, wie sie ist – auch wenn die Arbeit als Hausärztin manchmal auch belastend sei. „Manche Sachen laufen nicht, wie man will“, sagt sie. „Aber ich versuche, so zu arbeiten, dass ich jeden Tag in den Spiegel schauen und mir sagen kann: Ich habe alles Mögliche gemacht.“


Von Ulm über Winnenden nach Bittenfeld

Anke Menikheim studierte Medizin an der Uni Ulm und absolvierte dort auch ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Als Anästhesistin arbeitete sie im Rems-Murr-Klinikum. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, entschied sie sich zu einer zusätzlichen Facharztausbildung: Sie wurde Allgemeinmedizinerin mit dem Ziel, sich als Hausärztin selbstständig zu machen. Menikheim lebt mit ihrer Familie in Rudersberg. Die Praxis in Bittenfeld eröffnete sie im Januar 2018.

„Es macht Spaß“, sagt sie gut ein Jahr später. Ärgerlich findet sie aber, dass sie trotz ihrer Ausbildung zur Notärztin bei Bedarf verletzte Patienten zu einem Chirurgen weiterschicken muss, obwohl sie sie selbst behandeln könnte. Diese Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung könne keiner verstehen, sagt die Ärztin.

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