Waiblingen Große Freude über das Forum Süd

Waiblingen. Die Nähgruppe hat ihren neuen Raum im Gartengeschoss des Martin-Luther-Gemeindehauses bereits bezogen – ein Stand mit einer bunten Auswahl von Taschen und Beuteln bei der großen Eröffnungsfeier am Samstag bewies, dass sich die Kreativen im brandneuen Forum Süd wohlfühlen. Das Zentrum soll ein Ort sein, der den Charakter des Stadtteils widerspiegelt.

Er habe beinahe selbst angefangen zu nähen, nachdem er die Räume gesehen hatte, scherzte Oberbürgermeister Andreas Hesky bei der Eröffnung. Bis zu der war es ein langwieriger Prozess: Seit vielen Jahren ist das Stadtteilzentrum geplant, frühere Entwürfe für einen Neubau an der Jesistraße scheiterten aus Kostengründen. Erst das Angebot der evangelischen Kirchengemeinde, die einen Mitmieter für das Martin-Luther-Gemeindehaus suchte und damit auf die Stadt zukam, brachte neue Hoffnung (wir berichteten). Mehr als zwei Jahre und viele Eingeständnisse auf beiden Seiten später öffnete das neue Bürgerzentrum im Martin-Luther-Haus an diesem Samstag endlich seine Türen.

In den meisten Punkten hat die Stadt ihren Anspruch auf größtenteils von der kirchlichen Nutzung losgelöste Räume durchgesetzt. „Für die Evangelische Kirche war es keine leichte Entscheidung, sich zurückzuziehen und der Stadt das Haus zu überlassen“, sagte Hesky. „Dabei war immer klar, dass die Kirche nach wie vor Eigentümerin ist, der Kirchenraum der Kirche vorbehalten bleibt und natürlich auch die Nutzung dieses Raumes nach dem Gottesdienst.“

Ein Experiment, aber keine halbe Sache

Das Bürgerhaus befindet sich vorerst in einer fünfjährigen Probephase, ist somit zwar ein Experiment, aber keine halbe Sache, betont Hesky: „Ich habe schon gehört, dass manche von einem „Provisorium Forum Süd“ sprechen. Das ist zweitrangig. Denn es geht nicht um die Hülle, sondern um den Inhalt. Und niemand kann behaupten, dass man sich hier nicht wohl, zu Hause und beheimatet fühlen kann.“ Wie groß die Freude über die Eröffnung ist, zeigten die rund 180 Gäste, die den Saal des neuen Forums füllten, sowie die zahlreich anwesenden Vertreter der Stadt und der Kirchengemeinde. Oberbürgermeister Andreas Hesky und Dekan Timmo Hertneck brachten ihre große Freude über diesen gelungenen Start des Projekts zum Ausdruck.

„Es sieht aus wie bei einer Hochzeit“, freute sich Stadtteilmanagerin Monika Niederkrome: Die weißen Wände des Martin-Luther-Hauses erstrahlten in der Frühlingssonne, Tulpen und Primeln schmückten den Saal. Die junge Waiblinger Klaviervirtuosin Elisa Sander eröffnete die Veranstaltung mit einer beeindruckenden Darbietung von Mozarts „Rondo alla Turca“, die Stimmung war feierlich. Es galt schließlich auch, eine neue Partnerschaft einzugehen: die von Stadt und evangelischer Kirche zum Wohle dieses Bürgerhauses.

„Das Forum Süd im Martin-Luther-Haus ist der Beweis, dass es trotz der Trennung von Kirche und Stadt ein sehr gutes Miteinander und Einvernehmen geben kann“, ist sich Oberbürgermeister Andreas Hesky sicher. „Wir beide, Kirche und Stadt, haben die Aufgabe, uns um die Menschen zu kümmern. Das können wir in gemeinsam genutzten Räumen tun, in konstruktiver Abstimmung und in gegenseitigem Vertrauen.“ Auch für Dekan Timmo Hertneck hat das Miteinander alleroberste Priorität. Er erinnerte an die Herkunft des Wortes „Forum“: der Platz im Zentrum jeder römischen Stadt, auf dem Kultur, Politik und eben auch Religion ganz nah beieinanderlagen und im ständigen Austausch standen. Eine Nutzung in diesem Sinne wünscht er sich auch fürs Forum Süd. „Ein Ort für buntes Gruppenleben, Diskussionen, Kultur – Menschen aller Religionen sollen sich in diesem Raum wohlfühlen“, so Hertneck.

Rinnenäcker-Grundschüler singen von Vielfalt und Toleranz

Bevor die vor dem Gebäude frisch gepflanzte Esskastanie zur Einweihung der neuen Stätte symbolisch mit einem Pflanzring versehen wurde, gab es noch mehr musikalische Unterhaltung durch den Chor der Rinnenäcker-Grundschule, der in seinen Liedern die Themen Vielfalt und Toleranz auf rührend kindliche Weise dem Publikum nahebrachte. Dann unterhielt der Chor der „Pop-Collection Waiblingen“ mit Songs von Jessie J's „Flashlight“ bis zu Frank Sinatras „Fly me to the Moon“.


Vielfältiges Angebot

Im Forum Süd werden neben der erwähnten Nähwerkstatt noch viele andere Kurse und Gruppen angeboten. So gibt es eine Spielgruppe für Kinder aus dem Stadtteil. Die Arbeitsgruppe „Öffentlichkeitsarbeit und Projekte“ gibt eine eigene Stadtteilzeitung heraus. Auch Sprach- und Lernpatenschaften werden angeboten.

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