Waiblingen Eisele Pneumatics setzt auf Crowdfunding

Innovative Finanzierungen sind eine Zukunftsfrage für den Mittelstand, sagt Eisele-Geschäftsführer Thomas Maier. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Soziale Projekte oder Start-up-Unternehmen setzen gerne auf Crowdfunding. Der etablierte schwäbische Mittelstand eher nicht. „Wir sind Pionier auf diesem Gebiet“, sagt Thomas Maier, Geschäftsführer von Eisele Pneumatics in Waiblingen. In innovativer Finanztechnologie liege die Zukunft.

„Der Mittelstand muss bei der Finanzierung alternative Wege gehen“, davon ist Thomas Maier überzeugt. Ausdrücklich sieht der Geschäftsführer von Eisele Pneumatics seinen Betrieb in einer Vorreiterrolle in Sachen Crowdfunding, was den sogenannten B2B-Bereich anbelangt – also Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen. Er hofft auf Nachahmer, denn das für Investitionen nötige Geld von Banken zu bekommen, sei mit hohem Aufwand verbunden, der eher noch zunehmen werde. Noch dazu erfordere der internationale Markt, auf dem der Hersteller von Kühlwasseranschlüssen mit Sitz im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental agiert, ein höheres Tempo und viel Flexibilität. Was „Fintech“, also innovative Finanztechnologie, anbelangt, stehe Deutschland im weltweiten Vergleich als Entwicklungsland da. Was möglich ist, hat Thomas Maier zuletzt in Singapur erlebt. Ob hiesige Unternehmen daran anschließen können, wird seiner Meinung nach eine Zukunftsfrage.

Pilotprojekt: 500 000 Euro sammeln

In einer ersten Tranche, sozusagen als Pilotprojekt, will Eisele Pneumatics 500 000 Euro sammeln. Jedermann kann Geldgeber sein. Beteiligungen sind möglich in Höhe von 1 000 bis 5 000 Euro. Nach einer Laufzeit von drei Jahren sollen die Anleger ihr Geld zurückbekommen, dazu jährliche Zinsen in Höhe von 3,8 Prozent. Aus Sicht von Thomas Maier eine attraktive Geldanlage mit überschaubarem Risiko, wenn auch ein nachrangiges Darlehen. Das kreditbasierte Crowdfunding wird über das Online-Portal Crowddesk abgewickelt und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert.

Mit Hilfe des gesammelten Geldes plant Eisele Pneumatics, seine Produktreihe „Liquidline“ auszubauen. Sie umfasst mehr als 1 000 verschiedene Schraub– und Steckanschlüsse für Kühlwassersysteme, gefertigt aus den Materialien Messing, Aluminium und Edelstahl. Außerdem sollen Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement bei der Entwicklung neuer Produkte verbessert und die Schutzrechte bestehender Patente ausgebaut werden. Eine wichtige Rolle spielen die Liquidline-Anschlüsse im Bereich der erneuerbaren Energien bei Windkraftanlagen, bei Ladestationen für Elektroautos als auch beim autonomen Fahren.

Thomas Maier: „Die Banken werden wir auch weiterhin brauchen“

Überall, wo Maschinen, Anlagen, Transformatoren, Batterien und Fahrzeuge mit Wasser gekühlt werden, können die Kühlwasseranschlüsse zum Einsatz kommen. Allerdings gibt es für nahezu jede Anwendung Besonderheiten zu berücksichtigen, weswegen die Produktpalette der Liquidline immer breiter wird.

So hat das Wasser in jedem Land und sogar in jeder Region eine andere Zusammensetzung. Der pH-Wert kann schwanken, mancherorts kommt es je nach Jahreszeit zu extremen Temperaturunterschieden. In den USA sind chemische Wasserzusätze, in Russland ist Ammoniak im Trinkwasser enthalten.

Über diese Art des Crowdfundings können flexibel bis zu 2,5 Millionen Euro eingesammelt werden. Für das Unternehmen hat das nicht zuletzt den Vorteil, dass dadurch die Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken deutlich verbessert werden, denn die geliehenen Mittel gelten als Eigenkapital. Allein auf den Schwarm der Kleinanleger möchte sich der Betrieb, der vergangenes Jahr innerhalb Waiblingens vom Gewerbegebiet Ameisenbühl ins Eisental umzog, jedoch nicht verlassen. „Die Banken“, sagt Thomas Maier, „werden wir auch weiterhin brauchen.“


Crowdfunding

Crowdfunding ist laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine „Alternative zur traditionellen Finanzierung durch Banken, mit der insbesondere für soziale, karitative oder kreative Projekte Geld eingesammelt wird“.

Die Bafin unterscheidet vier Arten: spendenbasiertes Crowdfunding ohne Gegenleistung, auf symbolischen Gegenleistungen wie etwa signierten Werken eines Künstlers basierendes Crowdfunding, kreditbasiertes Crowdfunding wie bei Eisele Pneumatics und „Crowd Investing“, wobei Geldgeber an zukünftigen Gewinnen beteiligt werden.

Zwar winken Zinsen, von denen konventionelle Sparer nur träumen können, aber: Laut Bafin riskieren Anleger beim Crowdfunding, ihr Geld vollständig zu verlieren. Bei Start-up-Unternehmen sei die Gefahr einer Pleite freilich größer als bei etablierten Firmen.

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