Waiblingen Die Smartphone-Tester

Sebastian Seitz (links) und Leon Schmid mit einer winzigen Auswahl ihrer Geräte. Der komische Knubbel auf dem Tisch passt zwar wunderbar zur Hausfarbe des Zeitungsverlags, hat damit aber nichts zu tun. Es handelt sich um „Orbotix Ollie“ – einen per Smartphone steuerbaren Roll-Zylinder mit Rädern. Foto: Bernhardt / ZVW

Waiblingen. Ob Google, Samsung oder Motorola: Zwei technikverrückte Studenten testen Smartphones und Tablets auf Herz und Nieren. Vor einem Jahr hat der Waiblinger Sebastian Seitz die Webseite thedroidgeeks.de gegründet, mittlerweile zählt er schon bis zu 16 000 Zugriffe im Monat.

Brauchen Sie ein neues Smartphone und wissen nicht, zu welcher Marke, zu welchem Modell Sie greifen sollen? Dann lohnt ein Blick in die Testberichte der „Droidgeeks“. Soll das Gerät gut, aber nicht sündhaft teuer sein? Dann hat der 20-jährige Gründer Sebastian Seitz prompt einen Tipp: „Das Motorola Moto G läuft flüssig, hat eine schöne Kamera und kann im Prinzip alles, was teure Geräte auch können. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nahezu unschlagbar.“ Knapp 180 Euro kostet es aktuell – „mit diesem günstigen Preis steht es aktuell ziemlich allein da“.

Aber natürlich geht es besser – vor allem schicker, schneller und mit mehr Speicherkapazität. Nach den neuesten technischen Errungenschaften, die noch gar nicht auf dem Markt sind, jagten Sebastian Seitz und sein 17-jähriger Kumpel Leon Schmid kürzlich beim Mobile World Congress in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse Europas. Drei Tage hintereinander verbrachten sie bis zu 13 Stunden auf dem Gelände, ließen sich von Firmenvertretern die neuesten Geräte erklären, besuchten die Pressekonferenzen von Huawei und Sony, besuchten eine Cocktailparty für VIPs und tippten im riesigen Mediacenter Tests und Berichte für die Droidgeeks-Seite. Und natürlich kürten sie ihr „Lieblings-Smartphone des MWC“: das Samsung Galaxy S6 Edge. Dank eines abgerundeten Bildschirms hat der Nutzer besonders schnellen Zugriff auf Apps und Nachrichten.

„Mit Google Glass kam ich mir ein bisschen blöd vor“

Auf dem unübersichtlichen, sich alle zwei Jahre komplett revolutionierenden Markt den Überblick zu behalten, ist gewiss keine leichte Aufgabe. Sebastian Seitz und Leon Schmid verschlingen seit Jahren täglich Nachrichten aus der Mobilfunk-Szene, per Newsfeed lesen sie die einschlägigen Seiten wie Giga, Androidpit, Golem und Heise. Nicht immer einverstanden mit oft konformen Testberichten, hatte Sebastian Seitz 2013 die Idee, selbst welche zu schreiben. Also kniete er sich rein in den Webseiten-Bau, schrieb die Pressestellen der Hersteller an und fragte nach Testgeräten. Vor einem Jahr ging er ans Netz. Je mehr die Seite wuchs, desto eher bekam er auch Geräte, erst von Motorola und LG – dann, nach und nach, auch von anderen. Manche große Namen wie Sony und Apple lehnen vorerst ab: „Denen sind wir noch zu klein.“

Machte Sebastian Seitz zunächst alles allein, hat er sich mittlerweile Leon Schmid aus Stammheim, einen Freund aus gemeinsamer Zeit am Albert-Magnus-Gymnasium und wie er selbst Student der Wirtschaftsinformatik, als Verstärkung dazugeholt. Auch Seitz’ Bruder Johannes macht mit. Wird ein neues Gerät getestet, dann machen es sich die Geeks (deutsch: Computer-Verrückte) zu ihrem eigenen Smartphone, nützen es zwei Wochen im Alltag, laden ihre Apps, Fotos und Nachrichten drauf und schreiben dann ihre Beurteilungen nach Kriterien wie Design und Haptik sowie Hardware und Software darüber, machen Fotos. „Das ist richtig Arbeit“, versichert Leon Schmid. Zehn bis zwölf Stunden die Woche verbringt Sebastian Seitz damit. Trotzdem: Im Moment handelt es sich um ein reines Hobby. Weiterführende Pläne hat er noch nicht, sagt aber auch: „Wenn das mal zum Beruf werden könnte, wär’s schon toll.“ Wobei er absolut zu schätzen weiß, dass er schreiben kann, was und worüber er will. Mit eigener Meinung hält er nicht hinter dem Berg, die Tests haben eine subjektive Note, das hebt sie von der Masse ab – und macht sie glaubwürdiger, als würden sie Anspruch auf Objektivität erheben.

