Waiblingen. Die S-Bahnen fahren ab Sonntag an Wochenenden und an Feiertagen die Nacht durch. Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember erfolgt auch der Startschuss für die neue S 4 von Backnang nach Marbach. Dem Ring Politischer Jugend gehen die Veränderungen nicht weit genug. Für viele Nachtschwärmer waren die Nachtbusse komfortabler.

Das Konzept der Nachtbusse und Ruftaxis im Rems-Murr-Kreis ist beim Verband Region Stuttgart auf Kritik gestoßen. Die Region hätte sich noch mehr Service für die Fahrgäste gewünscht, wenn sie die S-Bahnen verlassen. Beispielsweise hinter Schorndorf geht künftig nichts mehr. Fuhr der Nachtbus bisher noch bis Plüderhausen, so ist für Nachtschwärmer künftig am Bahnhof Schorndorf Endstation. Schorndorf und die Nachbargemeinden wollten sich weder den Luxus von Ruftaxis noch den von Nachtbussen leisten.

Nur im Raum Backnang fahren Nachtbusse sowie von Waiblingen nach Kernen-Stetten. Die halten jedoch nicht in Großheppach und Endersbach, weil die Stadt Weinstadt geizte und auf die Ruftaxis verweist. Wie berichtet, hat sich Landrat Johannes Fuchs gegen diese Kritik verwahrt. Die Nachtverkehre kämen dem Kreis sowieso schon teuer genug und im Übrigen gehe es vielen in der Region nur darum, auf diesem Weg sich hinters Steuer der Busse klemmen zu wollen. Für diesen Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs sind bisher noch die Landräte zuständig.

Die wichtigen Änderungen bei Bussen und Bahnen auf einen Blick:

Ab Fahrplanwechsel werden die bisherigen Nachtbus-Linien N20 (Stuttgart Schlossplatz–Waiblingen–Plüderhausen), N30 (Schlossplatz–Waiblingen–Backnang) und N31 (Schlossplatz–Waiblingen–Korb) durch die neuen Nacht-Fahrten der S-Bahn-Linien S2 (Filderstadt–Stuttgart–Schorndorf) und S3 (Backnang–Stuttgart–Flughafen) ersetzt.

Zwei neue Nachtbus-Linien werden eingerichtet: Die OVR-Linie N30 führt von Backnang über Erbstetten, Burgstall, Kirchberg, Aspach zurück nach Backnang. In Kirchberg können Fahrgäste zur RBS-Linie N40 nach Marbach umsteigen. Die Linie N31 verbindet Waiblingen mit Korb, Kleinheppach, Beinstein, Kernen-Stetten und Rommelshausen.

Das Nachttaxi-Angebot wird ausgebaut. Folgende Nachttaxis im Anschluss an die Nacht-S-Bahnen werden angeboten:

Ab Waiblingen in die Waiblinger Ortsteile, ab Endersbach in die Weinstädter Ortsteile, ab Backnang über Allmersbach, Althütte, Auenwald und Weissach, ab Backnang über Oppenweiler und Sulzbach nach Murrhardt. Wer mit einem Nachttaxi fahren will, muss sich je nach Nachttaxi 30 bis 60 Minuten vorher anmelden. In der Regel fällt für die Fahrt ein Komfort-Zuschlag von 1,50 Euro an.

Die Nachtbusse und Nachttaxis im Rems-Murr-Kreis fahren in den Nächten vor Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen. Zum ersten Mal sind sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember unterwegs. Der VVS hat alle Infos zum neuen Nachtnetz in einem Flyer zusammengefasst, der in Fahrzeugen und Verkaufsstellen ausliegt und unter www.vvs.de abgerufen werden kann.

Mit dem Fahrplanwechsel fahren auch einige Busse anders.

