Waiblingen Deutschlands bester Messermacher

Alexander Becker hat einen Preis im Rahmen seiner Ausbildung bei Giesser Messer in Winnenden gewonnen. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Was macht das perfekte Messer aus? Die Schärfe, die Handhabung und die Lebensdauer, sagt Alexander Becker aus Waiblingen. Der 26-jährige weiß genau, worauf es ankommt – denn er ist Deutschlands bester Messermacher.

Video:Alexander Becker zeigt, auf was es beim Messer schleifen ankommt.

Es surrt und brummt in der kleinen Werkstatt. In drei Metallkäfigen bewegen sich orangene Roboter langsam und gleichmäßig, schleifen Griffe, polieren sie, schärfen Klingen. Gegenüber befinden sich die Handarbeitsplätze. Dort wird kontrolliert, nachpoliert und falls nötig nachgebessert. 500 bis 600 Messer durchlaufen die Messermanufaktur der Firma Giesser in Winnenden wöchentlich. Es ist der Arbeitsplatz von Alexander Becker, dem bundesbesten Messermacher.

Der Waiblinger hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker bei der Firma Giesser in Winnenden abgeschlossen – als bester Prüfling der Fachrichtung Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik in ganz Deutschland. Gerechnet hatte Becker mit diesem Erfolg nicht: „Ich wollte eigentlich nur die Prüfung gut abschließen“, sagt er. Und zunächst sah es auch gar nicht danach aus, als wäre Becker Bundesbester. Zwar wurde er in Stuttgart als Kammersieger geehrt, bei der Ehrung der Landesbesten aber zunächst vergessen. Die zuständige Stelle hatte die Fachrichtungen vertauscht. Umso größer war die Überraschung, als die Nachricht kam, dass Becker nicht nur landes- sondern sogar bundesbester Azubi seines Jahrgangs war. „Ich habe es erst gar nicht glauben können“, erinnert er sich.

In seinem alten Beruf fühlte Becker sich unterfordert

Becker ist 26 Jahre alt. Als Dreijähriger ist er mit seinen Eltern aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Seit 15 Jahren wohnt er in Waiblingen. Schneidwerkzeugmechaniker ist bereits sein zweiter Beruf, zuvor hatte er bereits eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Heizungstechnik gemacht. Wieso der Wechsel? „Ich habe mich unterfordert gefühlt“, sagt Becker. Und dann sollte es kein Beruf sein, den jeder macht. Zufällig sei er auf die Firma Giesser gestoßen, habe dort einen Praktikumsplatz bekommen – und später eine Ausbildungsstelle.

Messermachen ist wie Modellbau: Detailarbeit

Was aber macht ein Schneidwerkzeugmechaniker genau? „In der Ausbildung lernen wir zunächst mal, ein Messer in Handarbeit zu machen“, erklärt Becker. Aus einem Stahlrohling wird eine Klinge geschliffen, aus Holz ein passender Griff und dieser dann mit der Klinge vernietet. Für sein erstes Messer habe er mehr als eine Woche gebraucht, entsinnt sich der junge Mann. Heute geht das schneller, dennoch: Hier ein bisschen feilen, da ein bisschen schleifen – es ist viel Kleinarbeit, bis an einem Messer wirklich alles passt. „Man muss mit dem Kopf voll dabei sein und in kleinen Schritten arbeiten“, erläutert Becker, der in seiner Freizeit gerne Modelle von Flugzeugen oder Schiffen baut. Ein Hobby, das sehr gut zu seinem Beruf passe, wie er sagt. Denn im Modellbau wie beim Messermachen sei es so: „Wenn man an einer Stelle zu viel wegnimmt, kann es sein, dass man ganz von vorne anfangen muss.“

Dieses logische Denken und die Detailarbeit seien es aber auch, was die Faszination an dem Beruf ausmache, schwärmt der Messermacher. Und er könne immer neue Varianten entwickeln, so wie das Barbecue-Messer, das er entworfen hat. „Wir hatten für den Fernsehkoch Ralf Jakumeit ein Messer entwickelt und ich hatte die Idee, noch ein kleineres derselben Art zu machen“, erzählt Becker. Das kam so gut an, dass es in Serienproduktion ging.

Die Maschine kann den Menschen nicht ersetzen

Den Beruf wechseln will er nun nicht mehr, sich weiterbilden schon. „Ich kann mir gut vorstellen, noch in Richtung Meister oder Techniker zu gehen“, sagt Becker. Erst mal möchte er aber Berufserfahrung sammeln. Und das kann er bei seinem derzeitigen Arbeitgeber: Er ist dort inzwischen unbefristet angestellt. „Es ist ein absolut vielseitiger Beruf“, betont Becker. Zwar übernehmen Roboter auch in der Manufaktur den Hauptteil der Produktion, aber: „Ich muss wissen, welche Bewegungen nötig sind“, sagt der Mechaniker. „Nur so kann ich den Roboter richtig programmieren.“ Deshalb wird jedes Messer einmal von Hand gebaut, bevor es in Produktion gehen kann. Und auch zwischen den Arbeitsschritten kontrollieren die Mitarbeiter jedes Messer persönlich. Ganz ersetzen können die Maschinen das menschliche Auge nämlich nicht.

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