Das Internet der Dinge: Den Kühlschrank online steuern

Freunde und Bekannte fragen schon jetzt ständig nach Hilfe bei Handy-Problemen und Tipps beim Kauf. „Da geht’s uns ähnlich wie Computer-Fachleuten und Handwerkern.“ Ein Leben ohne Smartphone können sie sich kaum vorstellen. „Ich hab’ auch ein Navi drauf, ohne wäre ich aufgeschmissen.“ Das erste Handy bekamen beide in der ersten oder zweiten Klasse, auch Smartphone- und Tablet-Nutzer sind sie seit Jahren.

Und wo geht’s in Zukunft hin mit der Technik? Als veritabler „Geek“ hat Sebastian Seitz auch schon Google Glass ausprobiert, die Daten-Brille des Internet-Riesen. „Ehrlich gesagt, kam ich mir ein bisschen blöd vor damit“, gesteht er. Als Massenartikel hält er die Technik derzeit noch nicht für geeignet, letztlich sei die Brille doch an ein Smartphone gebunden und als Spielzeug zu teuer. In vielleicht zwei Jahren könnte sich das ändern, meint er. Aktuell sieht er mehr Potenzial bei Smart Watches, also Armband-Uhren mit Internet-Anschluss. Fast überflüssig zu erwähnen, dass er auch eine trägt: eine LG G Watch R.

Größere Umwälzungen als auf dem Mobilfunk-Markt erwarten die Smartphone-Tester in der intelligenten und vernetzten Steuerung von Alltagsgegenständen. Stichwort „Smart Home“. Was bedeutet, dass Lampen, Heizung und Kühlschrank online gesteuert werden – mit dem Smartphone als Steuerzentrale. Das ist dann das omnipräsente „Internet der Dinge“.

Fünf Mobilgeräte im Test (Auszüge):

Motorola Moto G, zweite Generation: „Der positive Eindruck verstärkt sich durch die flüssige und schlank gehaltene Software, die durchschnittlich bis gute Akkulaufzeit und die für diese Preisklasse exzellente Verarbeitung. Negativ fallen lediglich die schwache Hardware und vor allem der geringe interne Speicher auf.“

Sony Xperia M4 Aqua: „Das Mittelklasse-Smartphone verbindet einen günstigen Preis mit Features, die sonst nur in der Z-Reihe des Unternehmens zu finden sind. So ist das M4 Aqua – wie der Name schon andeutet – nach IP65 und IP68 gegen Wasser und Staub geschützt.“

Microsoft Lumia 535: „Positiv ist vor allem die Haptik und die gute Verarbeitung. Auch die Hardware ist zu diesem Preis wirklich gut. Nicht gefallen haben mir die Beschichtung des Displays und die Glossy Rückseite des Lumia 535. Wer aber ein günstiges Windows Phone 8.1 Gerät sucht, das ein schön großes Display besitzt, ist mit dem Microsoft Lumia 535 gut bedient.“

Nexus 6: „Passt wunderbar in die Reihe der Nexus-Geräte, hat allerdings noch einige Probleme. Motorola verbaut im Nexus 6 Spitzen-Hardware, ein hochauflösendes Display, einen soliden Akku, der schnell aufgeladen werden kann, und ausschließlich die neuste Technologie. Probleme gibt es bei der Verfärbung des Displays und der etwas kurz geratenen Akkulaufzeit.“

iPhone 6: „Abschließend lässt sich sagen, dass das iPhone 6 weder ein vollkommener Reinfall ist, Apple damit aber auch nicht der ganz große Wurf gelungen ist. Mir ist das mobile Betriebssystem von Apple zu unpersönlich und eingeschränkt.“ Quelle: thedroidgeeks.de

  • Bewertung
    6

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!