Waiblingen Feiern unter der Zirkuskuppel

Freuen sich aufs Fest und auf die Vorstellungen: Moderatorin Bianca Maatz (hockend, mit Weste) mit Artisten aus Kolumbien und Äthiopien. Foto: Palmizi/ZVW

Waiblingen. „Weihnachten bin ich zu Hause“, sang schon Roy Black. Was aber, wenn das Zuhause die Manege ist? Die Familie Sperlich, die den Waiblinger Weihnachtszirkus betreibt, feiert an Heiligabend gemeinsam mit Akrobaten aus der ganzen Welt. Mehr als 50 Leute kommen zur privaten Feier unter dem prächtigen Baum zusammen.

Die Artisten sind jedes Jahr andere, das hochverehrte Publikum verlangt schließlich nach Abwechslung. Sie stammen aus Äthiopien und der Ukraine, aus Kolumbien und Italien, im Kern aber ist der Waiblinger Weihnachtzirkus ein Familienbetrieb. Außer der Chefin Britta Sperlich, die als Sesshafte in Waiblingen aufgewachsen ist, wo ihre Eltern das Eisenwarengeschäft Zipperlen am Wasen hatten, leben und arbeiten während des Gastspiels rund 20 weitere Familienmitglieder aus vier Generationen bei der Rundsporthalle. Bis hin zur Uroma Rosel Sperlich, die mit rund 80 Jahren in der Pause noch Popcorn verkauft und früher als „Kautschuk-Frau“ ihren Körper so verbog, dass andere fast schon vom Zuschauen einen Hexenschuss bekamen.

Alle kochen und backen für das große Weihnachtsbuffet

Die Zirkusfamilie wirbelt hinter den Kulissen. Eine der wichtigsten Rollen kommt dem jungen Roy Sperlich zu, der als Zeremonienmeister für den reibungslosen Ablauf der Vorstellung verantwortlich ist. Funktionieren Licht oder Ton nicht richtig? Er ist der Mann, der der Technik auf die Sprünge helfen muss. Ist ein Gegenstand aus der Requisite plötzlich unauffindbar? Er muss für Ersatz sorgen. Im Rampenlicht steht hingegen Bianca Maatz, eine Cousine von Britta Sperlichs Mann Markus. Charmant führt die 34-Jährige als Moderatorin durch den Abend.

Auch vor der Premiere hatte sie alle Hände voll zu tun: Artisten vom Flughafen abholen; Sim-Karten besorgen, damit sie in die Heimat telefonieren können, den Haushalt im Wohnwagen erledigen und kochen, die drei Kinder von der Schule abholen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Einziges Mitglied der weit verzweigten Familie, das dieses Jahr in der Manege auftritt, ist Dompteur Nino Frank mit seinen Pferden und Kamelen.

Statt für sich in den Wohnwagen feiern an Heiligabend alle Familienmitglieder und Artisten gemeinsam im Gastro-Zelt, wo der rund sechs Meter hohe Weihnachtsbaum steht, den vor der Vorstellung oder in den Pausen alle bestaunen. Jeder kocht und backt und steuert etwas bei zum großen Buffet: Ente mit Knödeln und Rotkohl, Kartoffelsalat mit Fisch, italienische Spezialitäten und allerlei Süßspeisen. Besinnlich geht es zu bei dezenter Weihnachtsmusik, während an Silvester eine fette Party mit Salsa, Merengue und Feuerwerk steigt. Zur Bescherung gibt meistens einer aus der Festgesellschaft den Weihnachtsmann, der die bereitliegenden Geschenke verteilt. Nicht ohne vorher die Kinder zu fragen, ob sie schön artig waren, und sich ihre auswendig gelernten Gedichte anzuhören. Auf den Wunschzetteln standen die gleichen Wünsche wie bei anderen Kindern auch: eine Marken-Puppe, ein Hoverboard, ein Smartphone.

Wenig Zeit für Gottesdienste

Ein bisschen bedauert Bianca Maatz, dass das stressige Zirkusleben selten Zeit lässt für den Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes, der emotional für sie dazugehört zum Fest. Unbedingt ist der Mutter daran gelegen, den Kindern zu vermitteln, dass es an Weihnachten nicht primär um die Geschenke geht, sondern um die Geburt Jesu und ums besinnliche Beisammensein. Immer kommen auch auswärtige Familienmitglieder auf Besuch, die nur für eine Nacht oder ein paar Tage bleiben.

Wer alles kommt, zeigt sich erst am Abend. Zu Hause ist, wo die Familie ist. Wenn sie sesshaft wäre und zu Weihnachten unterwegs sein müsste, würde sie die eigenen vier Wände, die traute Umgebung wohl vermissen, meint Bianca Maatz, die aus einer fahrenden Theaterfamilie stammt. Weihnachten im Zelt, das ist für sie Normalität. „Ich kenne es gar nicht anders.“


Vorstellungen

Die Vorstellungen beginnen bis 5. Januar täglich um 15.30 Uhr und um 19.30 Uhr. An Heiligabend und an Neujahr ruht der Zirkusbetrieb. Am 6. Januar wird um 11 Uhr und um 15.30 Uhr gespielt.

Karten unter 01 60/5 07 54 72 oder 01 73/4 06 68 49.

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