Unsere Feuerwehr Das alles steckt im Feuerwehr-Auto

Waiblingen. Sie sind Helden des Alltags. Sie setzen ihre Gesundheit und manchmal sogar ihr Leben ein, um anderen das Leben zu retten: die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr. Was sie im Ehrenamt alles leisten, vom Löscheinsatz bis zum Kampf gegen Hochwasser, zeigen wir in einer neuen Serie am Beispiel der Waiblinger Wehr.

Video: In der Funkleitzentrale der Feuerwehr Waiblingen

Mitten in der Nacht geht der Piepser: Wohnungsbrand. Husch springen die Feuerwehrleute aus ihren Betten, noch im Schlafanzug ins Auto und los zum Feuerwehrhaus. Von den Parkplätzen sofort in die Umkleiden. Jeder hat seinen Doppelspind, einen für Schwarz wie Einsatzkleidung und einen für Weiß wie Privatwäsche. Wertsachen durch einen Schlitz geworfen und sicher verwahrt, in Sekundenschnelle in Hosen und Stiefel geschlüpft, die Jacken angezogen und die Helme aufgesetzt. Schon laufen sie in die Fahrzeughalle, und der Maschinist startet mit Blaulicht und Martinshorn. In der Regel sind vom Alarm bis zum Start drei bis vier Minuten vergangen. Laut Alarm- und Ausrückeordnung muss der erste Trupp zehn Minuten nach Alarm am Einsatzort sein, was in Neustadt gut funktioniert, denn vom neuen Feuerwehrhaus aus erreichen die Fahrzeuge jeden Punkt der Ortschaft in höchstens vier Minuten.

In der Funkzentrale bekommt die Abteilung von der Leitstelle in Waiblingen, die das Geschehen in eine von 32 Kategorien einstuft, nähere Informationen zum Einsatz. So wird klar, was an Technik und Personal benötigt wird. An einem der Monitore können die Neustädter auf einen Blick erkennen, welche Fahrzeuge der Waiblinger Feuerwehr gerade alarmiert, unterwegs oder schon im Einsatz sind.

Sechs Abteilungen arbeiten als eine gemeinsame Feuerwehr

Grundsätzlich werden für jeden Einsatz dreimal so viele Leute alarmiert, wie eigentlich gebraucht werden – um sicherzustellen, dass tatsächlich genügend Personal zur Verfügung steht. Denn eine Garantie, dass alle Alarmierten rechtzeitig ankommen, kann es im Ehrenamt nicht geben. Wer zunächst nicht ran muss, wartet im Bereitstellungsraum, der im Notfall auch als Führungszentrale für Großeinsätze dient. So werden bei einem Fahrzeugbrand neun Leute benötigt, gerufen werden 27. Zwar verfügen die Kernstadt und die fünf Ortschaften je über eigene Abteilungen, doch Gesamt-Kommmandant Jochen Wolf betont: Sowohl vom Selbstverständnis als auch bei der praktischen Arbeit ticken sie als eine Gesamt-Waiblinger Feuerwehr. Brennt’s im kernstädtischen Gewerbegebiet Ameisenbühl, kommen auch die Hegnacher hinzu, zumal sie eine schnelle Anfahrt haben.

Neue Errungenschaft der Waiblinger seit drei Monaten: das Hilfeleistungs-Löschfahrzeug HLF 20. „Unser Allrounder“, meint Jochen Wolf, denn in dem Auto mit neun Mann Besatzung steckt die Ausrüstung für einen Großteil der Feuerwehr-Aufgaben. Die 20 steht für 2000 Liter Tankvolumen und 2000 Liter pro Minute Pumpenleistung. Was nach Adam Riese bedeutet, dass das HLF seinen gesamten Wasservorrat in 60 Sekunden ausspeien kann. Grob gesagt, sind auf der linken Seite des Fahrzeugs die Instrumente verstaut, die im weiteren Sinn zum Bereich Löschen gehören: neben Feuerlöschern und klassischer Kübelspritze für brennenden Papierkörbe zum Beispiel den Tragekorb, mit dem die ersten Männer, die in ein brennendes Haus gehen, den Schlauch mitführen. Ebenso das große Schaumrohr zum Löschen brennender Flüssigkeiten und das Sprungpolster, das im äußersten Notfall von vier Männern positioniert wird. „Ich hab’ es nie im Einsatz erlebt und ich möchte es auch nicht erleben“, sagt Thomas Zuber, Fachgruppenleiter Technik. Vier Sprungtücher wie früher hat die Feuerwehr nicht mehr, zu groß war dabei die Unfallgefahr – auch für die Helfer. Auf der rechten Fahrzeugseite lagert eine gewaltige Schere mit einer Schnittkraft von 50 Tonnen und der Spreizer mit 33 Tonnen zum Öffnen von Unfallautos. „Es ist im Prinzip so, als würden wir eine zerknüllte Coladose wieder auseinanderziehen.“ Auch einen Stromgenerator und LED-Scheinwerfer zum Ausleuchten nächtlicher Einsatzorte führt die Freiwillige Feuerwehr im HLF 20 mit sich.

Das Feuerwehrhaus

Im April wurde das neue Neustädter Feuerwehrhaus, das rund 3,3 Millionen Euro gekostet hat, eingeweiht. Mit dem Umzug vom Unterdorf neben das Stadion hat die örtliche Abteilung einen mächtigen Innovationssprung gemacht, von dem die gesamte Feuerwehr Waiblingen profitiert.

Das Gebäude ist für bis zu 120 Einsatzkräfte konzipiert, denn vom nächsten Jahr an werden hier auch Angehörige auswärtiger Feuerwehren integriert, die bei der benachbarten Firma Stihl arbeiten.

Im ersten Obergeschoss befinden sich ein großer Schulungsraum mit der nötigen Technik für Fortbildungs-Videos sowie ein Raum für den Feuerwehr-Nachwuchs, in dem ein Tischkicker und ein Billardtisch stehen wie in einem Jugendhaus.

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