Waiblingen Bosch Packaging heißt jetzt Syntegon

Vor der alten Bosch-Packaging-Technology-Zentrale wehen schon die neuen Fahnen. An der Fassade ganz links sieht man noch das Bosch-Rot blitzen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Noch prangt das Logo leuchtend rot an der Fassade, doch das ist jetzt definitiv Geschichte: Aus Bosch Packaging Technology an der Stuttgarter Straße in Waiblingen ist am Mittwoch offiziell Syntegon geworden. Die vorherrschende Farbe wird zukünftig ein saftiges Grün sein, ansonsten, so die Botschaft der Geschäftsführung, ändere sich eigentlich nichts und das, was sich ändert, werde besser.

Trotz des Verkaufs: Die Kunden sind geblieben

Mitte 2018, so der Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Stefan König, sei der „Verkaufsprozess“ gestartet, am 2. Januar 2020 war das sogenannte „Closing“. Das heißt: Alles war in trockenen Tüchern, CVC Capital Partners, ein Finanzunternehmen aus Luxemburg, hatte die Verpackungssparte von Bosch übernommen. Während dieser kritischen Zeit, so König, seien sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Unternehmen treu geblieben. Darauf sei man „stolz“ und im letzten Jahr sogar und trotz des anstehenden Verkaufs noch leicht gewachsen.

Die Firmenzentrale von Syntegon bleibt in Waiblingen. Der Standort werde, so König, sogar noch ausgebaut. Vor allem der Pharmabereich wächst, außerdem soll ein Technologie- und Kundenzentrum hinzukommen, in dem zusammen mit den Kunden Herstellung und Verpackung von Medikamenten entwickelt werden. Alles in allem würden am Standort Waiblingen etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als zuvor bei Bosch Packaging arbeiten. Allerdings: Es sind teilweise andere. Denn im Verpackungswerk wurden in den letzten 1,5 Jahren bislang rund 70 Mitarbeiter entlassen, weitere 70 folgen bis Mitte 2021 noch.

Auch die weiteren Standorte in Deutschland, in Remshalden-Grunbach, in Crailsheim, Diersdorf, Dresden, Frankfurt a. M. und Königsbrunn, sollen nicht verlagert werden. Denn dort, vor Ort, sei das unverzichtbare Know-how, sagte König. Und die Leute zögen nicht um.

Man sei jetzt, so Stefan König, ein „komplett eigenständiges Unternehmen“ und damit „schneller und flexibler“ als noch zu Bosch-Zeiten. Man müsse keine Rücksicht mehr auf den Gesamtkonzern nehmen. Man sei bekannt als „Bauer von hervorragenden Maschinen“, doch die Zukunft liegt auch für Syntegon in der „Nachhaltigkeit“. Dieser Trend sei „richtig stark“, da müsse man „raufspringen“. Und das möglichst kundenfreundlich, was heißt: Bestehende Maschinen sollen umgerüstet werden können und anschließend genauso schnell und ohne höhere Kosten arbeiten.

„Wir erwarten hier Zuwachs“

Novartis, Pfizer, Novo – große Namen in der Pharmabranche – zählen beispielsweise zu den Kunden von Syntegon, im Lebensmittelverpackungsbereich sind es Ferrero, Mars oder Nestlé. Doch vor allem kleinere Kunden wie der Nudelhersteller Albgold seien es, die bereit sind, den Versuch zu starten: Nudeln in einer reinen Papierverpackung ohne Plastikguckfenster? Am Ende entscheidet der Verbraucher, ob die ökologisch bessere Verpackungsvariante zum Erfolg wird. Möglich sind absolut dichte Papierverpackungen oder auch Kunststofffolien, die eben nicht mehr aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt sind, schon längst. Und in diesem Jahr, so König, würden die ersten großen Maschinen, die Papier mit bioabbaubaren Beschichtungen herstellen, in Betrieb gehen. „Wir erwarten hier Zuwachs.“

Am Mittwoch um die Waiblinger Mittagszeit wurden alle über den gesamten Globus verstreuten 6100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter live zusammengeschaltet, um den neuen Namen zu feiern. Im Waiblinger Werk tauchten da noch altgeliebte Bosch-Pullover neben schon zukunftsträchtigen Syntegon-Polos auf. Bei Stefan König, Uwe Harbauer und Clemens Berger, den drei Geschäftsführern, die mit der frohen Botschaft an die Öffentlichkeit gingen, hat sich das neue Sein aber schon bis zu den Zehenspitzen hin ausgebreitet: Sie trugen alle die gleichen Socken – in Syntegon-Grün.

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