Waiblingen Der jähe Abgang von Bernd Fickler

, aktualisiert am 26.04.2019 - 16:09 Uhr
Die Kreissparkasse in Waiblingen. Foto: Zürn / ZVW (Archiv)

Waiblingen. Warum hat die Kreissparkasse sich vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Fickler getrennt – und warum derart zügig, so entschlossen, von jetzt auf gleich? „Die Gründe waren durchaus gravierend“, sagt Stephan Schorn, Pressesprecher des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg.

Am Ende ging alles sehr schnell: Am Vormittag tagte der Verwaltungsrat der Kreissparkasse, am Mittag war Bernd Fickler nicht mehr Vorstandsvorsitzender. Der Beschluss des Gremiums sei einstimmig gefallen, heißt es aus zuverlässigen Quellen: „vorzeitige“ Beendigung der Zusammenarbeit im „gegenseitigen Einvernehmen“.

Eine derart abrupte Scheidung „ist äußerst selten in der Sparkassen-Organisation“, sagt Ficklers Vorgänger Albert Häberle. Er hat zwar keinen Einblick in die Interna des konkreten Falles, kann aber Grundsätzliches gut einordnen: Wenn es Probleme oder Unzufriedenheiten mit einer Führungskraft gebe, werde derlei bei Sparkassen in der Regel geräuschlos erledigt, um öffentliche Irritationen, Unruhe in der Belegschaft, verstörte Nachfragen von Kunden zu vermeiden. Klassische Strategie: Der Verwaltungsrat signalisiert dem Manager, er müsse sich ändern, sonst werde sein Vertrag nicht verlängert.

Dem Verwaltungsrat schien die sofortige Scheidung angeraten

Ficklers Fünf-Jahres-Kontrakt als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse aber wäre im Laufe des Jahres 2017 sowieso ausgelaufen – es hätte vorderhand also nahe gelegen, einfach die paar Monate abzuwarten. In diesem Falle indes fand offenbar der gesamte Verwaltungsrat, dass die sofortige Scheidung angeraten sei.

Die Sitzung, in der die Würfel fielen, war offenbar präzise strategisch vorbereitet. Seit November, so heißt es, sei eine „Sonderprüfung“ der Sparkassenaufsicht gelaufen, die „der Landrat veranlasst“ habe. Zum entscheidenden Treffen waren nicht nur die elf im Verwaltungsrat sitzenden Kreisräte eingeladen; auch Vertreter des Regierungspräsidiums und des Sparkassenverbandes nahmen teil. Sie hätten ihre Prüfungsergebnisse vorgelegt – Fickler habe „dem, was ihm die Prüfer vorgehalten haben, nicht widersprochen“ – und danach vier alternative Handlungsempfehlungen zur Debatte gestellt. Die mildeste sei eine Abmahnung gewesen. Im Gremium habe Einmütigkeit bestanden, dass es damit nicht getan sein könne.

Zu Verschwiegenheit verpflichtet

Was genau aber steht da im Raum? Landrat Richard Sigel ist der Verwaltungsratsvorsitzende. Er bittet um Verständnis, dass er keine Details preisgeben werde, beide Seiten hätten sich „zu Verschwiegenheit verpflichtet“, und das sei auch richtig so, „mit Blick auf die Person und die Familie, die dahintersteht“.

Etwas mehr verrät der Pressesprecher des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg: Die Gründe für die abrupte Trennung „waren durchaus gravierend“, sagt Stephan Schorn und bestätigt, dass sich die Sparkassenaufsicht mit dem Fall befasst habe. Eingeschaltet war oder ist möglicherweise auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – Schorn jedenfalls gibt den Tipp, doch mal in Bonn anzurufen. Das Telefonat ist allerdings unergiebig: Oliver Struck, Leiter der Pressestelle dort, will weder etwas bestätigen noch dementieren.

Quellen berichten von mondänem Lebenswandel

Mehr gibt es nicht von offizieller Seite. Mehrere Quellen berichten allerdings, Fickler habe einen „mondänen Lebenswandel“ gepflegt, der sich auch in der Spesenkasse der Bank spürbar niedergeschlagen habe. Von „Selbstbedienungsmentalität“ ist die Rede: Fickler habe sich zum Urlaub nach Sylt vom Dienstchauffeur fahren lassen. Auch teure Geschäftsessen habe es gegeben – und dabei mache es eben einen Unterschied, ob man bei einem guten Bank-Kunden im Remstal einkehre oder „ins Elsass“ gehe. Ein repräsentativer Beratungsraum im obersten Stock mit Rundumverglasung und herrlichem Blick auf Waiblingen sei zum Vorstandsvorsitzenden-Büro umgewidmet und mit einem „Glasschreibtisch aus Spanien“ ausgestattet worden.

