Waiblingen Großbaustelle am Stihl-Stammsitz

Drohnenaufnahme vom Abriss (Stand vor etwa zehn Tagen). Foto: Stihl

Waiblingen.
Wie fernes Donnergrollen dringen dumpfe Schläge durch das eng eingeschnittene Remstal und hinauf ins Neustädter Unterdorf. Unüberhörbar laufen die Abrissarbeiten beim Stihl-Werk eins auf Hochtouren. Bis Ende 2022 entsteht am Stammsitz des Motorsägenherstellers die neue „Markenwelt“ mit Museum. Rund 100 Millionen Euro werden dafür investiert. Ein immenser logistischer Aufwand: Nicht zuletzt mussten rund 350 Mitarbeiter an andere Standorte „umziehen“.

Derzeit beißen und zerren die Abrissbagger an den Überresten der alten Produktionshalle für die Kunststofffertigung, in der seit rund 20 Jahren die Produktausstellung für Besuchergruppen untergebracht war und Händlerschulungen stattfanden. Das Gebäude wird einschließlich Grundmauern abgerissen, auf der bestehenden Bodenplatte wird später die neue „Markenwelt“ entstehen. Auf der anderen Seite des entkernten Hochhauses geht Stück für Stück der Sitz des Betriebsrats in die Knie. Ein starker Magnet zieht alles Metall aus dem Bauschutt heraus und sammelt es auf einem Haufen. Wertvoller Rohstoff, der eingeschmolzen neu verwertet wird. Der Schutt wird zu Schotter verkleinert. Seit November laufen die Abbrucharbeiten.

Nach fast 50 Jahren war eine Sanierung unausweichlich

Das sechsstöckige Hochhaus als Wahrzeichen der Weltfirma bleibt stehen, wird aber bis aufs steinerne Skelett entkernt. Innen ist schon jetzt fast bis auf den Rohbau-Zustand zurückgebaut. Ende Februar, das kündigt Hubert Kieweg als Gesamtprojektverantwortlicher an, wird das Gerüst hochgezogen - die Fassade wird entfernt. Errichtet wurde das Haus mit der Vorstandsetage im Jahr 1972, eine energetische und brandschutztechnische Sanierung war nach fast fünf Jahrzehnten dringend erforderlich.

Bevor die Bauarbeiten richtig beginnen konnten, waren seit Oktober 2017 umfangreiche Vorbereitungen nötig. Die Baugenehmigung erteilte die Stadt Waiblingen im September 2019. Rund 350 Mitarbeiter zogen um ins Werk zwei und nach Fellbach ins neue „Werk acht“ an der Höhenstraße in Fellbach. Dort auf dem ehemaligen Lechler-Areal haben die Neustädter insgesamt 9400 Quadratmeter Fläche auf fünf Geschossen angemietet.

Neben modernen Büro- und Besprechungsräumen wurde auch eine betriebseigene Kantine errichtet. Das Stammhaus hat in Deutschland bereits sieben Werke, davon drei in Waiblingen, zwei in Ludwigsburg und jeweils eins in Prüm-Weinsheim und Wiechs am Randen. Von den Bauarbeiten nicht beziehungsweise nur indirekt betroffen sind die Produktionsstätten flussabwärts am Werk eins mit etwa 350 weiteren Arbeitsplätzen. Dort am Bauzaun lässt sich an einem Musterbau die Gestaltung der späteren Fassade erkennen.

Dreistöckiges Containergebäude für Baubüros und Arbeiter

Ein Provisorium der anderen Art entstand bei den Parkplätzen des Werks eins: Ein dreistöckiger Bau aus Container beherbergt die rund 30 Büros der Bauleitung und Kontrolle sowie Tagesaufenthaltsräume für die Arbeiter. Derzeit sind auf der Baustelle nur etwa 15 Arbeiter zugange, in der Spitzenphase des Ausbaus der neuen Gebäude werden es nach Angaben von Hubert Kieweg rund 400 sein. Bis dahin wird noch etwas Wasser die Rems hinunterfließen, zunächst folgt der Hochbau. Der Spatenstich ist auf den 26. März 2020 terminiert.

Herzstück des Projekts wird die neue „Markenwelt“ mit fast 5000 Quadratmetern. Sie umfasst verschiedene Bereiche wie Produktausstellung, Vorführfläche, Mustershop sowie ein Museum mit Café. Im Erdgeschoss wird sich die Produktausstellung befinden, im ersten Obergeschoss werden Innovationen präsentiert und im zweiten die Geschichte des Unternehmens und der Marke Stihl.

Umgesetzt wird dabei der Entwurf von BFK Architekten aus Stuttgart. Zielgruppe sind wie bisher Händler und Partner – nicht die allgemeine Öffentlichkeit. Jedoch werden alle baulichen und infrastrukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Museum eines Tages allgemein zugänglich werden kann. Zumindest die Option also hält sich der Weltkonzern offen.

Anders als ursprünglich geplant, wird im Rahmen des Projekts auch noch das Nebengebäude des Hochhauses zurückgebaut. Dieses wird als Verwaltungsgebäude mit Betriebsrestaurant neu errichtet.

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