Waiblingen Frau rettet Nachbarin das Leben

Bis der Notarzt eintraf, hat eine Frau ihre Nachbarin mit Hilfe eines Experten am Telefon reanimiert. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv).

Waiblingen. Eine Waiblingerin hat beherzt Erste Hilfe geleistet und somit womöglich dazu beigetragen, dass ihre Nachbarin nun in einem Krankenhaus liegt und eine Chance hat, zu überleben. Mit ihrer Geschichte hat sie sich an das DRK in Waiblingen gewandt. Sie will darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, im Notfall zu handeln, und wirbt dafür, öfter einen Erste Hilfe-Kurs zu besuchen. Sie fordert: „Traut euch!“

Es war am vergangenen Mittwoch. Die Frau hört aus dem Garten ihrer Nachbarin einen dumpfen Schlag. Laut fragt sie, ob sie helfen könne. Sie wählt den Notruf, die 112. Ein Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle in Waiblingen nimmt den Notruf entgegen. Wo der Unfall passiert ist? Welche Hausnummer hat ihr Nachbar? Das weiß sie in der Aufregung nicht. Mit dem Handy am Ohr schaut sie nach, informiert den Disponenten der Leitstelle. Instinktiv nähert sie sich dem Nachbarhaus. Im Garten sieht sie, dass ihr Nachbar einen Gartenunfall hatte. Doch es ist seine Frau, die sofort Hilfe benötigt.

Die Frau reanimiert mit Hilfe eines Experten am Handy ihre Nachbarin

Sie ist auf dem Boden zusammengebrochen, liegt dort wie tot, schildert die Ersthelferin später. Sie wird hektisch. Doch sehr schnell überwindet sie ihre Scheu und unternimmt den ersten entscheidenden Schritt, wie sie rückblickend sagt. Unterstützt wird sie die gesamte Zeit über vom Mitarbeiter der Leitstelle. „Dieser Mann war für mich da. Das fand ich klasse.“ Der Mann erklärt ihr am Telefon, was sie machen muss: die Frau auf den Rücken drehen, den Kopf überstrecken und reanimieren, sprich eine Herzdruckmassage durchführen.

Zum Glück hat sie erst im vergangenen Jahr einen Erste- Hilfe-Kurs beim DRK besucht, auf Anregung ihrer Freundin. Sie folgt nun den telefonischen Anweisungen, kämpft mit dem BH der Nachbarin, denn der Oberkörper muss frei sein, erläutert der Leitstellen-Disponent. Fünf Zentimeter tief müsse sie auf den Brustkorb drücken und dabei die Arme strecken. Er gibt den Rhythmus vor. Sie reanimiert ihre Nachbarin, wie sie es bei dem Erste-Hilfe-Kurs gelernt hat. Der Ehemann der Nachbarin kann sie nicht unterstützen. Er ist gestürzt. Seine Frau wollte ihm zu Hilfe kommen und brach dabei anscheinend zusammen. Auch er ist verletzt.

"Ich hoffe, meine Nachbarin schafft es!"

Weil die Nachbarin zuweilen wieder röchelt, spürt die Ersthelferin, dass sie mit ihrer Hilfe das Richtige unternimmt. Sie hat das Handy auf laut gestellt und kann mit dem Experten in der Leitstelle sprechen, der präzise Anweisungen gibt und beruhigend und bestärkend wirkt. Er informiert die Ersthelferin, dass sich der Rettungswagen nähert und der Notarzt unterwegs ist. Weil zwei Personen Hilfe benötigen, wurde ein zusätzlicher Rettungswagen geordert. Bis die Profis eintreffen, reanimiert die Frau weiter. „Heute ist mir bewusstgeworden, wie wichtig eine Ersthelfer-Ausbildung ist.“ Dank ihrer Hilfe und den professionellen Maßnahmen durch Notarzt und Notfallsanitäter konnte die Nachbarin mit einem eigenen Puls ins Krankenhaus geliefert und operiert werden. „Ich hoffe, meine Nachbarin schafft es!“

„Ich wollte, dass sie lebt. Aufgeben kam nicht infrage“, sagt sie. Weil ihr bewusstgeworden ist, wie schnell man in die Lage kommen kann, Hilfe leisten zu müssen, hat sie eine klare Botschaft: „Traut euch!“ Gemeinsam mit dem Rettungsdienst und den Ausbildern des DRK will sie einen Tag nach dem Unfall ein Zeichen setzen, wie wichtig die Laienreanimation ist. Sie legt allen Menschen ans Herz, zeitnah einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Sie fragt sich, was passieren würde, wenn sie umkippt. Wer kann ihr helfen?

Das können eben Nachbarn, Familie und Freunde sein. Und im besten Fall wissen auch diese nach einem Kursbesuch, was im Ernstfall zu unternehmen ist.

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