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Waiblingen/Göppingen Volksbanken-Fusion ist geplatzt

Volksbank Filiale Schorndorf. Foto: Bernhardt / ZVW

Waiblingen/Göppingen. Das große Fusionieren unter den Volksbanken im Lande ist zwar seit Jahren voll im Gang – aber manchmal platzt ein Projekt: Die Stuttgarter und die Göppinger haben ihre Verschmelzungspläne jetzt ad acta gelegt. Noch vor wenigen Monaten schien die Elefantenhochzeit beschlossene Sache. Chronik einer überraschenden Wende.

„Die Volksbank Stuttgart eG und die Volksbank Göppingen eG beenden nach mehrmonatigen Verhandlungen ihre Fusionsgespräche“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Gleichzeitig wurde vereinbart, dass in mehreren Geschäftsfeldern künftig intensiver zusammengearbeitet werden soll.“ Noch vor wenigen Monaten hatte das deutlich anders geklungen.

Noch im Juli: "Gemeinsam in eine gute Zukunft"

Im Juli 2017 gaben die Vorstände der beiden Banken bereits ein Ehe-Motto aus: „Gemeinsam in eine gute Zukunft“. Die Verhandlungen begannen, eine Elefantenhochzeit bahnte sich an: hier die Volksbank Stuttgart, entstanden durch die Fusion der Stuttgarter Volksbank und der Volksbank Rems (die ihrerseits bereits ein Schmelzgebilde aus den Banken Winnenden, Waiblingen und Schorndorf war) und mittlerweile noch weiter gewachsen durch die Eingemeindung der Volksbanken Weinstadt, Korb und Kernen; da die Volksbank Göppingen, die seit den 70er-Jahren die Banken Eislingen, Bartenbach, Holzheim, Jebenhausen, Wäschenbeuren, Adelberg, Zell, Hattenhofen, Heiningen, Eschenbach, Donzdorf, Geislingen, Ebersbach, Boll und Schlat geschluckt hat.

Entstehen sollte eine Volksbank mit über neun Milliarden Euro Bilanzsumme, bundesweit eine der größten.

Erste Störgeräusche im September

Im September 2017 wurden allerdings Störgeräusche öffentlich. Die Göppinger Zeitung „NWZ“ berichtete vom „Brandbrief“ des ehemaligen Vorstands der Göppinger Volksbank: Peter Aubin, seinerzeit bereits seit drei Jahren im Ruhestand, warnte mit ungewohnt harschen Worten, die Göppinger Bank werde sich „aufgeben“ und „von der Volksbank Stuttgart schlucken“ lassen. 

„Anders lässt sich der Zusammenschluss mit dem dreimal größeren Partner nicht werten", so Aubin. "Das bedeutet für Göppingen den Totalverlust der eigenen Kultur und Identität und damit die Selbstaufgabe als besonders risikoarme, kapitalstarke, liquide, innovative und kundenorientierte Bank mit flacher Hierarchie und schlanken Prozessen“. Letztlich heiße das nichts anderes, „als dass die Volksbank Göppingen durch Filialen der Volksbank Stuttgart ersetzt wird“.

Oktober: Fusionszeitplan sei "zu ambitioniert"

Anfang Oktober folgte eine neue Wasserstandsmeldung. Die Stuttgarter und Göppinger Bankvorstände erklärten zunächst ausführlichst, was alles sich gut anließ: Die Fusionsverhandlungen „verlaufen seit der Ankündigung am 21. Juli 2017 sehr konstruktiv und zielführend“, die „vertrauensvoll geführten Gespräche haben bestätigt, dass zur Stärkung der genossenschaftlichen Bankengruppe in unserer Wirtschaftsregion eine Bündelung der Kräfte überaus sinnvoll ist“, die „Zusammenführung zweier erfolgreicher Volksbanken ist auf die langfristige Stärkung der genossenschaftlichen Marktposition in unserer Wirtschaftsregion ausgerichtet, von der alle Kunden, Mitglieder sowie Mitarbeiter profitieren können“.

Der eigentliche Nachrichtenkern der Mitteilung aber lautete: Der ursprünglich ins Auge gefasste Fusionszeitplan sei zu „ambitioniert“ gewesen – die Vertreterversammlungen zur Absegnung der Verschmelzung würden auf Februar 2018 verschoben.

"Türen gegenseitig offenhalten"

Und nun also das vorerst letzte Kapitel der Geschichte; 13. November 2017: Die Verhandlungen, heißt es wieder, „verliefen äußerst vertrauensvoll, zielführend“ und „stets auf Augenhöhe“, die „Chancen und Synergien des Zusammenschlusses konnten im Anfangsstadium der Gespräche zügig herausgearbeitet werden“ – dann aber folgt der entscheidende Satz. „Nachdem kein abschließendes, gemeinsames Zielbild vereinbart werden konnte, verständigten sich die Vorstände beider Institute darauf, die Fusionsverhandlungen zu beenden und dafür die Zusammenarbeit in bestimmten Geschäftsfeldern wie dem Kreditgeschäft zu intensivieren.“

In der aktuellen Pressemitteilung kommentieren die Vorstände beider Institute das Ende der Fusionsgespräche: „Vor dem Hintergrund der mittelfristig zu erwartenden strukturellen Veränderungen in der genossenschaftlichen Gruppe halten wir es unverändert für sinnvoll, die Türen gegenseitig offen zu halten.“ Die Verantwortlichen beider Banken seien „weiterhin von der grundsätzlichen Notwendigkeit einer Bündelung der genossenschaftlichen Kräfte überzeugt. Aus diesem Grund schließen wir eine weitergehende Zusammenarbeit in Zukunft auch nicht aus.“

Kooperation statt Fusion

Hat bei dieser Wende das Kraftwort des ehemaligen Göppinger Bankchefs und Meinungsmachers Aubin womöglich eine Schlüsselrolle gespielt? „Überhaupt nicht“, sagt Matthias Layher, Pressesprecher der Volksbank Stuttgart. Es habe sich einfach gezeigt, dass es momentan noch „zu unterschiedliche Vorstellungen in der Unternehmenssteuerung“ gebe. Von gescheiterten Gesprächen aber, von einer geplatzten Zusammenarbeit könne keine Rede sein. „Wir ersetzen die Verschmelzung durch Kooperation“, zu einer Fusion komme es „noch“ nicht. Die jetzt gewählte Lösung sei ein „Zwischenschritt“.
 

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