Waiblingen Diskussionen um das Radhaus am Bahnhof

Noch immer nicht in Betrieb: Das Radhaus am Waiblinger Bahnhof. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Ja, es gibt sie: die eisernen Radfahrer, die auch im Winter, bei Regen und selbst bei Schnee aufsteigen und auf zwei Rädern zur Arbeit oder zum Einkaufen strampeln. Und es gibt die wachsende Gruppe derer, die sich zumindest in den warmen Monaten immer öfter sagen: Heute lasse ich das Auto mal stehen. Gerade im Sommer ist das Fahrrad für Waiblinger Pendler, die mit der Bahn etwa nach Stuttgart weiterfahren, eine beliebte Möglichkeit, um zum Bahnhof zu kommen. Ohne Stau und deutlich schneller als zu Fuß. Nur: Wohin mit dem Rad? Es soll ja nach Feierabend immer noch da sein. Genau dafür ist das Radhaus Waiblingen gedacht. Voll automatisch soll man hier sein Fahrrad abstellen können – geschützt vor Wind und Wetter, Vandalen und Dieben.

Eröffnung verzögert sich

Doch Waiblingens Radler müssen sich weiter gedulden. Im Zeitplan ist beim blauen Park-Hochhaus am Bahnhof einiges durcheinandergeraten. Ursprünglich sollte der „Biketower“ – so der mittlerweile verworfene Name – zur Gartenschau fertig sein. Im Sommer war dann von November die Rede. Und im November berichtete unsere Zeitung, dass die städtische Parkierungsgesellschaft nun im Januar 2020 den Normalbetrieb aufnehmen werde. Auch diese Zeitmarke ist allerdings schon wieder überholt.

Neuester Stand: Mitte Februar soll die Testphase starten, die offizielle Eröffnung ist für Ende März, Anfang April vorgesehen. Die jüngst im Gemeinderat genannten Termine bestätigen der Geschäftsführer der Parkierungsgesellschaft, Werner Nußbaum, und Thomas Schaal, der Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Controlling im Rathaus, unserer Redaktion auf Anfrage.

Die Verzögerung ärgert einige Stadträte. Etwa Alfonso Fazio, Vorsitzender der AGTif-Fraktion aus Alternativer Liste, Grünen und Tierschutzpartei. „Sehr unzufriedenstellend“ sei das, so Fazio. Und auch Roland Wied, der die SPD-Fraktion im Stadtrat führt, findet: „Das ist natürlich unbefriedigend.“ Er fügt hinzu: „Aber was will man machen, wenn die Firmen es nicht hinkriegen?“ Man kenne diese ständigen Aufschübe von vielen Baustellen. „Das ist ja heute nichts Ungewöhnliches.“

Radhaus-Nutzung nur nach Einweisung

Doch dass es mit der Radhaus-Eröffnung bis zum Winter nicht geklappt hat, ist für die beiden Stadträte gar nicht das Entscheidende. Für größere Irritationen sorgt etwas anderes: Wie in der letzten Gemeinderatssitzung bekannt wurde, müssen die Fahrradfahrer, die hier parken wollen, vorher eine Einweisung mitmachen. Weil das Abstellen im Hightech-Parkturm ohne vorherige Anleitung zu kompliziert ist, wie die Verwaltung meint. „Bei dem Radhaus handelt es sich um eine vollautomatische Anlage, die aus Sicherheitsgründen und somit haftungsrechtlich nicht ohne Einweisung zur Benutzung freigegeben werden darf“, beantworten Parkierungsgesellschaftschef Nußbaum und Stadtentwicklungsleiter Schaal unsere Anfrage. „Dies bedeutet, dass Interessenten sich bei der Geschäftsstelle der Parkierungsgesellschaft anmelden können und einen Sammeleinweisungstermin vor Ort erhalten, der von unserem geschulten Personal durchgeführt wird. Die Dauer wird maximal 30 Minuten in Anspruch nehmen.“ Einfach so parken? Ist nicht. Zur Einweisung anmelden können sich Interessenten unter Tel. 0 71 51/50 01 25 10 oder per E-Mail an parkierungsgesellschaft@waiblingen.de.

„Wir wollten ein offenes Haus für alle“

Dass das alles so kompliziert und erst nach einer halbstündigen Schulung möglich sein soll, darüber sei er „auch etwas erstaunt“ gewesen, sagt SPD-Stadtrat Wied. Und was ist, fragt er, wenn jemand die Termine verpasst hat? Wartet derjenige wohl auf die nächste Schulungsrunde – oder verzichtet er dann eben aufs Radhaus?

Um die Zielgruppe der Dauernutzer, die einen festen Platz im Radhaus über einen längeren Zeitraum mieten, macht Wied sich weniger Sorgen. Doch was sei mit den Gelegenheitsnutzern? Auch die bräuchten doch eine sichere Abstellmöglichkeit am Bahnhof.

Für AGTiF-Chef Fazio ist gerade das ein echtes Problem. Wenn es bei der vorgesehenen Einweisungspflicht bleibe, sei das „sehr unbefriedigend“. Auch wenn die Technik kompliziert sei, habe man sich das Radhaus seitens des Gemeinderats „so nicht gedacht“. „Wir wollten ein offenes Haus für alle“, erklärt Fazio. Spontan hinfahren, Rad abstellen und weiter zum Zug – nicht nur für Langzeitkunden, sondern eben auch für die, die nur ab und zu zum Bahnhof radeln. Man habe zusätzliche Anreize schaffen wollen, das Auto stehen zu lassen – das werde so nicht erreicht, glaubt der AGTiF-Stadtrat.

Fazio hofft nun, dass es noch Nachbesserungen gibt. „Ich fände es schade, wenn die spontane Abstellmöglichkeit nicht da wäre“, sagt er. Und Fazio erinnert daran, dass eben dieses spontane Parken für kurze Zeit auch ein Kriterium der Ausschreibung gewesen sei.

Fellbacher Modell als weitere Alternative?

Die Stadtverwaltung sieht den Erfolg des Radhauses durch die Einweisungen aber nicht gefährdet. Werner Nußbaum und Thomas Schaal glauben, dass sich nicht nur Dauernutzer zur Erläuterung der Radhaus-Technik anmelden werden. Sie schreiben: „Die ‘Spontannutzung’ ist für diejenigen interessant, die gelegentlich das Radhaus benutzen wollen. Wir gehen davon aus, dass diese Nutzungsmöglichkeit durchaus nachgefragt werden wird, insbesondere von Fahrern mit hochwertigen Rädern.“ Die Spontannutzer erhielten wie Dauernutzer eine Karte als Zugangsberechtigung, die Parkkosten würden nachträglich, je nach Häufigkeit vierteljährlich oder halbjährlich, abgerechnet.

SPD-Fraktionschef Roland Wied will jetzt erst mal abwarten, wie das Radhaus angenommen wird – wenn es denn im Frühjahr seine Pforten öffnet. Er geht davon aus, dass die Dauerparker schon kommen werden. „Wenn es gut genutzt wird, muss man überlegen, ob man für Gelegenheitsnutzer eine andere Möglichkeit schaffen kann“, so Wied. Er verweist auf Fellbach. Dort gebe es am Bahnhof eine „kleine Abstellmöglichkeit mit Personal“. Für Gelegenheitsradler sei das gut. „Ich weiß dann, dass mein Rad sicher steht und nicht beschädigt oder geklaut wird. Da haben wir in Waiblingen vielleicht noch nicht alle Optionen ausgeschöpft, die man ausschöpfen kann.“

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