Waiblingen Fußgängerwege auf dem Prüfstand: Woran hakt es?

Die Fußgänger und die Fußwege in der Stadt rücken in den Fokus. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Staus, Abgase, Parkplatznot: Dass das Auto nicht das allein seligmachende Fortbewegungsmittel ist, ist mittlerweile fast überall Konsens. Der Ausbau der Radwege und die besseren Angebote bei Bussen und Bahnen stehen deshalb auf der Agenda. Doch nun rücken auch die Fußgänger in den Fokus: Die Wege und Wegebeziehungen in Waiblingen sollen in einer groß angelegten Untersuchung auf den Prüfstand kommen. Die Stadt will sich am Fußverkehrs-Check des Landes beteiligen.

Bereits vor einem Jahr hat der Gemeinderat die Teilnahme am Fußverkehrscheck des Verkehrsministeriums beschlossen. In diesem Jahr hätte die Untersuchung starten sollen, bei der Bürger und Stadtverwaltungen in moderierten Workshops und Begehungen gemeinsam die Stärken und Schwächen des Fußverkehrs in zwei Quartieren erfassen sollten. Danach sollen Vorschläge entwickelt werden, wie die Fußwege attraktiver und sicherer gestaltet werden können.

Nun aber zeigt es sich: Die Untersuchung lässt auf sich warten. Es hakt im Ministerium.

Wer immer nur im Auto sitzt, kennt keine Stolperfallen

„Für 2020 gibt es noch keine Ausschreibung des Verkehrsministeriums“, sagt Baubürgermeister Dieter Schienmann auf Anfrage. Die aber ist die Voraussetzung für die Bewerbung der Städte, die dazu ein Konzept vorlegen müssen. Denn nicht jede Kommune, die sich beteiligen will, kommt zum Zug. „Man muss ein Konzept über die Mängel vorlegen, um die es gehen soll“, erklärt der Baubürgermeister.

Auch kommt aus verständlichen Gründen nicht die gesamte Stadt auf den Prüfstand, sondern nur klar abgesteckte Bereiche werden untersucht. Welche dies in Waiblingen sein sollen, steht noch nicht fest.

Schon jetzt meint der Baubürgermeister aber: „Im Bereich Verkehrsanlagen gibt es immer Verbesserungspotenzial.“ Die Anforderungen änderten sich ständig. Die Überprüfung sei deshalb sinnvoll.

Ein wesentlicher Teil des Fußgängerwege-Checks ist die Bürgerbeteiligung. Denn zu Wort kommen sollen die, die auf den Gehwegen unterwegs sind und die Schwachstellen der Verbindungen, Überwege und Fußgängerführungen kennen. Wer immer nur im Auto sitzt, kennt keine Stolperfallen, ist selten von wilden Gehwegparkern genervt und unterschätzt möglicherweise die Bedeutung beleuchteter Wege beim Nachhausegehen in der Nacht. Oder, wie Baubürgermeister Schienmann sagt: „Diejenigen, die den Weg täglich laufen, haben das beste Wissen.“ Gemeinsam sollen Bürger, Gemeinderat und Stadtverwaltung deshalb die Situation des Fußverkehrs vor Ort beurteilen. In Workshops und Begehungen sollen die Menschen die Stärken und Schwächen im Fußverkehr erfassen und Vorschläge erarbeiten, wie die Wege zu Fuß künftig noch attraktiver und sicherer gestaltet werden können.

Zufußgehen stärker ins Bewusstsein rücken

Letzten Endes sollen die Fußverkehr-Checks dazu beitragen, das Zufußgehen in der Stadt stärker in das Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft zu rücken. Eine neue Gehkultur im Land soll entwickelt werden. Schließlich gibt es viele Gründe, zu Fuß zu gehen. Unter anderem hilft es beim Abschalten, macht gute Laune und wirkt sich Studien zufolge positiv auf Lebensdauer und -qualität aus.

2019 hatten sich Freudenberg, Heidelberg, St. Leon-Rot, Linkenheim-Hochstetten, Möglingen, Leinfelden-Echterdingen, Wannweil, Reutlingen, Tuttlingen und Leutkirch beteiligt. Start für Waiblingen wird Baubürgermeister Dieter Schienmann zufolge nach dem verzögerten Ausschreibungsverfahren das Jahr 2021 werden.

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