Waiblingen Drachenbootcup auf der Rems

, aktualisiert am 08.07.2019 - 08:39 Uhr

Waiblingen. Nicht erst zur Gartenschau, nein, während des traditionellen Drachenboot-Cups beim Bootshaus des Ruderclubs Ghibellinia stand die Rems seit jeher im Mittelpunkt. So auch diesmal, als bei bestem Wettkampfwetter mehrere Hundert Besucher die mehr als 40 Ruderteams vom Ufer aus zu Höchstleistungen anspornten.

Zunächst hört man vom Ufer an der Ziellinie unter der Remsbrücke am Bootshaus nur dumpfe Trommelschläge. Dazu gesellen sich bald die Anfeuerungsrufe des Publikums. Und dann, erst beim Finale mit den letzten Paddelschlägen, kommen die keuchenden Selbstermunterungsrufe der Ruderer hinzu. Ein akustisches Hörspiel mit großer Dramatik.

Wer macht das Rennen? Im Wasser sind gerade die Drachenboote der „Stihl Azubi-Power“ gegen „Mein persönlicher Favorit“. Zwei durchaus starke Teams. Es ist für beide der zweite Vorrundenlauf am hohen Nachmittag.

„Superbestzeit“ der jungen Paddler von Stihl

Die Trommler geben eine schnelle Taktzahl vor. Am Ende liegt das Boot der „Azubi-Power“ mit mehreren Metern vorne. Und der Wettkampfsprecher Harald Sauter kann eine „neue Superbestzeit“ durchgeben: gerade mal 1 Minute, 17 Sekunden und 39 Hundertstel hat das junge Stihl-Team für die 250 Meter lange Strecke gebraucht. „Die waren vorher bestimmt vier Wochen im Trainingslager“, spöttelt da jemand aus dem Publikum mit dem Anflug eines leichten Neidtönchens.

Allein die Namen der Rudergemeinschaften zeugen indes von einer sportlichen Gefühlsskala so etwa zwischen Humor und Hammer: FitzeBlitz, LGW Matrosen, Drachen unterm Kreuz oder Inferno Waiblingen. Alles Seemannsgarn indessen, denn, so Harald Sauter in der Erregung während eines engen Endspurts: „Entschieden wird erst auf den letzten Metern.“ Genau.

Und das kann durchaus hauchdünn werden. So wie zwischen den „Kreis-Piraten“ und der „Rettungshundestaffel Rems-Murr“. Und weil ein Ruderer der Kreis-Piraten, ein gewisser Dr. Richard Sigel, Landrat ist, verdient es als sozusagen protokollarisch ranghöchstes Schnellboot des Wettkampfes natürlich unsere besondere Beachtung. Ein packendes Rennen bis zur letzten Hundertstel-Sekunde. Am Ende aber lagen die Kreis-Piraten äußerst knapp mit 1.25.94 gerade mal 26 Hundertstel vor ihren tapferen Kontrahenten.

Es ist diese besondere Atmosphäre des „Drabo-Cup“, die auch bei Silke Kleinhans-Sauter vom Organisationsteam des Ruderclubs Ghibellinia immer noch für Adrenalinschübe des Entzückens sorgt. „Das ist eine Veranstaltung, die schon im Vorfeld viel Manpower erfordert. Da fragt man sich gelegentlich: „Warum mach’ ich das eigentlich? Doch, an einem Tag wie diesen, sagen wir immer: Ist alles gut!“

Man könnte sagen, im Ruderkahn wie im Verein ist es dasselbe: Alle schwitzen in einem Boot. Und klar: Ohne die vielen Ehrenamtlichen im Verein wäre eine solche Veranstaltung, einer der Höhepunkte im sommerlichen Veranstaltungskalender von Waiblingen, nicht möglich. Und so freute sich Silke Kleinhans-Sauter: „Der Besuch ist gigantisch. Alle sind glücklich und zufrieden.“

Auch der Landrat? Erschöpft aber gut gelaunt steigt Richard Sigel aus dem Boot – obwohl wir ihn zunächst kaum erkannt hätten. Als „Kreis-Pirat“ hat der Landrat auf jeder Wange drei martialisch schwarze Rußstreifen als Kriegsbemalung aufgelegt. Dazu ein rotes Freibeuter-Stirnband – alles, natürlich augenzwinkernd, auf Einschüchterung des Gegners angelegt. Nein, erklärt Sigel, der weiß, dass er am nächsten Morgen nicht ohne Muskelkater in sein Büro kommen wird: „Es ist echt anstrengend und erfordert Teamarbeit und Koordination. Aber deshalb sind wir dabei.“ Wir schwitzen alle in einem Boot – das schweißt zusammen.

Egal also wer den Waiblinger Drachenboot-Cup gewinnt. Schon wer dabei war, hat gewonnen.

Die Ergebnisse

Bei den Männern gewannen „RSO Handball“ das Finale vor „FlitzeBlitz“.

Bei den Frauen siegte das Team „Frauen aus Flake“ vor den „Steinbeisslerinnen“.

Und in der Königskategorie „Mixed“ (Frauen und Männer) setzen sich „Künzel & Partner“ vor „Stihl Azubi Power“ durch.

Schon zum zweiten Mal sind Mitarbeiter des Landkreises beim Drachenboot-Cup am Start. Diesmal gleich mit zwei Booten, wie Landrat Richard Sigel erzählt. „Das ist eine tolle Aktion. Bei dreizehn Standorten mit 1600 Beschäftigten lernen sich im Bootsteam manche Mitarbeiter zum ersten Mal kennen. Dabei freut es Richard Sigel, dass Mitarbeiter „von oben bis unten“ sich in den Ruderteams integrieren. „Gutes Klima entsteht nur, wenn man etwas gemeinsam versucht.“

  • Bewertung
    36

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!