Waiblingen Das erste klimaneutrale Wohngebiet

Von links Stadtwerke-Chef Frank Schöller, Baubürgermeisterin Birgit Priebe, Klaus-Martin Pfleiderer und Stadtwerke-Vizechef Manfred Reister Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Die Baugrube ist bereits ausgehoben: An der Ecke Schorndorfer Straße / Im Hohen Rain entsteht derzeit das erste CO2-neutrale Wohngebiet in Waiblingen. Frank Schöller, Geschäftsführer der Stadtwerke Waiblingen, und Klaus-Martin Pfleiderer, Geschäftsführer von Projektbau Pfleiderer, haben an diesem Mittwoch die Verträge dafür unterzeichnet. Für beide ist die Kooperation Neuland.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Projektbau Pfleiderer und den Stadtwerken möglich war, bezeichneten beide Partner als einen glücklichen Zufall. Denn nur aufgrund der räumlichen Nähe zwischen den Stadtwerken und dem neuen Baugebiet ist die Kooperation für ein klimaneutrales Wohngebiet überhaupt realisierbar.

„Ermöglicht wird diese CO2-Neutralität unter anderem durch die Fotovoltaik sowie die energietechnische Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Waiblingen – eine sehr gute Planungsleistung, auf die unsere Projektentwickler zurecht stolz sein können“, so Klaus-Martin Pfleiderer.

Fotovoltaik auf allen Dächern und Wärme aus der Energiezentrale

Im Rahmen der Zusammenarbeit wird die Energiezentrale bei der Verwaltung der Stadtwerke aufgerüstet. „Der CO2-Ausstoß bei der Wärmeerzeugung wird damit drastisch reduziert“, sagte Stadtwerke-Chef Frank Schöller. Zusammen mit der Fotovoltaik, die auf allen Dächern im Hohen Rain zum Tragen kommt, und den sonstigen baulichen Maßnahmen wie eine effektive Dämmung könnten so die Vorgaben der Stadt für CO2-neutrales Bauen gewährleistet werden.

Die Energiezentrale bei den Stadtwerken Waiblingen versorgt in Zukunft nicht nur die neuen Wohnhäuser im Hohen Rain. Bereits jetzt sorgt diese Heizzentrale für Wärme im Verwaltungsgebäude und liefert diese Wärme auch an das bereits bestehende Wohngebiet an der Rems. Durch die Erweiterung der Energiezentrale werden nach Angaben Schöllers jährlich zusätzlich weitere 60 Tonnen CO2 in den bestehenden Gebäuden der Nachbarschaft eingespart.

Konzept für die Betankung von Elektrofahrzeugen

Rund zweieinhalb Jahre haben die Planungen für das Pilotprojekt gedauert. Neben dem hohen Wirkungsgrad der Fernwärme müssen die Gebäude effektiv gedämmt werden und alle Dächer mit besonders hochwertigen Fotovoltaikanlagen ausgestattet werden: „Sonst“, sagt Baubürgermeisterin Birgit Priebe, „hätte man dieses Ziel nicht erreicht.“

Die Schwierigkeiten in einem Baugebiet mit Mehrfamilienhäusern wie im Hohen Rain seien deutlich größer als in einem Baugebiet mit vielen Einfamilien- und Doppelhäusern: Aufgrund der im Verhältnis zum Energieverbrauch geringen Dachfläche sei die Planung eine besondere Herausforderung gewesen.

Neben der Versorgung mit Strom und Wasser realisieren die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit den Planern von Pfleiderer Projektbau ein Konzept für die Betankung von Elektrofahrzeugen. Damit hätten die neuen Bewohner die Gewissheit, ihre Fahrzeuge zuverlässig aufladen zu können.

Wie berichtet, baut Projektbau Pfleiderer in der Schorndorfer Straße 86 auf dem ehemaligen Areal von VW Hahn fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 59 barrierefreien Wohnungen mit Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen. Ein Teil wird kostengünstiger Wohnungsbau. Diese Wohnungen werden von der Kreisbau gebaut. Bis zu ihrem Umzug nach Endersbach im Jahr 2014 war auf dem Areal die Firma Hahn Automobile untergebracht.


Auch Berg-Bürg wird klimaneutral

Auch das Bittenfelder Baugebiet Berg-Bürg wird ein klimaneutrales Wohngebiet. Der Strom, der im Haushalt verbraucht wird, soll zu 100 Prozent über Solarstrom entstehen. Das ehrgeizige Ziel hat Auswirkungen auf die Architektur: Für den maximalen Ertrag der Solarenergie sind in Bittenfeld Flach- oder flach geneigte Satteldächer mit Ost-/West-Ausrichtung geplant.

Unabhängig von den Heizungsvarianten Gas und Solar, Pelletkessel, Wärmepumpe, Blockheizkraft und Wärmerückgewinnung lässt sich laut Thomas Heydenbluth vom Steinbeis-Transferzentrum mit Fotovoltaikanlagen verschiedener Größen die CO2-Neutralität erreichen.

Für welches System sie sich entscheiden, steht den Bittenfelder Bauherrn frei. „Strom und Wärme, die verbraucht werden, werden zum großen Teil durch Fotovoltaik ausgeglichen“, so Heydenbluth

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