Waiblingen/Fellbach Fahrrad-Parkhäuser machen Probleme

In Waiblingen steht das Fahrradparkhaus am Bahnhof schon – die Türen sind aber noch verschlossen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Fellbach/Waiblingen.
Die Eröffnung des Radhauses am Waiblinger Bahnhof wurde mehrfach verschoben. Ursprünglich sollte der „Biketower“ – so der mittlerweile verworfene Name – zur Gartenschau fertig sein. Im Sommer war dann von November die Rede, im November dann von Januar 2020. Auch diese Zeitmarke wurde beim Radhaus nicht erreicht. Nun soll die Testphase Mitte Februar starten, die offizielle Eröffnung ist für Ende März, Anfang April vorgesehen.

Auch in der Nachbarstadt Fellbach wird ein Fahrradturm gebaut. Und auch dort kam es zu Verzögerungen: Ursprünglich sollte der Turm hier schon Ende 2018 stehen, dann im Herbst 2019. Dann war von Ende 2019 die Rede. Mittlerweile wird ein genauer Eröffnungstermin von der Stadt Fellbach nicht mehr genannt, angepeilt wird der Frühsommer.

In einer Pressekonferenz erklärt die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys am Mittwoch, warum es immer wieder zu Verschiebungen des Bauvorhabens kam. Die Prüfungsphase sei „nicht ganz trivial“ gewesen, so Soltys. Den ursprünglichen Plan, die Fertigung einzelner Bestandteile des Parkhauses wie Fassade und Technik an separate Unternehmen zu vergeben, wurde verworfen. Grund: Das Projekt sei zu komplex. Darauf entschied man, alles aus einer Hand zu machen. Das sei, sagt die Baubürgermeisterin, einfacher: rechtlich und was die Beantragung der Fördermittel betrifft.

Am Freitag soll in Fellbach Baustart sein

In Fellbach hat man ein Schweizer Generalunternehmen mit der Planung und dem Bau des Turms mit den Fahrradstellplätzen beauftragt. In dem Unternehmen sind Koch & Partner, die Bike Parking Systems AG und Suter & Partner zusammengefasst. Alle drei Unternehmen sind miteinander durch eine Person verbunden: Toni Suter, der Mitinhaber von zwei der Unternehmen ist. Das dritte Unternehmen, Toni Suters eigenes Metallbauunternehmen Suter & Partner, baut zusammen mit der Fellbacher Stahlfirma Fritz Metallbau AG als Partner vor Ort den 16 Meter hohen Turm mit geplant 76 Fahrradparkplätzen. Der Turm soll auf einer Grundfläche von zwei Pkw-Parkplätzen stehen. Die Bodenplatte liegt bereits seit Wochen.

An diesem Freitag soll Baustart sein. Ob der Turm im Frühsommer eröffnet werden kann, ist allerdings noch nicht sicher. Erst muss das Parkhaus nach der Fertigstellung, die für Anfang April angedacht ist, eine mehrmonatige Testphase durchlaufen. Getestet wird die Benutzerfreundlichkeit und die Technik unter voller Auslastung. Ausgewählte Testpersonen dürfen dann das Parkhaus benutzen und bewerten. Das Feedback der Tester wird dann wieder in die Entwicklung eingespeist. Der Tüv wird eine Endabnahme machen und auch während der Bauphase immer wieder vorbeischauen, erklärt die Baubürgermeisterin.

Während in Waiblingen auf eine Hochregallager-Bauweise gesetzt wird, soll der Fellbacher Turm nach dem Paternoster-Prinzip funktionieren. Paternoster, nach dem katholischen Rosenkranz benannt, ist ein Aufzugsystem, das Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Einige werden noch die Aufzüge ohne Türen kennen, in die man bei voller Fahrt ein- und aussteigt.

Aber: Sowohl in Waiblingen als auch in Fellbach kämpft man mit der Umsetzung. In Waiblingen müssen Nutzer, wie berichtet, an einer halbstündigen Einweisung teilnehmen. Weil das Abstellen im Hightech-Parkturm sonst zu kompliziert ist, wie die Verwaltung meint. Zur Sammeleinweisung anmelden können sich Interessenten unter Tel. 0 71 51/50 01 25 10 oder per E-Mail an parkierungsgesellschaft@waiblingen.de.

Unterschiedliche Zugangssysteme: App und Karte

Während man in Waiblingen auf eine Parkkarte setzt, soll der Fellbacher Fahrradturm vorerst per eigener App bedient werden, die von dem Schweizer Generalunternehmen in Auftrag gegeben wurde. Obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben schon an mehreren Ausschreibungen für Fahrradparkplätze beteiligt ist, wird der Fahrradturm in Fellbach erst der Dritte sein, den das Unternehmen baut: Der eine steht als Prototyp auf dem Firmengelände, der andere in Root bei Luzern. Die App-Lösung ist aber auch für die Schweizer Neuland.

Viele Fragen sind laut Baubürgermeisterin Soltys noch offen, zum Beispiel: Was geschieht mit reservierten Parkplätzen, die nicht beparkt werden? Werden diese freigegeben oder muss der Nutzer dennoch zahlen? Und was soll das Parken kosten? Für den Fall, dass der Handyakku mal leer ist, will man ein Display anbringen. Per Code-Eingabe kommt der Fahrradbesitzer dann an sein Rad. Der Bau und die Entwicklung der App werden insgesamt rund eine Million Euro kosten. Etwa die Hälfte der Kosten deckt Fellbach durch Zuschüsse des Landes und der EU ab. Die Gesamtkosten könnten, laut der Baubürgermeisterin, auch noch leicht steigen.

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