Waiblingen Großer Flohmarkt im Bürgerzentrum

Waiblingen. Dinge, die man geschenkt bekommen hat, aber nicht verwenden kann. Innig geliebtes Geraffel, das seit Jahren im hintersten Eck des Kellers vor sich hinstaubt: Der Flohmarkt im Bürgerzentrum präsentierte sich wieder als begnadete Halde für Haushaltströdel und betagte Kleiderschrankschätze. Im Vergleich zu den Vorjahren ließ die Besucherzahl zu wünschen übrig.

Voller Stolz zeigt Bernhard Haas zwei Raritäten an seinem über und über mit historischem Werkzeug beladenen Stand. „Eine elektrische Kaffeemühle aus dem Jahr 1940 und eine Schnupftabakmaschine, sogar mit Pinsel zum Nasereinigen.“ So hofft er auf Kunden: „Wir haben zwei Wochen lang einen Haushalt in der Verwandtschaft aufgelöst, es wäre schade um die Sachen.“ Ein Schwenk mit dem Auge erfasst jede Menge volle Tische, Kartons und Kisten: Schallplatten ohne Hülle, eine Gitarre mit Tasche zum Spezialpreis, Keramikbackformen, Brettspiele, allerlei Nippes aus Glas, Kaffeemühlen, Bücher und ein Samowar zum Teeaufbrühen. Manche Standbetreiber strukturieren ihren Trödel, platzieren auffällige Hingucker, sorgen für optische Köder. An manchem Stand lädt eine Schuhschachtel mit „Krimskrams“ zum Kruschteln ein - viele bleiben hängen und nehmen auch die Gläsersammlung, die Leib-Rückenbandage und Eishockeystiefel wahr.

Hochwertige Antiquitäten sind recht schwer verkäuflich

„Was mir selbst auffallen würde und woran ich nicht vorbeilaufen könnte, das stelle ich nach vorne“, meint Standbetreiberin Nadine Demantke. Auch in ihrer Familie wurde „kräftig ausgemistet“ und sortiert: „Spielsachen und Deko auf die eine Seite, Porzellan getrennt auf die andere Seite, wertvolle Erbstücke in die Mitte“, beschreibt Mutter Edith Demantke. Ihre vier Enkel sind dabei, einer schläft im Kinderwagen. „Den wollte auch schon jemand kaufen, bis er gesehen hat, dass unser Kind drinliegt“, erzählen sie heiter-vergnügt. Die ganze Familie erlebt den Flohmarkt erstmals aus Verkäuferperspektive. „Wir brauchen die Sachen nicht, wollen sie aber nicht wegwerfen“, erklären sie die Motivation. Sie hätten keine Gewinnabsichten, der Erlös komme in die Familienkasse. Nur bei Omas Erbstücken ist Schluss mit nachsichtig: „Warum zwölf Euro?“, versucht ein Kunde ungläubig, fast vorwurfsvoll, den Preis für ein altes Tischfeuerzeug um die Hälfte zu drücken. „Weil es schön ist und es es wert ist, darum!“, gibt Verkäuferin Edith Demantke ihm mit charmantem Humor zu verstehen.

Auch Hannelore Zeidler aus Esslingen ist „ein bisschen der Kragen geplatzt“. Ein Wildleder-Pelzmantel, der angeblich 1000 Euro gekostet hat, sei einer Frau für 30 Euro zu teuer gewesen. „Dann behalte ich ihn lieber selbst, verschenken möchte ich ihn nicht“, berichtet sie. Ein Mann habe ihn dann noch gekauft: „Er meinte, dass er ihn für ein Fotoshooting perfekt gebrauchen kann.“ Die 120 Jahre alte Lenzkirch-Buffetuhr aus Nussbaumholz diene hier eher als Hingucker - „antike hochwertige Ware ist auf dem Flohmarkt schwer verkäuflich, viele wollen billig einkaufen“, sagt die Frau aus Esslingen. „Ein bisschen Handeln“ gehöre zum Flohmarkt, findet Ehepaar Binder aus Mutlangen. Doch immer häufiger werde Handeln gleichgesetzt mit Preisdumping. „Viele erkennen den Wert der Sachen nicht mehr“, stellen sie fest. Die Flohmarktkenner sind nach der ersten Stunde längst über alle Berge. „Die stehen pünktlich bei Hallenöffnung da und wissen genau, was sie suchen“, weiß die Veranstalterin. Der Flohmarktbummel am späteren Vormittag zieht eher die spontanen Genussbummler an.


Hallenflohmärkte

Der Flohmarkt wird seit 15 Jahren vom Ehepaar Haslbauer aus Stuttgart veranstaltet. „Angeboten wird gemischte Trödelware, es ist für jeden etwas dabei“, sagt Veranstalterin Cornelia Haslbauer. Rund ein Fünftel der Verkäufer seien Stammgäste: Manche haben ihre festen Platznummern bestellt. Wetterbedingt blieben rund 20 Plätze leer. „Etwas enttäuscht sind wir verglichen mit früheren Jahren“ so die Veranstalter.

Für Hallenflohmärkte, die sie außer in Waiblingen auch in Winnenden, Esslingen, Stuttgart und weiteren Kommunen veranstalten, verlangen sie eine Eintrittsgebühr. Cornelia Haslbauer erklärt dies mit den Kosten für Strom und Technik, die bei Freiluftflohmärkten entfallen.

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