Waiblingen Haftstrafe für notorischen Betrüger

Symbolbild. Foto: Schneider / ZVW

Waiblingen. Ein notorischer Betrüger ist am Amtsgericht Waiblingen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Mann sitzt bereits im Gefängnis, unter anderem, weil er einen Kontrahenten mit dem Auto hatte überfahren wollen.

Warum der 37-Jährige vor vielen Jahren in finanzielle Schieflage geriet, wird am Amtsgericht nicht thematisiert. Fakt ist: Der gelernte Koch sammelt seit 16 Jahren Einträge in sein Strafregister, die überwiegende Mehrzahl sind Betrügereien aus der Motivation heraus, Dinge zu besitzen, die er sich eigentlich nicht leisten kann.

Seit September 2017 nicht mehr auf freiem Fuß

Mehrfach war der Mann aus dem Rems-Murr-Kreis deshalb schon im Gefängnis. Zurzeit sitzt er eine Haftstrafe ab, zu der er wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und versuchter Körperverletzung verurteilt wurde. Er hatte nach einer Prügelei seinem Kontrahenten mit dem Auto aufgelauert und war in der Dunkelheit ohne Licht mit seinem Auto auf diesen zugerast. Mit einem Sprung zur Seite rettete sich der Mann. Der 37-jährige Koch kam im September 2017 in Untersuchungshaft und ist seither nicht mehr auf freiem Fuß. Ein Jahr und sechs Monate brummte ihm der Richter im Dezember 2017 auf.

Nun wird diese Haftstrafe noch einmal verlängert. Aus dem Urteil vom September 2017, weiteren Betrugsdelikten und nun erstmals verhandelten Vorwürfen, die sich am Montagvormittag vor Gericht bestätigten, bildete das Schöffengericht um Richter Steffen Kärcher eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. In Freiheit wird der Mann, der ab Ende Juli wohl die Vorzüge des offenen Vollzugs genießen darf, frühestens im September 2020 gelangen. Zudem wird Eigentum des Kochs im Wert von 4800 Euro eingezogen.

Jobcenter betrogen

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 37-Jährigen Betrug in zehn Fällen vorgeworfen. Zum einen hatte der Hartz-IV-Empfänger im Dezember 2016 beim Jobcenter angegeben, eine neue Wohnung angemietet zu haben, um entsprechende Leistungen zu kassieren. Dazu fälschte er die Unterschrift des Vermieters seiner Schwester. Als das Arbeitsamt den Leutenbacher Vermieter kontaktierte, wusste der nichts von einem Mietvertrag und zeigte den Mann an. Eine Sachbearbeiterin der Agentur für Arbeit bestätigte das vor Gericht. Der Staat hatte dem Mann neben der monatlichen Miete von Januar bis März 2017 unter anderem die Kaution ausgelegt und einen Zuschuss für die Ersteinrichtung gewährt. 1500 Euro sind aus dieser Zeit noch offen.

Staubsauger, die er nicht hatte, auf Ebay eingestellt

Der 37-Jährige räumte ein: „Das trifft voll und ganz zu. Da habe ich Scheiße gebaut, das tut mir leid.“ Auch, dass er auf der Auktions-Plattform Ebay Staubsauger für jeweils rund 500 Euro anbot, die er nicht besaß und demzufolge nie verschickte, gab der Mann zu. Am Ende fließen drei dieser Betrügereien ins Urteil ein. Ob und wann die Betrogenen ihr Geld wiedersehen ist allerdings ungewiss – beim mittellosen Koch ist kaum etwas zu holen. Einen weiteren Vorwurf bestritt der Angeklagte vor Gericht, wird aber schlussendlich dennoch dafür belangt: In einem Großhandels-Supermarkt kaufte er mit der Berechtigungskarte, die ihm sein Stiefvater und Ausbildungsleiter für geschäftliche Einkäufe ausgestellt hatte, privat Elektrogeräte, Zigaretten und mehr. Er habe die Berechtigung dazu gehabt, so der 37-Jährige. Sein Stiefvater, zu dem er mittlerweile keinen Kontakt mehr hat, bestritt das vor Gericht, Staatsanwalt und Richter glaubten dem Zeugen.

Kompliziert wurde dann die Bildung der Gesamtstrafe unter Einbeziehung noch nicht vollständig verbüßter Strafen aus den vergangenen Jahren. Nach einiger Rechnerei blieb das Schöffengericht um Richter Kärcher schließlich acht Monate unter der Forderung des Staatsanwaltes, der auf vier Jahre und vier Monate Haft plädiert hatte.

  • Bewertung
    2
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!