Waiblingen Gedenken für Berta Kahn

Gedenken der Stadt Waiblingen an den 70. Jahrestag des ersten Zuges, der vom Waiblinger Bahnhof mit zu deportierenden Juden um 10.33 Uhr abgefahren ist. Am Stolperstein von Berta Kahn legt der Waiblinger OB Andreas Hesky eine Rose nieder. Foto: Steinemann

Waiblingen. Montag, 10.33 Uhr, Gedenkstunde vor dem Haus Ludwigsburger Straße 45. Auf dem in der Straße eingelassenen „Stolperstein“ legt OB Andreas Hesky eine Rose für Berta Kahn nieder. Auf die Minute genau vor 70 Jahren fuhr am Waiblinger Bahnhof der Zug ab, mit dem die letzte Waiblinger Jüdin nach Stuttgart gebracht wurde, wo ihre Deportation nach Riga begann.

Vor 70 Jahren begannen die Deportationen von Juden aus Württemberg. Berta Kahn, die 36 Jahre in Waiblingen gelebt hatte, war eine der ersten, die am 1. Dezember 1941 unter erbärmlichen Bedingungen in einem unbeheizten Zug vom Stuttgarter Nordbahnhof nach Riga geschafft wurde.

Nach allem, was man heute weiß, waren Berta Kahn und ihre Familie in Waiblingen anerkannt und geschätzt. Ihr Mann war ein bei den Bauern beliebter Viehhändler. Zeitzeugen erinnerten sich später so: „Die haben wir in erster Linie nicht als Juden wahrgenommen, sondern als Menschen und Mitbürger. Unsere Waiblinger Juden, das waren gar keine Juden, das waren eigentlich Waiblinger“. Letztlich nützte den Verfolgten aber das gute Ansehen nichts. Denn die Waiblinger Behörden erfüllten brav und gehorsam die unmenschlichen Gesetze und Anweisungen von oben. Es begann mit schrittweiser Entrechtung und Herabwürdigung, wie etwa durch das Tragen des Judensterns. Wollte Berta Kahn die Stadt verlassen, um ihrer Mutter in Heilbronn bei der Kartoffelernte zu helfen, musste sie beim Bürgermeisteramt einen Antrag stellen.

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