„Der Mann klingt vernünftig“, hatten wir Anfang 2012 geschrieben, bei seiner Vorstellung als Vorstandsvorsitzender der KSK Waiblingen. Er sei weit gereist, wisse aber auch, woher er komme. Fickler ist ein Produkt nicht zuletzt dieses Hauses. Er hat in Waiblingen gelernt, ist in Kernen aufgewachsen. Danach ging er in den deutschen Osten. Es folgte ein Zwischenspiel im Hessischen. Nach seiner Rückkehr an die Rems versprach der neue Chef unter anderem, er werde für Arbeitsstrukturen sorgen, in denen die Beschäftigten nicht das Gefühl haben, ihre Kreativität werde abgetötet. Es solle künftig möglich sein, dass „Themen von unten nach oben getragen werden“. Da gebe es in der hierarchischen Sparkassenwelt noch Luft nach oben.

Fickler verordnete dem Haus ständigen Umbau

Meldungen aus dem Haus klangen zwischenzeitlich auch erfolgversprechend. Fickler schuf eine neue Vorstandsstelle, nicht um den Apparat aufzublähen, sondern um der zunehmenden Schwierigkeit des Geschäfts Rechnung zu tragen: Ines Dietze ist nicht nur die erste Frau im Vorstand, sondern soll sich speziell um das Privatkundengeschäft kümmern. Der Niedrigzins, die Bedrohung durch Online-Banken – Gründe, umzubauen, gibt es viele. Als im Oktober 2016 neu geschaffene Beratungsstellen vorgestellt wurden, sprach Fickler davon, dass in der Branche heutzutage auf Sicht gefahren werden müsse. „Wir sind zu einer lernenden Organisation geworden.“ In der Öffentlichkeit trat er immer bescheiden auf. Reden halten sollten andere, zum Beispiel bei Repräsentationsanlässen. Und wenn er selber sprach, dann las er nur Abgesichertes vom Blatt.

Allerdings wissen Insider auch vom Rumoren im Innern der fünftgrößten Sparkasse Baden-Württembergs. Der Neue muss den Umbau massiv vorangetrieben haben und drängte offenbar darauf, die Führungsmannschaft zu verschlanken. Das hat ihm sicherlich nicht nur Freunde eingebracht.

Geschäftsergebnisse stimmten

An den Zahlen, die Fickler regelmäßig vorlegte, kann es nicht gelegen haben, dass seine Amtszeit nach kaum fünf Jahren jäh geendet ist. Zum ersten Geschäftshalbjahr 2016 war von „starken Impulsen im Privatkundenbereich die Rede“, einer Steigerung der Ausleihungen um 2,1 Prozent – nicht gering in einem wahrlich schwieriger gewordenen Umfeld. Auch wird gerne mit der Kreissparkasse gebaut hier im Kreis. Der Immobilienbereich bildet mehr und mehr ein zweites Standbein der Banken. Rein durch Fluktuation hat sich die Anzahl der Mitarbeiter leicht verringert. „Unser Ergebnis für 2016 wird zufriedenstellend sein“, versprach Fickler. Im Schwabenland heißt das noch immer: Es wird gut verdient.

Letztlich, bestätigt ein Sitzungsteilnehmer, sei es bei der Trennung weniger „ums Materielle“ gegangen als „ums Prinzip“: Rein „banktechnisch“ habe Fickler „seine Arbeit gemacht“. Nur: Ein Chef müsse „wissen, was er darf und was nicht“ – hätte der Verwaltungsrat nun nicht die Konsequenz gezogen, „wäre das ein verheerendes Signal an die Belegschaft gewesen“. Manches „geht einfach nicht. No-go. Aus, fertig, Ende. Basta.“

Nicht kopflos

Die Kreissparkasse Waiblingen ist mit dem Abgang von Bernd Fickler nicht führungslos. Den Vorstand jetzt bilden Lothar Kümmerle, Ralph WaIter (die beide einst ihre Ausbildung bei der Kreissparkasse Waiblingen gemacht haben) und Ines Dietze, die 2015 von der Braunschweigischen Landessparkasse neu hinzukam.


Hinweis der Redaktion: Mittlerweile wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bernd Fickler gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldauflage eingestellt. 


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