Waiblingen Chinas Küche: Essen, was gesund macht

Yueliang Wang führt das chinesische Restaurant über dem Traumpalast-Kino, solange sein Onkel Heimaturlaub in China macht. Foto: Palmizi/ZVW

Waiblingen. Er ist bekannt in Waiblingen, der „Chinese überm Kino“: Holzverkleidete Tisch-Nischen, ein langes Mittagsbuffet und freundliches Personal erwarten die Besucher – und das seit mehr als 30 Jahren. Einige Speisen wurden an deutsche Essgewohnheiten angepasst, andere sind echte chinesische Spezialitäten. Inhaber Engao Wang setzt auf frisches Essen, das gesund macht.

Essen ist in China mehr als nur Ernährung; es ist die Kunst, Seele und Körper im Gleichgewicht zu halten. Deshalb wird sich beim Kochen, Anrichten und Essen der Speisen viel Zeit genommen. Kräuter und Gewürze werden ebenso klug ausgewählt wie die Grundzutaten, und die Zubereitung, etwa im Wok, schont bekanntermaßen Vitamine und Eigengeschmack. Diesen Grundsätzen der chinesischen Küche hat sich auch Engao Wang, Inhaber des Restaurants „China Palast“ in der Bahnhofstraße, verschrieben. Seit zwei Jahren führt er das Lokal, das 80 Sitzplätze hat, gemeinsam mit sechs Service-Mitarbeitern und zwei Köchen.

Zurzeit ist Engao Wang (58) auf Heimaturlaub in Zhejiang, einer Provinz im Süden Chinas, denn dort lebt ein Großteil seiner Familie. Solange er nicht da ist, hält sein Neffe Yueliang Wang (30) die Stellung im Waiblinger „China Palast“. Der Duft von gebratenem Fleisch, Wokgemüse und verschiedenen Kräutern liegt an diesem Tag in der Luft, denn die Köche haben Yueliangs Lieblingsessen zubereitet: Knusprige Pekingente mit Mandarin-Pfannkuchen. Bei diesem berühmten chinesischem Gericht werden akkurat geschnittene Streifen Lauchzwiebeln, Paprika, Karotten und Gurken mit einem crêpeartigen Weizenpfannkuchen gereicht. Die transparenten Pfannkuchen bestreicht Wang mit einer süßlichen Hoisin-Soße, legt die Gemüsestreifen und zwei Stück knusprige Entenhaut darauf, faltet das Ganze zu einem Päckchen und zirkelt es geschickt zum Mund. „Das geht am besten mit den Fingern, und dann schmeckt es auch ganz wie zu Hause in China“, findet der 30-Jährige.

Oma kocht traditionell chinesisch

Bereits mit 15 Jahren kam Yueliang Wang von China nach Deutschland, besuchte zunächst die Realschule in Nürnberg und lernte dort die deutsche Sprache. Schon neben der Schule half er im Chinarestaurant eines Familienfreundes aus. „Viele Chinesen aus unserer Region sind nach Europa ausgewandert, weil hier die Lebensbedingungen besser sind“, erklärt Wang. Vor zwei Jahren kam der heute 30-Jährige dann nach Waiblingen und führt nun stellvertretend das chinesische Restaurant über dem Traumpalast-Kino. Auch wenn sich Wang hier sehr wohlfühlt, vermisst er doch manchmal seine Heimat China und die Menschen, die er zurückließ. „Wenn ich meine Großeltern besuche, kocht meine Oma traditionelle chinesische Gerichte, die wir in Deutschland nicht zubereiten können, weil es die Zutaten hier nicht gibt“, erzählt Wang.

Fast täglich holen sie Gemüse vom Großmarkt in Stuttgart

Darüber hinaus gibt es regionale Besonderheiten in der Küche Chinas, je nachdem, wo man sich im Land befindet. Wangs Koch, der zehn Jahre Erfahrung mit nach Deutschland brachte, kommt beispielsweise aus Chinas Landesmitte und bereitet die Speisen daher meist etwas würziger zu als anderswo. Neben dem guten Geschmack achten Wang und sein Team außerdem darauf, möglichst frisch und regional einzukaufen. „Wir fahren fast täglich zum Großmarkt nach Stuttgart und kaufen dort unser Gemüse. Das Fleisch holen wir oft bei der Metzgerei Kübler vor Ort“, sagt Wang. Dabei wird darauf geachtet, möglichst so viel Nahrungsmittel einzukaufen, wie am jeweiligen Tag benötigt wird, damit nichts eingelagert oder weggeschmissen werden muss, so der stellvertretende Inhaber.

Besucher aus der ganzen Region

Die Besucher des „China Palasts“ kommen aus Waiblingen und der Region. Viele sind Stammgäste, deren Lieblingsessen Wang und sein Serviceteam schon auswendig kennen. Dass einige Speisen auf der Karte europäisiert sind, gibt der 30-Jährige offen zu: „Wir haben manche Gerichte an die deutschen Essgewohnheiten angepasst, weil wir festgestellt haben, dass sie Europäern so besser schmecken, und weil wir hier andere Zutaten und Kräuter bekommen als in China.“

Ob ein neues Gericht auf die Speisekarte oder mit ans Buffet kommt, das entscheidet im „China Palast“ das gesamte Team. „Unsere Köche kochen neue Rezepte immer mindestens viermal. Dann probieren wir gemeinsam und überlegen, was verbessert werden könnte. Am Ende bieten wir unseren Gästen nur Gerichte an, mit denen alle zufrieden sind“, erzählt Wang. Doch den Chinesen geht es nicht nur um den guten Geschmack – auch gut für Körper und Seele sollen ihre Speisen sein. Deshalb verzichten Wangs Köche größtenteils auf Glutamat und Geschmacksverstärker. Fast Food ist für Wang ein rotes Tuch: „Es geht beim Essen nicht ums schnelle Sattwerden, sondern darum, sich Zeit zu nehmen und in Ruhe zu genießen.“

Öffnungszeiten

Der „China Palast“ befindet sich in der Bahnhofstraße 50 und hat folgende Öffnungszeiten: Montags bis freitags sowie sonntags hat das Restaurant von 11.30 bis 14.30 Uhr und täglich von 17.30 bis 23.30 Uhr geöffnet. Samstags hat das Restaurant nur von 17.30 bis 23.30 Uhr offen.

Montags bis freitags gibt es von 11.30 bis 14 Uhr ein Mittagsmenü mit Vorspeise ab 5,50 Euro. Wer lieber beim „All-you-can-eat“-Buffet zugreift, zahlt dafür 8,10 Euro.

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