Waiblingen Elektrischer Citybus kommt, Fahrpläne ändern sich

Fahrerin Gülhanim Tezer am Steuer von einem der drei neuen elektrischen Citybusse des OVR. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Geruchsfrei und nur mit einem leisen Surren kurvt der Citybus in Zukunft über den Marktplatz: Die neuen Elektrobusse sind startklar und werden ab sofort im Linienverkehr eingesetzt. Erst sporadisch, dann vom 1. Januar an regelmäßig und offiziell. Das ist nur eine von vielen Neuerungen und Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr rund um Waiblingen. Die Nutzer dürfen sich auf bessere Takte, längere Betriebszeiten und eine brauchbare Verbindung zum Krankenhaus freuen. Unter anderem profitieren auch Hegnach, Bittenfeld, Beinstein und Fellbach – beziehungsweise die Leute, die dort hinwollen. Hier die wichtigsten Änderungen.

Eine halbe Million Euro pro Bus

Waiblingen fährt mit Strom voraus: Rein elektrische Busse gibt es nirgendwo sonst in der Region. Auf den Citybus-Linien 208 und 218 sind künftig drei strombetriebene Midibusse im Einsatz. Außerdem wird der Halbstundentakt verstärkt. Außer am Vormittag fahren die Busse bis in den Abend hinein alle 30 Minuten, dazu morgens eine halbe Stunde früher und abends eine halbe Stunde länger. Der Halbstundentakt gilt auch am Samstag bis 20.30 Uhr. Ein von Waiblingern vielfach geäußerter Wunsch wird erfüllt, indem die Citybusse an Sonn- und Feiertagen fahren. Für Oberbürgermeister Andreas Hesky nimmt ein „jahrelanges Ringen“ um den Elektrobus ein erfolgreiches Ende.

Betankt werden die Busse – das Stück kostet eine halbe Million Euro – im Betriebshof der OVR in Beinstein und in einer noch nicht fertigen Ladestation in der Dammstraße. Zwar steuert das Land 300 000 Euro an Fördermitteln bei. „Natürlich hätten wir uns einen noch höheren Förderbetrag gewünscht“, sagt OVR-Geschäftsführer Marco Trovato, „denn die Mehrkosten, die im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselbus anfallen, werden dadurch nicht gedeckt.“ Die Lade-Infrastruktur musste aufgebaut, Fahrer geschult und die Werkstatt ausgerüstet werden. Bei der Ausschreibung des Linienbündels gab es viel Konkurrenz, trotzdem konnte sich das örtliche Busunternehmen durchsetzen. Der Citybus ist freilich nur der Anfang, später sollen auch weitere Linien elektrifiziert werden.

Von Hegnach direkt in die Stadtmitte

Die Linie 213 Waiblingen-Hegnach wird eingestellt. Das hört sich zunächst nicht nach einer guten Nachricht an, ist es aber. Denn ersetzt wird die 213 von der verlängerten Linie 204 Hegnach-Waiblingen-Beinstein. Das bedeutet für Hegnach einerseits eine Direktverbindung in die Stadtmitte und eine um vier Minuten kürzere Fahrtzeit von Hegnach zum Bahnhof, da die Busse nicht mehr durch die Fronackerstraße fahren.

Zwischen Waiblingen und Beinstein (und weiter nach Endersbach) fährt ebenfalls nur noch die Linie 204. Dennoch vermeldet der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) Verbesserungen gerade auch für Beinstein: Während des Berufsverkehrs fahren die Busse viertel- statt halbstündlich. An der neuen Haltestelle Quellenstraße enden und beginnen die zusätzlichen Fahrten. Abends fahren die Busse bis fast Mitternacht nach Beinstein, nicht nur bis 20.30 Uhr.

Bessere Anbindung ans Klinikum

Noch immer keine direkte Linie zum Klinikum. Aber besser wird die Verbindung nach Winnenden immerhin. Das hat mit der Linie 209 Waiblingen - Korb - Kleinheppach - Großheppach - Endersbach zu tun. Die Busse fahren künftig montags bis freitags zwischen 5 und 20 Uhr im 15-Minuten-Takt, danach bis Betriebsschluss alle halbe Stunde. Auch samstags und sonntags wird der Takt erhöht. Durch die zusätzlichen Fahrten kommt vom 1. Januar an eine halbwegs brauchbare Umsteigemöglichkeit von Waiblingen zum Klinikum in Winnenden über die Linien 209 und 339 zustande. Montags bis freitags werden zwischen 6 bis 18 Uhr stündliche Umstiege angeboten. Ausnahme ist die Zeit zwischen 8 bis 12 Uhr, wo es zweistündliche Umsteigeverbindungen geben wird. Samstags sowie sonn- und feiertags können die Fahrgäste zwischen 8 bis 19 Uhr durchgehend immerhin zweistündlich umsteigen.

Leichter nach Fellbach zur Stadtbahn: Montags bis freitags fahren die Busse der Linie 207 von 5 Uhr bis 20 Uhr künftig durchgehend im 15-Minuten-Takt zwischen der Korber Höhe und Fellbach-Lutherkirche. Bislang fuhren die Busse statt viertelstündlich immer abwechselnd alle zehn bis 20 Minuten und das auch nur bis Waiblingen Remspark - für die Weiterfahrt nach Fellbach galt ein Halbstunden-Takt.

Mehr Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Pendler im Gewerbegebiet Eisental: Auf der Linie 216 von Waiblingen nach Eisental sind die Busse künftig montags bis freitags häufiger unterwegs. Damit wird die Fahrtenlücke am Vormittag geschlossen und die Anbindung an das Industriegebiet deutlich verbessert. Darüber hinaus machen zusätzliche Fahrten morgens zwischen 6 Uhr und 9 Uhr einen durchgehenden 15 Minuten-Takt möglich. Neu ist auch, dass die Busse abends länger bis ca. 20 Uhr unterwegs sind anstatt nur bis etwa 19 Uhr.

Nachtbus für die Ortschaften

Jugendliche werden sich freuen, es kommt ein Nachtbus für die Ortschaften. Die neue Nachtbuslinie N 24 fährt in Nächten vor Sams-, Sonn- und Feiertagen. Sie bindet Bittenfeld, Neustadt, Hohenacker und Hegnach an den Bahnhof sowie die Stadtmitte von Waiblingen an. In Waiblingen bestehen Anschlüsse von und zu den S-Bahnen der Linien S 2 und S 3. Verbesserungen gibt’s beim Nachtbus (Linien N 21 und 31) auch für Korber, Stettener und Großheppacher.

Richtung Ludwigsburg: Durch die neuen Fahrpläne der X 43 (früher 432) und 431 gibt es künftig am Wochenende deutlich mehr Verbindungen zwischen Waiblingen, Remseck und Ludwigsburg.

Der neue Betreiber ist der alte. Trotz viel Konkurrenz bei der Ausschreibung bleibt’s dabei: Die Linien im Linienbündel 3 (Waiblingen-Ost/West) werden weiter vom Busunternehmen Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR) gefahren. Insgesamt wächst das Fahrten-Angebot in diesem Bereich um über 60 Prozent auf rund 1,2 Millionen Fahrzeugkilometer pro Jahr. VVS-Chef Thomas Hachenberger nennt das Angebot „großstädtisch“. Zwar sind weniger Reibungsverluste zu erwarten als bei einem Betreiberwechsel. Angesichts neuer Busse, neuer Fahrer und neuen Fahrplans werde am Anfang wohl noch nicht alles zu 100 Prozent klappen. „Erfahrungsgemäß braucht es ein paar Wochen, bis sich alles eingespielt hat.“

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