Die Busse der OVR-Linie 210 (Waiblingen–Winnenden–Grunbach) sind von und nach Remshalden-Grunbach samstags zu den gleichen Abfahrtszeiten wie sonntags unterwegs. Um 9.05, 13.05 und 17.05 Uhr fahren die Busse von der Haltestelle Buoch Gemeindehaus weiter nach Grunbach und in die Gegenrichtung um 9.15, 13.15 und 17.15 Uhr vom Bahnhof Grunbach in Richtung Buoch/Winnenden. Dank des finanziellen Engagements der Gemeinde Remshalden kann die Busverbindung zwischen Buoch und Grunbach am Wochenende mit drei statt fünf Fahrten aufrechterhalten werden, obwohl sich der Rems-Murr-Kreis von der Finanzierung verabschiedet hat.

Die Linien 361 und 370 fahren künftig ins neue Backnanger Familien- und Freizeitbad, das am Montag fürs Publikum eröffnet wird. Montags bis samstags werden täglich sechs bis sieben Fahrten je Richtung angeboten. An Sonntagen werden die Busse der OVR-Linie 361 viermal von Heiningen über Backnang zur neuen Haltestelle Murrbäder fahren.

Die RBS-Linie 455, die bislang von Backnang nach Marbach fuhr, wird wegen der verlängerten S4 (Stuttgart-Schwabstraße–Marbach–Backnang) auf den Abschnitt Backnang–Burgstetten-Erbstetten–Burgstetten-Burgstall verkürzt.

Die Linie 388 (Backnang – Weiler zum Stein) wird in die neue Linie 455 eingegliedert: Je nach Fahrtrichtung fahren montags bis freitags drei bis fünf Busse der Linie 455 von Backnang über Leutenbach - Weiler zum Stein nach Burgstetten-Burgstall oder enden aus Richtung Backnang in Leutenbach - Weiler zum Stein. Die Buslinie bietet an beiden Linienenden Anschluss an die S-Bahn: in Burgstall an die S4 und in Backnang an die S3.

Nachtverkehrsangebot bleibt weit hinter den Erwartungen zurück

Der Ring politischer Jugend, der aus den Jugendorganisationen von CDU, SPD, FDP und Grünen besteht, ist über das geplante Angebot im Nachtverkehr enttäuscht und fordert Nachbesserungen. Zwar klänge die grundlegende Neuerung vielversprechend. Dieser Schritt sei notwendig geworden, weil die Fahrgastzahlen in den Nachtbussen zuletzt auf 220 000 Fahrgäste angestiegen waren und das Nachtbussystem an seiner Kapazitätsgrenze anlangte. Jedoch gehen den Jugendparteien die Veränderungen nicht weit genug. Der Rems-Murr Kreis bliebe mit seinem Nachtverkehrsangebot weit hinter den Erwartungen zurück, kritisiert der RPJ die fehlenden Anschlüsse mit Bussen oder Ruftaxis von den Bahnhöfen in die umliegenden Ortschaften und Wohngebiete. „Insbesondere der Vergleich mit den anderen Landkreisen der Region zeigt, dass Landkreis und Kommunen hier ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Kreistag und Gemeinderäte sind in der Pflicht, das Angebot an den gestiegenen Bedarf anzupassen“, erklärt Timo Rapp (GJ), Vorsitzender des RPJ. Sein Stellvertreter Steffen Seitter (Junge Liberale) ergänzt: „Das Konzept zur Anbindung der S-Bahnen muss dringend überdacht werden. Für uns stellen Ruftaxis auf keinen Fall eine adäquate Alternative zu Nachtbussen dar!“

Im Kreis Ludwigsburg würden sämtliche Orte mit mehr als 2000 Einwohnern von Nachtbussen angefahren und 400 000 Euro investiert. Im Rems-Murr-Kreis werden nicht einmal alle Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern angefahren; der Landkreis investiert gerade einmal 60 000 Euro in sein Nachtbusangebot.“ Denis Engelhardt (Jusos in der SPD) meint dazu: „Das Nachtbusangebot wurde vor über zehn Jahren vor allem deshalb ins Leben gerufen, um junge Menschen dazu zu bewegen, Ihr Auto stehenzulassen. Damit wollte man die Anzahl der sogenannten Disco-Unfälle reduzieren. Auch vor diesem Hintergrund ist das bestehende Nachtbusangebot im Rems-Murr-Kreis vollkommen unzureichend!“