Waiblingen Die Projekte und Herausforderungen des Baubürgermeisters

Der Waiblinger Baubürgermeister Dieter Schienmann. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Seine Wahl zum Baubürgermeister war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch ein Jahr später sitzt er in Waiblingen fest im Sattel: Ruhig und gelassen managt Dieter Schienmann sein Amt als Baubürgermeister weitgehend im Einvernehmen mit allen Fraktionen. Letzteres hätte angesichts der langen Suche nach einem neuen Baubürgermeister für Waiblingen wohl kaum einer für möglich gehalten.

Am 2. Januar 2019 hatte der ehemalige Remshaldener Beigeordnete und Nachfolger von Birgit Priebe nach einem auch für ihn persönlich turbulenten Jahr an seinem neuen Schreibtisch im Bauamt Platz genommen. Zwei Wahlkämpfe hatte er hinter sich gebracht, einen verlorenen um den Bürgermeistersessel in Urbach, einen gewonnenen um die Stelle des Baubürgermeisters in Waiblingen.

Ein Jahr später ist es offensichtlich: Dieter Schienmann ist angekommen. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt der 56-Jährige. Seinen Gemeinderatsausschuss für Planung, Technik und Umwelt leitet er freundlich und verbindlich, ist im Zweifelsfall aber auch nicht um klare Worte verlegen. Die Tür zu seinem Büro steht für seine Mitarbeiter offen, im Team mit Oberbürgermeister Andreas Hesky und Erster Bürgermeisterin Christiane Dürr schätzt er dort den guten und offenen Umgangston: „Es wird nicht taktiert“, stellt er fest. Mit ein Grund, warum er sich in Waiblingen so wohl fühle: „Offenheit ist für mich die Voraussetzung, gut zu arbeiten.“

Drei Projekte für die IBA stehen auf der Agenda

Seine eigenen Duftmarken zu setzen, dazu wird Dieter Schienmann in diesem Jahr viele Gelegenheiten haben. Bei der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) will Waiblingen mit drei Arealen an den Start gehen. Mit dem Hochhausgrundstück auf der Korber Höhe, auf dem das „Grüne Hochhaus“ geplant war. Mit dem Areal um den Bahnhof samt umliegenden Wohnungen und Hotel. Und mit der Badstraße, in der sich heute einfachste renovierungsbedürftige Sozialwohnungen befinden. Bei allen drei Projekten sind die Meinung und Anregungen der Bürger gefragt. „Für die Korber Höhe wollen wir einen Investorenwettbewerb ausloben und vorher fragen, was die Bevölkerung will“, kündigt der Baubürgermeister an. Termin ist Ende April, Anfang Mai. Dort, wo einst ein bepflanztes Öko-Luxus-Hochhaus geplant war, stellt er sich „gemischte Strukturen“ vor. Das Thema seniorengerechtes Wohnen, bei den Etatberatungen jüngst von der SPD und der FDP ins Spiel gebracht werde dort einen Schwerpunkt bekommen.

„Das Thema liegt auf der Hand“, findet Schienmann. Die Korber Höhe gebe es seit 45 Jahren. Viele Bewohner der ersten Stunde sind nun in die Jahre gekommen, wollen dort aber wohnen bleiben. Im Herbst folgt die Bürgerbeteiligung zum zweiten IBA-Projekt, zur Umgestaltung des Bahnhofs und Bahnhofsumfelds. Dort gebe es eine große Zahl von Nutzern, deren Meinung abgeholt werden müsse. „Auch die Anbindung zwischen der Stadt und dem Bahnhof muss dringend angegangen werden.“

Bauland in allen Ortschaften

Es bleibt also spannend in Waiblingen. Auch weil die großen Herausforderungen Wohnraumknappheit, Verkehr und Klimaschutz weiter unter den Nägeln brennen. Der vom Gemeinderat lang geforderte Flächensuchlauf für neues Bauland wird derzeit abgeschlossen. Weniger in der Kernstadt, aber in allen Ortschaften sind Schienmann zufolge Grundstücke gefunden worden. „Überall wenige und alle mit großen ökologischen Ausgleichmaßnahmen verbunden“, schränkt der Baubürgermeister ein, wohl wissend um das Dilemma im Stuttgarter Speckgürtel: „Viele Menschen suchen Wohnraum, aber mit 1350 Einwohnern pro Quadratmeter leben wir bereits in einem sehr dicht besiedelten Gebiet.“

Wiesen würden aus ökologischen Gründen gar nicht mehr untersucht. Aber auch wenn Äcker bebaut werden, werde Fläche versiegelt und zusätzlich fehlten sie der Landwirtschaft. „Wir müssen reagieren“, weiß Dieter Schienmann gleichwohl. Nicht überall im Kreis sei der Druck so groß wie in Waiblingen. Dort aber müssten die Menschen zu ihren Arbeitsplätzen pendeln. Eine Antwort wären für Schienmann Arbeitsplätze zu Hause, so dass die Menschen wenigstens nicht täglich weite Strecken zurücklegen müssen.

Besserer ÖPNV als Antwort auf den Klimawandel

Denn auch die Verkehrsprobleme müssen bewältigt werden, damit die Städte nicht im Kollaps versinken. Eine Antwort auf den Klimawandel ist für Schienmann der deutlich verbesserte ÖPNV, der die Menschen zum Umsteigen bewegen soll. Jeder könne persönlich reagieren. „Ich bin aber ein Freund guter Angebote statt Regulierung“, sagt er. Er selbst will wegen seiner Termine auch in Zukunft nicht auf den Bus umsteigen, sich aber ein E-Bike kaufen und damit von Stetten zur Arbeit fahren.

E-Bikes, Elektrobusse und Elektro-Autos statt Diesel: Sauberer wird die (lokale) Luft dadurch schon. „Dies ist aber nicht die Antwort auf die gesamten Herausforderungen“, sagt Dieter Schienmann mit Blick auf die Herstellung der Akkus und deren ungeklärte Entsorgung. Zur Stromerzeugung müsse die Fotovoltaik ausgebaut werden. Dass er sich heute mit überörtlichen Aufgaben wie dem Verkehr befasst und Themen wie die Wasserstoffgewinnung auf dem Daimler-Areal bei ihm zusammenlaufen, ist für ihn übrigens der prägnanteste Unterschied zu seinem früheren Job als Beigeordneter in Remshalden. „Man kann über innovative Projekte nachdenken“, sagt er. „Das macht unglaublich Spaß.“

  • Bewertung
    4
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!