Waiblingen Familien verärgert über geplante Erhöhung der Kita-Gebühren

Aufruhr auf dem Spielplatz: Kinder und Eltern entern das Piratenschiff. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Kurz vor der Entscheidung am Donnerstag im Gemeinderat wehren sich Waiblinger Eltern noch einmal mit Nachdruck gegen die geplante Erhöhung der Kindergartengebühren um rund 30 Prozent innerhalb von zwei Jahren. So ein Sprung nach oben sei angesichts fehlender Plätze nicht gerechtfertigt, argumentieren die Eltern.

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Waiblingen sieht sich als familienfreundliche Stadt – und der Zuzug vieler Familien scheint diese Sicht zu bestätigen. Mit der Erhöhung der Kindergartengebühren setzt sie diesen Ruf aus Sicht vieler Eltern aufs Spiel. Ihr Unmut entzündet sich an der nun geplanten, relativ deutlichen und linearen Erhöhung. Manche Eltern wie etwa Friederike Ballenberger weisen darauf hin, dass manche Kommunen – immer wieder wird das Beispiel Heilbronn genannt - die Kindergartengebühren ganz abgeschafft haben. Andere, wie zum Beispiel Martin Weller, lassen durchblicken, dass sie für eine moderate Erhöhung Verständnis hätten. Die mehr als 30 Prozent in zwei dicht aufeinanderfolgenden Stufen seien jedoch nicht zu rechtfertigen, sagt Gesamtelternbeirats-Vorsitzende Lissy Theurer, zumal es an Kita-Plätzen fehle. Wer keinen Platz in der Wunsch-Kita findet, müsse mitunter in die nächste Ortschaft ausweichen. „Dabei sind Kinder doch am besten in einem Gefüge vor Ort aufgehoben.“

Unverständnis über das Verhältnis von Kosten und Leistung

Wegen der unerwartet hohen Kinderzahlen soll bereits im September in den Schulcontainern des Salier-Schulzentrums eine Interims-Kita in Betrieb gehen. „Und dafür soll man dann 30 Prozent mehr zahlen“, bringt Martin Weller das Unverständnis über das Verhältnis von Kosten und Leistung auf den Punkt. Die Bedarfsplanung erscheine merkwürdig unzuverlässig. „Dabei gibt es doch klare Trends.“

In Zweifel gezogen wird die Argumentation der Verwaltung, die Waiblinger Gebühren könnten sich auch nach der Erhöhung im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden gut sehen lassen. Verena Reich hat umfassend recherchiert, Betreuungsformen und Preise verglichen. Ihr Resümee: Bei der kostenintensiven U-3-Ganztagsbetreuung, welche die Verwaltung für ihren Vergleich herangezogen hat, liege Waiblingen noch gut. Bei anderen Betreuungsformen wie dem Regelkindergarten – der heute freilich nicht mehr die Regel ist – gehöre die Stadt künftig zu den teuersten. Hier sollte gelten, dass, wer eine besonders teuere Betreuungsform wählt, auch entsprechend dafür zahlt, meint Verena Reich.

„64 000 Euro bei Doppelverdienern sind kein Spitzenverdienst“

Der aktuelle Vorschlag sieht vor, nach sieben Jahren ohne Gebührenerhöhung den Elternbeitrag an den laufenden Kosten von 25 Millionen Euro jährlich von derzeit 7,4 Prozent zunächst auf neun und ein Jahr später auf zehn Prozent zu erhöhen. Die DFB-Fraktion, die den Antrag stellte, vergleicht die Situation mit Fellbach, wo der Deckungsgrad bei derzeit 13 und künftig bei 15 Prozent liege. Zweifel äußern Eltern auch am Sinn der Staffelung der Gebühren nach Einkommen, wobei die oberste Gruppe bei 64 000 Euro beginnt. Das sei kein Spitzenverdienst, schon gar nicht bei Doppelverdienern. Enttäuscht ist der Gesamtelternbeirat von der Vorgehensweise der Verwaltung: Mitte Februar sie er von Bürgermeisterin Christiane Dürr gebeten worden, die Meinungen der Eltern abzufragen. Die Zeit, sinnvoll zu reagieren, sei aber viel zu kurz gewesen. „Wir wären gerne über gemeinsame Lösungen ins Gespräch gekommen“, sagt GEB-Vorsitzende Lissy Theurer, „stattdessen wurde uns gesagt, dass alles schon beschlossene Sache sei“.

Der Fluch der guten Tat

Ein Kommentar von Redakteur Andreas Kölbl

Waiblingen stellt sich gerne als familienfreundliche Stadt dar, und angesichts millionenschwerer Investitionen und eines raschen Ausbaus der Kleinkinderbetreuung in den vergangenen Jahren darf man der Verwaltung und dem Gemeinderat unterstellen, dass sie es damit ernst meinen. Deshalb wurden die Gebühren auch sieben Jahre lang nicht angehoben. Eine gute Tat für die Familien in der Stadt. Der Plan, die Gebühren jetzt einmal wieder zu erhöhen, ist nicht an sich schon unzumutbar, sondern eine logische Folge der gestiegenen Kosten. Wer sich unter Eltern umhört, spürt schnell, dass Verständnis für moderate Erhöhungen vorhanden wäre. Regelmäßige Anpassungen ließen sich eben eher verschmerzen als eine massive, quasi nachholende Erhöhung nach längerer Karenzzeit. Gebührenfreiheit wie bei den Schulen jedoch ist ein Ideal, das eine Kommune nicht verwirklichen kann, ohne sich tief in Schulden zu stürzen. Da sind Bund und Länder gefragt, massiv Gelder zugunsten der Familien umzuschichten.

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