Waiblingen Diesel-Fahrverbot bringt Fußballtrainer in Not

Walter Siebert mit den Söhnen Tommi (Mitte) und Nikita am Familienauto. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Nicht nur die Berufspendler in der Region, auch Sportler sind vom Diesel-Fahrverbot in Stuttgart betroffen. Der Waiblinger Walter Siebert als Coach der U-13-Junioren bei der Sportvereinigung Cannstatt kommt mit seinem Caddy Maxi nicht mehr zum Training und kann auch keine Nachwuchskicker mehr dorthin chauffieren.

Vor zweieinhalb Jahren hat Walter Siebert den VW Caddy, Baujahr 2010, gekauft. Bis zum Beginn dieses Jahres fuhr er dreimal die Woche damit zum Training und sammelte dabei mehrere Juniorenspieler ein, die in Waiblingen und Umgebung wohnen und im Siebensitzer gut Platz hatten. Solange der 40-Jährige mit seinem Diesel der Schadstoffklasse Euro vier noch in die Umweltzone durfte, konnte er sich die Fahrten gerecht mit seinem Trainerkollegen aufteilen. Damit ist jetzt erst einmal Schluss. Der Caddy, der seinem Besitzer vor wenigen Jahren noch ein sparsames und zuverlässiges Auto zu sein schien, darf nicht mehr nach Stuttgart.

Alleinverdiener mit vier Kindern: „Die sollten alle reinpassen“

Ein Diesel musste sein, als er ihn für 11 000 Euro kaufte. Schon wegen der Größe: Die Familie hat vier Kinder zwischen fünf und 17 Jahren – die sollten alle reinpassen. Und eben die halbe Fußballmannschaft, die der Trainer wochenends auch noch zu den Pflichtspielen kutschiert. Ende des Jahres wurde das Team Bezirksmeister und kickt jetzt in der Talentrunde eins, der höchsten Spielklasse in diesem Alter, mit Gegnern in ganz Baden-Württemberg. So kommen viele Kilometer zusammen: „Ich bin Vielfahrer, unter 50 000 Kilometer im Jahr mache ich es nicht.“

Finanzielle Belastungen werden nicht weniger

Wie andere Dieselfahrer bekam Walter Siebert den Standardbrief vom Kraftfahrtbundesamt mit dem Rat, sich ein neues Auto zu kaufen und sich über Rabatte zu erkundigen. Informieren will er sich zwar, leisten wird er es sich als – zumindest im Moment noch – Alleinverdiener nicht können. Die Wohnung auf der Korber Höhe ist auf Jahrzehnte finanziert, auch der Caddy noch nicht abbezahlt. Trotzdem wieder verkaufen? Eher nicht, denn den Wertverlust schätzt er auf zwei Drittel. „Eigentlich wollte ich ihn fünf oder sechs Jahre fahren, bis er den Geist aufgibt.“ Und in absehbarer Zeit wird der älteste Sohn studieren wollen - die finanziellen Belastungen werden nicht weniger.

Frau findet am ehesten in Stuttgar einen Job

Immerhin, fürs Pendeln zum Arbeitsplatz braucht Walter Siebert das Auto nicht. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er als Kunststoff-Verfahrenstechniker bei Willy Rüsch in Rommelshausen und fährt bei seiner Schwester mit. Tagsüber nutzt das Auto seine Frau, die noch rechtzeitig vor dem Diesel-Fahrverbot in Stuttgart eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen abschloss. Allerdings: Wenn sie einen Job findet, sagt sie, dann am ehesten in Stuttgart.


Jetzt droht Bußgeld

In Stuttgart gilt seit 1. Januar das Fahrverbot für Diesel-Autos mit der Abgasnorm vier und schlechter. Seit dem 1. Februar ist die Schonfrist vorbei: Anders als bisher droht den Dieselfahrern tatsächlich ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro.

Gezielte Diesel-Kontrollen gibt es aber nach wie vor keine.

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