Waiblingen/Stuttgart. Im Fall der Waiblinger „Disco-Messerstecherei“, bei der im vergangenen Mai zwei Personen verletzt wurden, hat das Oberlandesgericht am Freitag ein Urteil gesprochen. Es sieht die Schuld der Angeklagten als erwiesen.

Die Beweislage war für die fünf Angeklagten letztlich zu erdrückend. Neben Videoaufnahmen vom Tathergang wurden die fünf Männer zwischen 21 und 42 Jahren auch durch Zeugenaussagen belastet und schließlich geständig. Der Hauptangeklagte muss nun mit einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen versuchten Totschlags und gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung rechnen. Drei weitere Mitangeklagte sind zu Bewährungsstrafen, ein Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Der Tathergang: Am 5. Mai 2012 wollen der 29-jährige Braco R. und der 37-jährige Johann H. aus Fellbach (Namen geändert) gegen 2.50 Uhr in die Discothek B 2, doch nachdem ihnen der Eintritt verwehrt wird, eskaliert die Situation. Es kommt auf dem Parkplatz vor der Discothek zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Eine Gruppe von neun Personen drängt die abgewiesenen Gäste mit Tritten und Schlägen vom Parkplatz Richtung Düsseldorfer Straße, wie die Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen. Der 42-jährige Haupttäter verletzt die beiden Gäste im Laufe der Auseinandersetzung mit einem Klappmesser erheblich. Auf den 37-Jährigen sticht der zu diesem Zeitpunkt unter erheblichem Alkohol- und Drogeneinfluss stehende 42-Jährige gleich viermal ein. Er verletzt ihn an Brustkorb, Schulter und Hand und hinterlässt unter anderem eine circa 16 Zentimeter lange und sechs Zentimeter tiefe Wunde an der Brust des Opfers. Es ist Johann H., der den Türsteher zu der Auseinandersetzung auffordert. Im Laufe des Prozesses hat er das auch keineswegs verleugnet. Doch wie er anschließend gleich von einer neunköpfigen Gruppe traktiert wurde, stehe nach Ansicht der Richterin in keinem Verhältnis. Denn selbst als Johann H. bereits vier Messerstiche erlitten hatte, sei er von den Angreifern erneut traktiert worden. Nur dem 42-jährigen Haupttäter konnte der zweifache versuchte Totschlag nachgewiesen werden. Drei weitere Mitangeklagte wurden wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu jeweils einem Jahr und zehn Monaten, einem Jahr und fünf Monaten sowie einem Jahr Haft verurteilt. Allerdings ausgesetzt zur Bewährung, deren Zeitraum sich auf jeweils drei Jahre beläuft. Zu den Bewährungsauflagen zählen auch 70 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie in einem Fall ein Anti-Aggressions-Training. Dass vier der fünf Angeklagten bisher nicht straffällig geworden sind und im Laufe des Prozesses ein Geständnis ablegten, wirkte sich mildernd auf das Urteil aus. Beim 42-jährigen Haupttäter komme hinzu, dass seine Steuerungsfähigkeit aufgrund des erheblichen Alkohol- und Drogenkonsums teilweise eingeschränkt gewesen sei. Dennoch sprach die Vorsitzende Richterin von einer besonderen Schwere der Schuld. Der Angeklagte habe die Tötung der beiden Opfer billigend in Kauf genommen und mit zeitlichem Abstand beide mit einem Klappmesser attackiert. Gegen das Urteil können die Anwälte der Angeklagten innerhalb einer Woche Berufung einlegen.