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Waiblingen Bürgertreff in Waiblingen

Waiblingen. Um Mut und Zuversicht hat Oberbürgermeister Andreas Hesky bei seiner Neujahrsansprache für die anstehenden Projekte geworben. 2017 werde ein spannendes Jahr, sagte er mit Blick auf Bauvorhaben wie das grüne Hochhaus, das nach der Pleite in Fellbach in die Kritik geraten war. Mehr Begeisterung braucht es nach Ansicht Heskys vor allem aber für die Gartenschau: Ein Projekt, bei dem 16 Kommunen etwas schaffen wollten, was es ohne dieses Miteinander niemals gebe.

Nicht alles und nicht jedes Vorhaben ist im vergangenen Jahr rund gelaufen. Manche Projekte hätten mehr Aufmerksamkeit gebraucht als gedacht. Oft mussten Schleifen gedreht werden, um zumindest einen kleinen Schritt voranzukommen, erinnerte der Oberbürgermeister in seiner Rückschau. Alles in allem könne man indes zufrieden, in manchen Bereichen sogar sehr zufrieden sein, sagte Hesky vor allem mit Blick auf sagenhafte Gewerbesteuereinnahmen von 58 Millionen Euro. Waiblingen könne sich glücklich schätzen, erfolgreiche Unternehmen am Ort zu haben, die in den Standort Waiblingen investieren. Beim Waiblinger Tor habe es sich als richtig erwiesen, dass die Stadt den Weg dafür frei gemacht hat: „Auch Bosch hat so eine neue Perspektive erhalten, und weitere Industriegebietsflächen konnten aktiviert werden.“

Freie Flächen werden mit Feuereifer verteidigt

Beim Bürgertreff vor einem Jahr hatte der Oberbürgermeister angesichts der Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge noch vom „Wunder von Waiblingen“ gesprochen. Die Suche nach Baugrundstücken, wo die Menschen mit Bleiberecht auf Dauer wohnen können, stellte sich dann aber weit schwieriger dar als gedacht. „Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Feuereifer freie Flächen verteidigt werden“, bemerkte Hesky. Die Natur zu schützen, werde rasch angeführt, auf die freie Aussicht gepocht und Verkehrsprobleme an die Wand gemalt, die dadurch entstehen, dass die zu erwartenden neuen Nachbarn durch die Anwohnerstraße rasten.

Dass viele Menschen in Waiblingen leben wollen, ist für den Oberbürgermeister auch eine Folge der vorbildlichen Infrastruktur und Kulturangebote in der Stadt. Einer Stadt im Übrigen, in der auch schon immer viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt worden sei: „Das innerstädtische ÖPNV-Angebot ist umfassend“, betonte Hesky und verwies unter anderem auf LED-Lampen, eine Bürgerphotovoltaikanlage auf dem Rathausdach, Wasserkraftwerke, mit Millionenaufwand sanierte Gebäude und Unterstützung für den Radverkehr. Die Nachfrage nach Wohnraum wertete Hesky auch als Beweis dafür, dass Gemeinderat und Verwaltung ihre Arbeit richtig machten. Dies bedeute aber nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt, sagte er mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz, dessen Umbau zu Heskys Leidwesen erst vor kurzem von einer Mehrheit im Gemeinderat gestoppt wurde.

Hesky: Manche Menschen habe Lust am Dagegensein

Auf Widerstand ist 2016 vor allem die Gartenschau gestoßen. Dass dies auch an einer mangelnden Bürgerbeteiligung gelegen haben könnte, wie Bürger und Teile des Gemeinderats kritisiert hatten, wies Hesky zurück. „Sie dürfen gewiss sein, dass ich die Argumente und Wünsche und Vorstellungen derjenigen, die sich einbrachten, seien es Befürworter oder Gegner von Kunstlichtung, Remskuben und Kanuroute sehr wohl gehört und verinnerlicht habe“, versicherte er. Er frage sich aber, was da passiert sei und warum man den Eindruck gewinnen könne, dass manche Menschen mehr Lust daran gefunden haben, sich gegen etwas zu engagieren, als für etwas. Bürgerbeteiligung sei ihm und dem Gemeinderat durchaus wichtig. Klar sei aber auch, dass die beste Bürgerbeteiligung nicht alle glücklich machen könne. Dennoch seien die Diskussionen früher irgendwann beendet worden. „Heute hingegen gilt es anderenorts fast als schick, weiterhin montagabends auf die Straße zu gehen, um gegen ein Projekt zu protestieren, das in einem Bürgerentscheid von der Mehrheit befürwortet wurde“, klagte er.

Mit der Maßgabe, demokratisch zustande gekommene Entscheidungen zu akzeptieren, sei man im Land und lokal betrachtet früher nicht schlecht gefahren. Dass man sich in der Demokratie manchmal in sein Schicksal fügen muss, wenn man seine Meinung nicht durchsetzen kann, erlebe er bei Abstimmungsniederlagen auch als OB. „Ich käme aber nicht auf den Gedanken, mich dadurch machtlos zu fühlen. Es ist ja nicht so, dass das, was die Mehrheit möchte, falsch wäre oder nur die eigene Meinung die richtige ist.“ Für ihn selbst sei 2016 ein lehrreiches Jahr gewesen, aus dem er gestärkt hervorgehe. Spannend bleibt es nach Ansicht Heskys auch 2017. Gestalt annehmen könnten unter anderem die Pläne für das geplante „Grüne Hochhaus“ auf der Korber Höhe. „Leichtfertig werden wir auch künftig nichts angehen, das wäre fahrlässig“, versprach der OB mit Blick auf die Pleite in Fellbach.

Gerade beim Blick auf die Weltlage suchten die Menschen nach Heimat und Geborgenheit. „Dies alles finden sie in Waiblingen. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam mit Mut, Vertrauen und Leidenschaft daran arbeiten, dass dies so bleibt“, warb Hesky, bevor nochmals die Gartenschau zum Thema wurde und ein Werbefilm über die Leinwand flimmerte.

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