Waiblingen Erste Fahrt mit dem elektrischen Citybus

Fast geräuschlos und geruchsfrei rollt der Citybus durch die Fußgängerzone. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Fahrplan-Änderungen ohne Ende und erstmals rein elektrische Busse im Einsatz: Mit Pannen und Ausfällen ist bei solchen Umstellungen, wie jetzt zum Jahreswechsel im Raum Waiblingen geschehen, in den ersten Tagen immer zu rechnen. Und so kam’s auch. Ein Bus-Fan hat sich am Bahnhof eingefunden, um den regionweit ersten vollelektrifizierten Bus zu knipsen, denn in den einschlägigen Foren könnte er damit zum Helden werden. Aber Pustekuchen, das war erst einmal nichts. Am Donnerstagmorgen musste der neue Solaris-Midibus erst einmal in die Werkstatt: An einer Wasserpumpe war ein Kabel gebrochen.

„Mit dem Elektroantrieb hat das nichts zu tun“, stellt Geschäftsführer Horst Windeisen von Omnibusverkehr Ruoff klar, der die Panne als typische Kinderkrankheit von Neufahrzeugen einordnet. Keine große Sache, entsprechend ist der Schaden schnell behoben. OVR hat extra die Werkstatt in Beinstein aufgerüstet und Personal qualifiziert, um so gut wie alle Reparaturen mit Ausnahme schwerer Getriebeschäden selbst erledigen zu können. Für komplizierte Arbeiten reicht die normale Kfz-Mechaniker-Ausbildung nicht mehr, da muss ein Elektro-Fachmann ran.

Die Linie gibt’s nicht mehr, doch der Fahrplan hängt noch

Viertel vor zwölf nähert sich der reparierte Bus schon wieder dem Rathaus zur Fahrt mit OB Andreas Hesky. Die Fahrgast-App zeigt sieben Minuten Verspätung an, doch in Wirklichkeit ist der Bus fast pünktlich. Nach dem Stopp lenkt ihn Busfahrerin Gülhanim Tezer gelassen über den Marktplatz und den Engpass beim Alten Dekanat. „Die größte Umstellung ist die beim Gasgeben“, sagt die Frau, die auf fast 25 Jahre Erfahrung zurückblicken kann. Beim Fahrzeug mit Verbrennungsmotor drückt, wer Gas geben will, bekanntlich aufs Gaspedal. Elektroautos und -busse dagegen fahren von alleine an.

Fast geräuschlos und ohne zahlende Fahrgäste rollt der Bus der Linie 208 in Richtung Galgenberg – das mit den Fahrgästen wird sich im Lauf der Fahrt ändern. An der Alten Winnender Steige stellt der Bus seine Kraft unter Beweis. Dafür war eine Anpassung der Software vonnöten, denn eigentlich hatte ihn der europaweit führende Hersteller Solaris fürs Flachland konzipiert. Am Wendelkönig steigt eine Stammkundin ein, die während der Weiterfahrt gleich das Handy zückt und filmt. Am Galgenberg steigt eine junge Frau zu, die zur Arbeit in die Innenstadt will. Das Stadtticket, mit dem man von April an für drei Euro den ganzen Tag quer durch Waiblingen fahren kann, wird Gesprächsthema. Von Haltestelle zu Haltestelle füllt sich nun der Bus mit Fahrgästen, die an diesem Tag vom OB persönlich begrüßt, überwiegend in Richtung Bahnhof fahren.

Verwirrung um die Linie 213

Verwirrung an der Station Ludwigsburger Straße: „Wir haben eine Dreiviertelstunde in der Talstraße gewartet“, berichtet Familienvater Jörg Matzke. Sie hätten noch länger warten können, denn die Linie 213 wurde aufgegeben – der alte Fahrplan hängt aber immer noch. „Da ist jetzt Chaos.“ Mit dem Citybus fährt die Familie nun zum Bahnhof, doch Jörg Matzke muss sich nun überlegen, wie er künftig zur Arbeit nach Hegnach kommt. Die Neuorganisation des Linienbündels Waiblingen Ost-West hat zwar 60 Prozent neue Fahrten geschaffen und bringt viele Verbesserungen – in diesem konkreten Fall aber einen Nachteil. Die 213 wird von der verlängerten 204 von Beinstein bis Hegnach ersetzt. Der Pendler muss jetzt an einer anderen Haltestelle einsteigen, am Bahnhof oder an der Oberen Bahnhofstraße. Über die Änderung der Linie 204 ärgert sich auch eine Berufspendlerin aus Beinstein, die in Stuttgart im Verkauf im Schichtdienst arbeitet und nach eigenen Angaben schon bisher Mühe hatte, am Waiblinger Bahnhof den Anschlussbus um 20.35 Uhr zu erwischen. Nun fährt er schon um 20.25 Uhr. Der verstärkte Takt im Berufsverkehr gilt dann schon nicht mehr. Zwar fährt der Bus neuerdings stündlich bis nach Mitternacht, doch für die besagte Beinsteinerin bedeutet die Verschiebung eine knappe Stunde Wartezeit.

Ludwigsburg hat elektrische Busse bestellt, in Waiblingen fahren sie schon. Vereinzelt sind auch noch Diesel-Modelle auf den Citybus-Linien 208 und 218 unterwegs. Für das volle Programm reichen derzeit die (Lade-) Kapazitäten noch nicht aus. Am OVR-Betriebshof gibt’s drei Ladesäulen. Eine weitere soll in der Dammstraße entstehen. Wenn die Säule Mitte dieses Monats geliefert wird, können die Stadtwerke sie Mitte Februar in Betrieb nehmen.

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