Unserer Feuerwehr Die Feuerwehr kämpft gegen Unwetter

Waiblingen.
Wenn eins der heftigsten Unwetter der letzten Jahre das Altstadtfest trifft, wenn Orkan Niklas Dächer abdeckt und Bäume umstürzt, wenn die Rems über die Ufer zu treten droht, dann sind die Ehrenamtlichen von der Freiwilligen Feuerwehr gefragt. Und manchmal müssen sie sogar ran, um aushilfsweise Kühe zu melken.

Der Schock vom Altstadtfest 2012 saß vielen Waiblingern noch lange in den Knochen. Mit Orkanstärke fuhr der Sturm mitten durch die mit Menschen vollgestopfte Innenstadt, zerfetzte Feststände, hob Dachziegel an und knickte unzählige Bäume im gesamten Stadtgebiet um. Es gab Verletzte, aber mit Blick auf die damalige Gefahrenlage sagt Feuerwehr-Kommandant Jochen Wolf: „Es grenzt an ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist.“ Zu 250 Einsätzen wurde die Feuerwehr gerufen. In Arbeitsteilung mit dem städtischen Betriebshof kümmerte sie sich fünf Tage lang um die Beseitigung der Schäden, vor allem ums Aufräumen gefährlich gebrochener Äste.

Während des Orkans Niklas brach auch noch ein Großbrand aus

Bei solchen Flächenlagen, wenn bis zu 50 oder 60 Leute gleichzeitig bei der Einsatzleitstelle anrufen, muss die Feuerwehr Prioritäten setzen und alles nach Wichtigkeit abarbeiten. Zuerst kommt die Rettung von Menschenleben. Wenn wie beim Altstadtfest 2012 viele Einsätze gleichzeitig drängen, können sich die Wartezeiten verlängern. Bis die Feuerwehr zum Auspumpen eines Kellers eintrifft, kann es in solchen Extremfällen schon zwei Stunden dauern, wobei der Kommandant versichert: „Wir geben unser Bestes.“ Wenn Nachbarorte nicht selbst betroffen sind, wird von dort Verstärkung angefordert, so kamen beim Altstadtfest-Unwetter Kameraden aus Korb und Weinstadt zu Hilfe, beim Sturm Niklas die Fellbacher mit einer zweiten Drehleiter. Denn just während des Orkans brannte im Gewerbegebiet Eisental auch noch ein Dachdeckerbetrieb, was mit dem Unwetter nichts zu tun hatte. Damals am 30. März 2013 hatten die Einsatzkräfte mehrere entwurzelte Bäume zu beseitigen, in der Beinsteiner Straße war einer gar auf ein Hausdach gestürzt – und in der Schorndorfer Straße riss Niklas die Blechverkleidung von einem Dach. Die in stürmischer Höhe arbeitenden Kameraden waren mit Seilen gesichert – abteilungsübergreifend haben die Waiblinger dafür die Fachgruppe Absturzsicherung, die vor einigen Wochen in der Grube der Hotelbaustelle Fronackerstraße spektakulär übte.

Hochwasserschutz-Bauten zeigen Wirkung

So gut die Kooperation der Feuerwehren im Rems-Murr-Kreis klappt, helfen sie notfalls auch im Partnerlandkreis Meißen, wo sie 2013 unzählige Keller leer pumpten. Wie gefährlich Hochwasser auch an der meist so beschaulich wirkenden Rems werden kann, wurde im Mai 2016 auf tragische Weise deutlich, als in Schwäbisch Gmünd ein Feuerwehrmann bei Rettungsmaßnahmen sein Leben verlor. Die Waiblinger blieben dieses Jahr von Hochwasser verschont. „Die Schutzmaßnahmen greifen“, konstatiert Jochen Wolf. Darauf allein kann sich die Feuerwehr natürlich nicht verlassen. Für den Ernstfall hält sie die passende Ausrüstung bereit: Wassersauger, Tauchpumpen und Schmutzwasserpumpen, Letztere mit einer Förderleistung bis zu 2300 Liter pro Minute. Bei der Feuerwehr ist eine Sandsackabfüllmaschine für den gesamten Rems-Murr-Kreis stationiert, mit der bei voller personeller Besetzung von zwölf Mann 600 Säcke pro Stunde einsatzbereit gemacht werden können. 10 000 leere Säcke haben die Korber im Vorrat.

Als eine Art Umwelt-Abteilung der Feuerwehr fungieren die Beinsteiner. Mit Doppelkammer-Schläuchen halten sie kontaminiertes Löschwasser zurück, bevor es die Gewässer verunreinigt. Bei Hochwasser oder Wasserrohrbrüchen kommt es vor, dass Öltanks in Kellern aufschwimmen und leck gehen. Der „Ölsanimat“-Anhänger mit Schneckenexzenterpumpe und vier Ölabscheiderkammern kann Öl-Wasser-Gemisch so weit reinigen, dass das Wasser wieder in Gewässer geleitet werden kann.

Die aktuell vieldiskutierten Zivilschutz-Richtlinien sind auch bei der Feuerwehr Gesprächsthema. Ein langer, flächendeckender Stromausfall hätte weitreichende Folgen. „Wir sind völlig abhängig vom Strom“, sagt Jochen Wolf und meint damit weniger die Feuerwehr, die über Notstromaggregate verfügt. Der Roman „Blackout“ führt auf bedrohliche Art vor, wie schon nach wenigen Tagen Chaos ausbrechen könnte. Wahrscheinlich fällt unter Folgen eines Stromausfalls den wenigsten sofort die Milchviehwirtschaft ein. Doch tatsächlich musste die Feuerwehr, als in Kleinhegnach eine Melkanlage ausfiel, aushilfsweise ran an die Melkschemel und Euter.
 


Wetterwarnungen

Eine Empfehlung der Feuerwehr: Über Wetterlage und Unwetterwarnungen informieren sich die Einsatzkräfte über die kostenlose Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes. Außer Niederschlagsradar und Warnungen vor Gewitter, Schnee oder Glätte sehen die Nutzer außerdem Blitzdaten und prognostizierte Zugbahnen von Gewitterzellen.

Exakte Vorhersagen, wo sich ein Gewitter mit voller Wucht entladen wird, sind schwierig, weil die Gewitterzellen oft recht klein sind. Unter Umständen entlädt sich eine wie 2012 genau über dem Altstadtfest, und schon wenige Kilometer weiter bekommen die Bewohner der Nachbarorte nichts Dramatisches mit.

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